Die Eislöwen vom Äquator

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Eishockey in Kenia - Die Eislöwen vom Äquator

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Kenia ist das Land der Marathonläufer. Doch einige Kenianer wollen in dieses Bild so gar nicht passen - und spielen in der ersten Eishockeymannschaft Ostafrikas.

Knapp 90 Kilometer unterhalb des Äquators spritzt das Eis in alle Richtungen, wenn Benard Azgere auf das Tor zurast. Locker tanzt er einen Verteidiger aus, schießt - der Puck landet mit einem lauten Knall an der Latte. Azgere ist Kapitän der "Ice Lions", dem einzigen Eishockeyteam in Zentral- und Ostafrika. Sie trainieren zweimal in der Woche auf einem Eisfeld im zweiten Stock einer Mall in der kenianischen Hauptstadt Nairobi. Das Feld ist drei Mal kleiner als es nach offiziellen Standards sein sollte.

Dass das alles ein bisschen verrückt ist, ist den Spielern durchaus bewusst. Und ein bisschen stolz darauf sind sie auch. "Die Leute haben uns gesagt, man könne in Afrika kein Eishockey spielen. Wir haben sie daran erinnert, dass alles möglich ist", sagt Spieler Robert Opyo. Für ihn ist Eishockey, wie für so viele im Team, mehr als nur reiner Zeitvertreib. "Wenn du auf dem Eis stehst, vergisst du alles andere. Es gibt nur dich, den Puck und dein Team."

Kenianische Eishockeyspieler als Werbestars

Eishockey in Kenia - das klingt so verrückt, dass auch die großen Firmen aufhorchen. Die "Ice Lions" haben es zu einiger medialer Berühmtheit gebracht. Der chinesische Internetgigant Alibaba ermöglichte die Reise einiger Spieler zu den olympischen Spielen nach Südkorea. Dafür ist das Team jetzt in einem Werbeclip auf Youtube zu sehen. Während einer Reise nach Kanada trafen die Eislöwen NHL-Star Sidney Crosby, natürlich vor laufenden Kameras.

Die "Ice Tigers" beim Training
Die "Ice Tigers" beim Training - im zweiten Stock einer Shopping Mall in Kenias Hauptstadt Nairobi
Quelle: ZDF

Erschaffen hat diese Eishockes-Besonderheit Tim Colby - wie könnte es anders sein - Kanadier. Colby lebt seit über zehn Jahren in Kenia, vermisste seinen Nationalsport. Er gründete die "Ice Lions" und musste dabei einige Hürden überwinden. Ausrüstung gibt es kaum zu kaufen in Kenia, immer wenn Colby und seine Kollegen im Heimaturlaub sind, bringen sie Schläger, Schützer und Schlittschuhe mit. Finanziert wird das über Spenden und Sponsoren.

Der ferne Traum von Olympia

Colby ist nicht nur Gründer und Organisator, er trainiert die Truppe auch. Und bemerkt deutliche Unterschiede zu seinem Heimatland. "Ich habe zehn Jahre in Kanada trainiert, dort ist es oft hart, die Jugend zu motivieren", erzählt er. In Kenia sei das anders: "Hier ist jeder motiviert. Deshalb geht die Lernkurve steil nach oben. Du zeigst den Jungs einmal etwas und sie wiederholen es wieder und wieder."

"Ice Lions"-Gründer Tim Colby
"Ice Lions"-Gründer Tim Colby
Quelle: ZDF

Dieser Enthusiasmus ist spürbar. Auch wenn nicht jeder Schuss im Training sitzt, stimmt der Einsatz. Die Spieler schenken sich keinen Zentimeter. Wozu auch, sie verfolgen einen Traum, der größer kaum sein könnte: Sie wollen zu den olympischen Spielen. "Alles ist möglich. Wir wissen nicht wann, aber eines Tages wird die Welt das Trikot mit dem Löwen auf olympischem Eis sehen", sagt Kapitän Azgere. Ihm ist klar, dass sich dieses Narrativ ausgezeichnet für Werbezwecke eignet - die kenianischen Eislöwen und ihre verrückten olympischen Träume. Weniger authentisch sind sie deshalb nicht, auch nicht weniger realistisch.

Die Jugendspieler treten in die Fußstapfen der Pioniere

Dahin geht es jedoch nur in kleinen Schritten. Gerade versucht Coach Colby sie offiziell als kenianische Nationalmannschaft registrieren zu lassen. Dann wäre ein Afrika-Cup gegen Teams aus Südafrika, Tunesien, Algerien, Marrokko und Ägypten denkbar. In anderen Ländern des Kontinents gibt es keine Mannschaften. Das wäre der erste Schritt in den professionellen Spielbetrieb, dann wäre die Teilnahme an der Olympia-Qualifikation in nicht mehr allzu weiter Ferne.

Es sei jedoch nicht wichtig, dass er selbst das noch als aktiver Spieler erlebe, sagt Azgere. Mittlerweile trainiert er zweimal in der Woche das Jugendteam der Ice Lions. "Ich wünschte ich hätte in dem Alter jemanden gehabt, der mir zeigt, wie Eishockey funktioniert. Die Jungs und Mädels sind die Zukunft. Sie sind jetzt schon verdammt gut." Und wenn einer dieser Jungs und Mädels dann irgendwann vielleicht das erste Tor für Kenia auf olympischem Eis schießt, dann wird die Brust von Ben Azgere vor Stolz schwellen. Vielleicht trägt er dann immer noch das schwarz-grün-rote Trikot mit dem Löwen darauf, in dem er den Grundstein für Eishockey am Äquator gelegt hat.

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