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Rörig: Betroffene nicht als Bittsteller behandeln

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EKD-Synode tagt zu Missbrauch - Rörig: Betroffene nicht als Bittsteller behandeln

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Der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung attestiert der evangelischen Kirche Fortschritte im Umgang mit Missbrauch, fordert aber - ebenso wie Betroffene - weitere Maßnahmen.

Sexueller Missbrauch in der Kirche
Quelle: dpa

Der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm Rörig, erwartet von der evangelischen Kirche weitere Anstrengungen im Umgang mit Missbrauchsfällen. Die Kirche müsse bei der Aufarbeitung und Prävention "das Maximum wollen und auch das Maximum tun", sagte Rörig vor Beratungen der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) in Dresden im Gespräch mit der Nachrichtenagentur epd.

"Weitere Schritte müssen folgen"

Rörig bescheinigte der Kirche Fortschritte im Umgang mit den Skandalen der Vergangenheit. "Wichtige Schritte sind absolviert, weitere müssen aber folgen", sagte Rörig. Er begrüßte die Einrichtung einer zentralen Anlaufstelle für Betroffene sowie die Ausschreibung unabhängiger Studien zur Aufarbeitung der Missbrauchsskandale in der evangelischen Kirche und in den Einrichtungen der Diakonie. Wichtig sei auch, dass es künftig einen Betroffenbeirat geben solle.

Es dürfe niemals mehr passieren, sagte Rörig, "dass Betroffene als Störende und Bittstellende behandelt werden. Vielmehr müssen sie Unterstützung bei der individuellen Aufarbeitung bekommen und mit starken Rechten ausgestattet werden." Darüber sei er auch mit dem Beauftragtenrat der EKD im Gespräch.  

Rörig warnt vor digitalen Medien

Wir dürfen nicht einfach so hinnehmen, dass zehn Jahre nach dem sogenannten Missbrauchsskandal sexuelle Gewalt noch immer trauriger Alltag vieler Kinder und Jugendlichen ist.
Johannes-Wilhelm Rörig, Missbrauchsbeauftragter der Bundesregierung

Rörig sagte, er wolle die Mitglieder des Kirchenparlaments auch dafür sensibilisieren, wie dramatisch Missbrauch sei. Tausende Mädchen und Jungen seien sexueller Gewalt ausgesetzt. Durch die digitalen Medien kämen neuartige Taten und Formen von Gewalt hinzu. "Wir dürfen nicht einfach so hinnehmen, dass zehn Jahre nach dem sogenannten Missbrauchsskandal sexuelle Gewalt noch immer trauriger Alltag vieler Kinder und Jugendlichen ist", sagte Rörig.

Beschlüsse gehen Betroffenen nicht weit genug

Am Montag hatte die Synode bereits beschlossen, in ihrem Haushalt für 2020 rund 1,3 Millionen Euro für die Aufarbeitung und Prävention von sexuellem Missbrauch einzuplanen. Seit letztem Jahr gibt es unter anderem einen Beauftragtenrat der EKD, dem die Hamburger Bischöfin Kirsten Fehrs angehört. Die Gründung eines Betroffenenbeirats ist in Planung. Zudem gibt es seit 1. Juli die "Zentrale Anlaufstelle.help", an die sich Betroffene wenden können. Auch wurde eine Ausschreibung für eine wissenschaftliche Studie veröffentlicht.

Vielen Betroffenen gehen das alles nicht weit genug: So würden sie bei der Anlaufstelle lediglich an die Landeskirchen vermittelt, konkrete Hilfe erhielten sie nicht. Zudem bedauern sie, dass erst einmal keine Dunkelfeldstudie über Missbrauchsfälle geplant ist, weil der Aufwand dafür nach Einschätzung der EKD zu groß ist.

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