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"El Chapo" vor Gericht - Ein Prozess wie ein Hollywood-Film

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Der Prozess um den berüchtigten Drogenboss "El Chapo" ist spektakulär - ab Montag berät die Jury. Die Szenen, die sich seit November in New York abspielen, erinnern an Hollywood.

Gerichtszeichnung: Amanda Liskamm (l.) und Joaquin "El Chapo" Guzman vor Gericht am 31.01.2019 in New York (USA)
Joaquin "El Chapo" Guzman vor Gericht
Quelle: Reuters

Die Staatsanwältin schreitet vor der Jury auf und ab. Andrea Goldberg fasst in ihrem Plädoyer die erdrückende Beweislast zusammen. Sie beginnt ihre Ausführung mit einer szenischen Beschreibung davon, wie Joaquín Archivaldo Guzmán Loera, alias "El Chapo", zwei Männer tötete. "Wir wussten, dass es in diesem Fall um Drogen, um Geld und um Gewalt gehen würde", sagt sie mit theatralischer, aber fester Stimme.

Gigantische Mengen Kokain

Die 48-Jährige erklärt detailliert, wieso "El Chapo" der Boss des Sinaloa-Kartells gewesen sei. Während sie spricht, läuft im Hintergrund eine Diashow, in der unter anderem noch einmal die verschiedenen Transportmöglichkeiten des Drogenschmuggels grafisch dargestellt werden.

"El Chapo" führte seit den 1990er-Jahren zusammen mit "El Mayo" das Sinaloa-Kartell in Mexiko. Angeblich habe er über die Jahre so viel Kokain in die USA geschmuggelt, dass jeder Amerikaner eine Line hätte ziehen können. Auch Heroin, Marihuana und später Crystal Meth gehörten zu seinem Angebot. Drogen wurden mit Zügen, Autos und Flugzeugen über die Grenze gebracht. Zwei Mal wurde der gerade einmal 1,64 Meter große Mann bereits verhaftet. Beide Male konnte er auf spektakuläre Art und Weise aus dem Gefängnis fliehen. Eine Vorliebe scheint der Drogenboss für unterirdische Tunnel zu haben.

Morde, Folter, Spionage

Viele seiner treuen Gefolgsleute sagten jetzt bei dem Prozess gegen ihn aus. Eine ehemalige Geliebte erzählte von Schmuggelwegen und Liebesbotschaften in den Drogen, ein ehemaliger Sicherheitsangestellter hingegen schilderte die grausamen Morde und Foltermethoden des Drogenkönigs. Ein Highlight des Prozesses war der IT-Experte von "El Chapo". Er war dafür verantwortlich, Handygespräche und Chatverläufe sämtlicher Gefolgsleute aufzuzeichnen. Sogar "El Chapos" eigene Frau wurde ausspioniert. Die 29-jährige Emma Coronel Aispuro war fast bei jedem Prozesstag dabei.

Nach dem Plädoyer der Staatsanwältin am Mittwoch spricht am Donnerstag Guzmáns Verteidiger vor der Jury. Die Dramatik seiner Rede ist unübertrefflich. Jeffrey Lichtman beginnt damit, sich bei den Geschworenen für ihre Zeit zu bedanken und entschuldigt sich: "Ich weiß, wir Anwälte können manchmal anstrengend sein." Im Kern drehen sich seine Worte um das Thema Vertrauen und Lügen. Entrüstet erklärt er, wie sein Mandant den vielen Lügen zum Opfer fiel. "Aber das ist immer noch Amerika", sagt der Anwalt.

Verteidigung weist Anschuldigungen zurück

Der Verteidiger erklärt in einer flammenden Ansprache, dass man den Zeugen, die während des Prozesses ausgesagt haben, keinen Glauben schenken könne. Der Anführer des Sinaloa-Kartells sei immer noch auf freiem Fuß: "Der wahre Kriminelle ist immer noch frei und vergnügt sich wahrscheinlich gerade mit seiner Frau." Lichtman stellt rhetorische Fragen, wechselt zwischen Flüstern und beinahe Schreien. Sowohl sprachlich als auch gestisch-mimisch grenzt sein Plädoyer an eine rhetorische Meisterleistung. Wenn man ihm zuhört, könnte man fast schon Mitleid mit dem Mann auf der Anklagebank bekommen.

Die Geschworenen treffen sich am Montag, um sich zu beraten. Die herrschende Meinung unter Journalisten und Zuschauern ist klar: "El Chapo" ist schuldig. Ein potenzielles Strafmaß legt am Ende der Richter fest. Mit der Todesstrafe muss Guzmán jedenfalls nicht rechnen. Das hatten sich die mexikanischen Behörden vor seiner Auslieferung an die USA im Januar 2017 bestätigen lassen.

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