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Ein Jahr Elphilharmonie - Das Geschenk

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Von der "Geldverbrennungsmaschine" zur Erfolgsgeschichte. Vor einem Jahr wurde die Hamburger Elbphilharmonie eröffnet, seitdem ist alles anders geworden.

Es gehört zu diesen Dingen, von denen man eigentlich dachte, sie passten nicht zusammen: Rita Ora und Vicky Leandros auf der gleichen Bühne wie John Malkovich und die Einstürzenden Neubauten. Gleich daneben Ingo Metzmacher, Kent Nagano und Thomas Gottschalk.

Das erste Elbphilharmonie-Jahr hatte nur Highlights: Alles war zum ersten Mal. Alles gab es vorher noch nicht. Haben sich die fast 800 Millionen Euro Kosten gelohnt?

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Klingt wie die Seiten aus dem Buch eines Autogrammjägers. Ist aber ein kleiner Auszug aus dem Programm des ersten Jahres der Hamburger Elbphilharmonie. Ein Konzerthaus, wegen dem die Hamburger beinahe ein Jahrzehnt lang Hohn und Spott ertragen mussten. Das verglichen wurde mit Pleiteprojekten wie dem Berliner Flughafen und Stuttgart 21. Das von einem großen Hamburger Nachrichtenmagazin "Geldverbrennungsmaschine" genannt wurde.

Die vorderen Plätze im Schwarzbuch des Bundes der Steuerzahler belegt die Elbphilharmonie schon längst nicht mehr. Seit vor einem Jahr der erste offizielle Ton den großen Saal von Hamburgs Welle an der Elbe hat erklingen lassen, seitdem hört man viel, aber kaum mehr Kritik. Keine generelle wohlgemerkt.

Nur Luxusprobleme

Nur Luxusprobleme werden hin und wieder angesprochen: über Eintrittskarten, die stets ausverkauft zu sein scheinen, und ein Ausloseverfahren, das für auswärtige Online-Besteller nicht immer durchsichtig ist. Über die Akustik, die keinerlei Fehler verzeiht. Über zu steile Treppen hier und einem kalten Weg zur U-Bahn dort.

Heute, an diesem für Hamburg typischen schmuddeligen Januartag interessiert das hier oben auf der sogenannten Plaza niemanden. Vor genau einem Jahr, zur Eröffnungsveranstaltung, war dieser spektakuläre Rundweg in 37 Metern Höhe, voller prominenter Premierengäste. Eine spektakuläre Lichtinstallation durchdrang den Dauer-Nieselregen. Der Bundespräsident, damals noch Joachim Gauck, erteilte der Elbphilharmonie die Absolution und bescheinigte den Hamburgern viel Leidensfähigkeit, nicht zuletzt auch wegen der Tabellensituation des HSV.

Heute, ein Jahr nach der offiziellen Eröffnung, muss niemand mehr den Hamburgern wegen der Elbphilharmonie Leidensfähigkeit bescheinigen - im Gegensatz zur Tabellensituation des HSV, die sogar noch ein bisschen schlechter geworden ist.

Gewinn im ersten Jahr

Ansonsten: Das Konzerthaus an der Elbe ist eine Erfolgsgeschichte, die in der Stadt der hanseatischen Kaufleute ihresgleichen sucht. Hamburgs musikalischer Elbableger macht schon im ersten Jahr Gewinn. 542.000 Euro, mit denen der Finanzsenator, wie er sagt, nicht gerechnet hatte. Ein symbolisches Plus von 1.000 Euro hatte die Hamburger Politik vorsichtig angepeilt. Bloß keine weiteren Schlagzeilen über Steuergelder schaffen, die direkt in der Elbe versinken.

Schnöde Zahlen - typisch nüchterne Hanseaten.

Hamburg hat sich mit der Elbphilharmonie nicht nur ein Konzerthaus selbst geschenkt. Die Stadt hat sich mit dem Bauwerk auf einer Landkarte verewigt, die den Norden Deutschlands bislang nicht kannte: weltberühmte Städte. Zeitweise entstand der Eindruck, die "New York Times" hätte eine Lokalredaktion in Hamburg eröffnet. Von einer der lebenswertesten Städte berichtet die Zeitung. Von Hochkultur und Mut. Mut, in diesen Zeiten in Kultur zu investieren. Ein regelrechtes Zeichen zu setzen.

Der Mut brachte die Kultur zurück

Und tatsächlich: Dieser Mut brachte Kultur wieder zurück in die Köpfe der Menschen und mit jedem Konzert auch in die Herzen. Längst hat die Strahlkraft der Elbphilharmonie die Auslastung nicht nur der Hamburger Bühnen, sondern beinahe aller Einrichtungen in Norddeutschland erreicht. Längst ist Hamburg auf der Liste der beliebtesten Städtereiseziele in der gleichen Liga wie Venedig, Rom oder New York angekommen. Längst steht das Konzerthaus auf der Wunschliste aller internationalen Künstler, und das - mit großer Absicht - nicht nur aus dem Bereich Kultur.

Der Generalintendant wählt zwar nur zwei Drittel der Konzerte selbst aus. Aber er entscheidet auch über das dritte Drittel. Das sind die Veranstaltungen, mit denen die Elbphilharmonie so viel Geld verdient: die Modenschau von Karl Lagerfeld, das Wohltätigkeitskonzert von Rita Ora.

"Im Paralleluniversum"

Die Vermietungen der Elbphilharmonie müssen ins Gesamtbild passen. Sie können aber auch mal ausgefallen sein, regelrecht durchgeknallt und verrückt wie das Kammerspiel eines Diktators, den Hollywood-Schauspieler John Malkovich mimte. "Just call me god" - "nenne mich einfach Gott". Man konnte das Stück diskutieren, nicht aber die Idee, die Elbphilharmonie für einen weitgefassten Begriff von Kultur zu öffnen. Dazu gehört dann eben auch ein Pop-Konzert und ein Karl Lagerfeld-Laufsteg.

"Willkommen im Paralleluniversum", nennt es die Stadtteilzeitung der Hamburger Hafencity - "Willkommen in einer Erfolgsgeschichte" müsste eigentlich darunter stehen. In diesem Sinne: "Happy birthday, Elbphilharmonie!"

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