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Verordneter Wandel - China macht "E-mobil"

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30 Millionen E-Roller kommen in China im Jahr derzeit unters Volk. Auf Chinas Zweiradmarkt ist längst Wirklichkeit, was den Vierrädern noch bevorsteht. Elektro regiert.

Archiv: Elektroroller auf einer Messe in China am 20.10.2012
Elektroroller auf einer Messe in China (Archivbild).
Quelle: picture alliance / Photoshot

Wer genau aufpasst, kann die Zukunft der Elektromobilität in China sogar hören. An der Kreuzung dröhnen Automotoren. Aber das Heer der Roller, quietscht vielleicht ein bisschen, ist aber ansonsten ganz leise unterwegs. Für ahnungslose Fußgänger fast schon zu leise. 30 Millionen Elektroroller werden pro Jahr in der Volksrepublik verkauft, nur sechs Millionen Benziner. Auf Chinas Zweiradmarkt ist längst Wirklichkeit, was den Vierrädern noch bevorsteht. Elektro regiert.

Staatlich verordneter Wandel

Aber bald soll das auch bei den Autos gelten. So will es Chinas Regierung. Und so setzen es Chinas Autohersteller um. Was sich da vollzieht, ist ein staatlich verordneter Epochenwandel von Benzin zu Elektro. Der Deutschland-Chef des chinesischen Auto-Start-ups Nio, Zhang Hui, ist selbst überrascht, wie schnell China bei der Elektromobilität weit nach vorne kam. "Die Regierungspolitik ist einfach seit 2008 sehr kontinuierlich umgesetzt worden", sagt Zhang. "Obwohl wir später als Deutschland gestartet sind, konnten wir trotzdem diesen Fortschritt realisieren."

Nio ist ein gutes Beispiel dafür, was gerade auf dem größten Automarkt der Welt passiert. Die Firma ist ein Newcomer, Autos verkaufen sie erst seit einem halben Jahr. Bislang nur in China, wo es satte staatliche Subventionen gibt von fast 10.000 Euro für einen SUV. "Die gesamten Zuschüsse oder Subventionen für Erneuerbare-Energie-Fahrzeuge in China lagen im letzten Jahr bei 77 Milliarden Dollar," erklärt Zhang, "während es in Deutschland 130 Millionen Dollar waren."

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Noch läuft alles auf Pump. Nio verbrennt Geld, als wäre es ein Porsche Cayenne auf Vollgas. Aber die Produktion läuft, im letzten Halbjahr verkauften sie gut 11.000 Fahrzeuge. Und hinter Nio stehen potente Geldgeber wie Chinas Telekomriese Tencent. So schnell ist der Tank beim E-Auto-Hersteller also nicht leer.

Chinas Autobauer drängen in den E-Markt

Auf Chinas Automessen sind sie zu Dutzenden zu sehen: Chinesische Autohersteller, die im Elektrogeschäft ihre große Chance sehen, um zu den globalen Autokonzernen aufzuschließen. Shen Hui, Geschäftsführer von WM-Motors, eines anderen Auto Start-ups, spricht ganz offen über die Strategie: "Wir wollen die Konkurrenten auf einer anderen Spur überholen. Was bislang am aufwändigsten war, Verbrennungsmotor, Schaltgetriebe, das braucht man bei Elektroautos nicht. Und China ist ganz vorne bei der Entwicklung von Batterien."

Von den sieben größten Batteriezellenherstellern der Welt kommen drei aus China. Kein einziger aus Deutschland. Wer in China Autos verkaufen will, muss chinesische Batterien nutzen.

Es ist ausgerechnet Chinas Dauersmog, der Elektroautos zum Durchbruch verhelfen könnte. Die Regierung hilft mit milliardenschweren Subventionen und verlangt von ausländischen Herstellern, dass sie Elektroquoten erfüllen - für eine bessere Luft.

Autokonzerne bauen mit an Infrastruktur

Auch die Infrastruktur wächst. Autokonzerne bauen kräftig mit an den notwendigen Ladestationen. In Shenzhen, der 25-Millionen-Metropole im Süden Chinas, fährt die gesamte Busflotte inzwischen elektrisch. Nun sollen auch die Millionen Pkw in der Stadt folgen. "Die Stadtregierung ermuntert die Einwohner, Elektrofahrzeuge zu kaufen", sagt Yao Ren, Parteisekretär eines großen Stadtbezirks. "In Shenzhen sind Fahrzeugzulassungen limitiert. Aber für Elektroautos gibt es keine Beschränkungen."

80 Prozent Wachstum erwarten sie bei Nio für den Markt der Elektroautos in China. Jahr für Jahr. China ist weit voraus – dank staatlicher Regelungen und Subventionen. Und weil Unternehmen darin ein neues, großes Geschäft sehen.

Thomas Reichart leitet das ZDF-Studio in Peking.

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