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Elektrobusse in China - Die flüsternde Revolution

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China baut seine Elektrobusflotte aus - der Smog soll sich endlich lichten. Vor allem ist die Aktion eine gewaltige Anschubhilfe für die chinesische Industrie.

Frühmorgens drängen sich die Pendler an den Bussteigen. Dazwischen Schüler, die schnell noch den Stoff für die anstehende Prüfung durchgehen. Soweit, so normal am Busbahnhof von Shenzhen im Süden Chinas. Und doch ist hier etwas anders als in den meisten Städten: es ist leise. Man hört Menschen lachen, husten, sich unterhalten. Und wenn Busfahrer Hanquan Wei mit dem Besen den Staub von den Radkästen fegt, hört man selbst das.

Knapp 17.000 Elektrobusse im Einsatz

Der Grund für die gedämpfte Geräuschkulisse: die gesamte Flotte der knapp 17.000 Busse in Shenzhen fährt elektrisch. Seit Anfang des Jahres ist das laute Röhren rußender Dieselmotoren Vergangenheit. "Ich kann mich ohne Mühe mit den Fahrgästen unterhalten", erzählt Busfahrer Wei. "Selbst, wenn ich in normaler Lautstärke spreche. Das ist sehr angenehm."

Auch seine Fahrgäste sind gerne in den neuen E-Bussen unterwegs. Haiqiang Huang fährt jeden Tag mit der Linie 655 zur Arbeit. Die Ruhe im Wagen genießt er sehr. "Ich finde das einfach toll!" erzählt er uns. "Die E-Busse sind einfach besser und so gibt es auch weniger Smog."

Kampf gegen den lokalen Smog

Shenzhen soll eine grüne Vorzeigestadt werden und die Elektrobusse sind ein Baustein auf dem Weg, die lokale Luftqualität zu verbessern. Wie so viele chinesische Ballungszentren hat auch die Industriemetropole im Süden an vielen Tagen mit Smog zu kämpfen. 

"Seit wir alle Busse des öffentlichen Nahverkehrs durch Elektrofahrzeuge ersetzt haben, ist die Belastung der Luft hier deutlich weniger geworden", erklärt Ren Yao, Parteisekretär aus Shenzhen. Dass der Strom für die Busse aus Kohlekraftwerken kommt, erwähnt er nicht - schließlich sind diese ja weit weg und ihr Feinstaub damit nicht das Problem seiner Stadt.

Die alte Busflotte verbrauchte jedes Jahr weit mehr als 400 Millionen Liter Diesel, deren Abgase zur schlechten Luft in den Straßen beitrugen. Mit den neuen Elektrobussen sollen vor Ort nun jährlich 1,35 Millionen Tonnen CO2 eingespart werden. Und der nächste Schritt steht auch schon fest: bis spätestens 2020 sollen alle Taxen der Stadt ebenfalls nur noch elektrische Antriebe haben.

Ziel: China als Weltmarktführer bei Elektrofahrzeugen

Umweltschutz und Lebensqualität sind jedoch nicht die einzigen Gründe für die radikale Umstellung des Fuhrparks. Denn Shenzhen ist nur der Startpunkt für einen landesweiten Umbruch. Die kommunistische Partei hat ein ehrgeiziges Ziel: China soll langfristig als Weltmarktführer in der E-Mobilität positioniert werden.

Motor eines Elektrobus in Shenzhen, China im August 2018
Motor eines Elektrobus in Shenzhen, China im August 2018
Quelle: ZDF

Das lässt sich die Regierung einiges kosten. Im Rahmen eines riesigen Konjunkturprogramms mit dem Namen "Made in China 2025" fördert  sie die Forschung im Elektrobereich. Entwicklungsbanken, spezielle Fonds und günstige Kredite machen es einschlägigen Unternehmen leicht, an Geld für entsprechende Projekte zu kommen. Zusätzlich wird der Kauf elektrisch betriebener Fahrzeuge massiv bezuschusst - vom großen Stadtbus bis hin zum Kleinwagen. Bis 2025 sollen etwa 20 Prozent aller Privatfahrzeuge ebenfalls nur noch elektrisch fahren.

Deutsche Bundesbank warnt vor Konkurrenz aus China

Chinas Elektro-Offensive wird sich nicht nur auf den heimischen Markt beschränken. Daher warnt nun selbst die Deutsche Bundesbank vor der wachsenden Konkurrenz aus China. Denn während dort Firmen wie BYD, ursprünglich ein reiner Batteriehersteller, inzwischen längst E-Busse in großen Stückzahlen produzieren, hinkt die deutsche Fahrzeugindustrie hinterher.

Einzig Daimler hat jüngst seinen "eCitaro" vorgestellt, der ab Ende des Jahres in einer kleinen Serie produziert und dann von den ersten Kunden erprobt werden soll. Die VW-Tochter MAN hat einen Elektrobus für 2019 angekündigt. Allerdings: die Reichweite der Busse ist noch viel zu gering, um den gesamten öffentlichen Nahverkehr einer Stadt problemlos bedienen zu können. Und ohne staatliche Förderung dürfte für viele Städte und Gemeinden  auch der Preis ein Hindernis sein. "Die Annahme, dass ein Strombus zwei- bis zweieinhalbmal so teuer ist wie ein Dieselbus, ist nicht völlig falsch", erklärt Ulrich Bastert, Vertriebschef für Busse bei Daimler.

Bei den Verbrennungsmotoren hat China irgendwann aufgegeben - zu groß war der Vorsprung, den westliche Hersteller über Jahrzehnte herausgefahren hatten. Bei den Elektroantrieben aber will das Reich der Mitte nichts dem Zufall überlassen. China soll nicht nur kurzzeitig, sondern auf lange Sicht die Nase vorne behalten. Derzeit sieht es so aus, als würde das auch gelingen.

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