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Emmanuel Macron - Frankreichs abgehobener Präsident

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Die Franzosen und Emmanuel Macron haben sich entliebt. So groß die Begeisterung für den jüngsten Präsidenten seit Napoleon war - so tief ist nun die Enttäuschung.

Achtzehn Monate nach seiner Wahl ist Frankreichs Präsident Emmanuel Macron in den Meinungsumfragen eingebrochen. Macron, der einst durch geschickte Kommunikation alle bezaubert hat, scheint nun selbst sein größter Feind geworden zu sein.

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Wer braucht schon einen Innenminister? Frankreich kommt schon eine ganze Woche ohne aus, und das wird mindestens noch bis Samstag dauern. Denn Präsident Emmanuel Macron ist bis dahin auf einem Arbeitsbesuch in Armenien. Er wolle sich die nötige Zeit nehmen, um in aller Ruhe eine neue Regierungsmannschaft zusammenzustellen, teilte der Elysée mit. Es klang ein wenig wie Radio Eriwan.

Unterdessen ist Premierminister Edouard Philippe mit Polizisten auf eine nächtliche Streife gegangen - als ob er beweisen müsse, dass er auch als Übergangs-Innenminister alles im Griff habe. Der Rücktritt von Gérard Collomb am 2. Oktober war der siebte und sicher der schmerzlichste Abschied eines Kabinettsmitglieds seit Macrons Amtsantritt. Der väterliche Freund und Förderer war eines der politischen Schwergewichte, die Macrons aus dem Nichts entstandene En-Marche-Bewegung so dringend brauchte.

Macrons spektakulärer Absturz begann im Frühsommer

Dass es nun so lange dauert, ihn zu ersetzen, zeigt, in welche schwierige Lage Macron sich manövriert hat. Mindestens fünf Absagen soll er sich schon eingehandelt haben, eine davon peinlicherweise öffentlich auf Twitter.

Wie konnte es soweit kommen? Warum findet der einstige Politstar und Hoffnungsträger keine erfahrenen Politiker mehr, die eng mit ihm zusammenarbeiten wollen? Und wie hat er es geschafft, in den Umfragen zwischenzeitlich noch tiefer zu sinken als selbst seine ungeliebten Vorgänger François Hollande und Nicolas Sarkozy?

Emmanuel Macron verzauberte nach seiner Wahl zum Präsidenten viele Franzosen. Frischer Wind im Elysee-Palast. Doch jetzt tritt sein Innenminister und Vertrauter zurück und spricht Macron jegliches Verständnis für normale Bürger ab.

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Sein spektakulärer Absturz begann im Frühsommer mit der Affäre um seinen Demonstranten prügelnden Sicherheitsmann. Macron hatte ihn offensichtlich allzu lange protegiert. Die anschließenden Anhörungen einer Untersuchungskommission verfestigten das Bild einer Kungelei auf höchster Ebene - und damit genau dessen, womit Macron doch eigentlich Schluss machen wollte.

Arroganter Macron verbittert sein Volk

Noch bitterer empfanden viele Franzosen Macrons Art, bei Bürger-Begegnungen immer wieder einzelne herauszupicken und sie zu maßregeln. Einen Jugendlichen fuhr er an, er solle ihn mit "Herr Präsident" ansprechen, einem arbeitslosen Gärtner empfahl er, er müsse nur mal über die Straße gehen, um Arbeit als Kellner zu finden. Und einen Ex-Häftling auf Saint-Martinique duzte er unverblümt und mahnte ihn, sich am Aufbau der orkangeschädigten Insel zu beteiligen.

Wenn einer die Franzosen "widerspenstige Gallier" nennen darf, dann muss er schon Autor einer beliebten Comicserie sein. Dass ein amtierender Präsident solche Scherze ausgerechnet auf einer Auslandsreise macht, kam bei den Gemeinten gar nicht gut an.

"Er ist sicher ein sehr heller Kopf, aber es fehlt ihm das Mitgefühl mit den Franzosen, die ihn als Präsident der Reichen sehen, als Gegner der Rentner", meint die "Le Monde"-Journalistin Françoise Fressoz. "Und jetzt entdecken sie auch noch einen Präsidenten, der manchmal den Eindruck erweckt, er sei herablassend."

Als Macron sich am Dienstag mal wieder mit seinem Lieblingspublikum traf, nämlich der Pariser Start-up-Szene, gab es die erste größere Demo gegen ihn seit der Sommerpause. Zu sehen waren - neben den üblichen Gewerkschaftsparolen - auch ein paar als widerspenstige Gallier verkleidete Demonstranten. "Na, immer noch keine Arbeit gefunden? Dann mal rüber auf die andere Seite", riefen sie und liefen kreuz und quer über die Straße.

Macrons ausgeschiedener Innenminister hatte dem Präsidenten kurz vor Schluss noch mangelnde Bescheidenheit und zunehmende Selbstisolierung vorgeworfen. "Wir sind nicht mehr viele, die noch mit ihm reden können", sagte Collomb. "Wenn alle Welt sich vor ihm verneigt, dann wird er am Ende ganz alleine dastehen." Genau so scheint es jetzt gekommen

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