Sie sind hier:

Tag des Lächelns - Emojis: Der Reiz des Ungesagten

Datum:

Heute ist Tag des Lächelns - anlässlich der Erfindung des Smileys 1963. Damals strahlte er vor Freude. Heute transportieren Emojis viel mehr. Was genau, ist nicht immer klar.

Lachende Smileys, aufgenommen am  09.06.2016
Emojis - Smilies
Quelle: dpa

Emoji ist japanisch und bedeutet so viel wie Bild und Zeichen. Zugegeben, das hätte man wohl auch ohne Japanisch-Kenntnisse erahnen können. Womit wir beim offenkundigen Vorteil der Emojis wären: Jeder versteht sie und das macht sie so populär: "Zumindest haben viele Menschen das Gefühl, man könne mit Emojis etwas ausdrücken, was man auf andere Weise in der bildschirmbasierten Kommunikation nicht oder nicht so gut ausdrücken kann", sagt Sprachwissenschaftlerin Konstanze Marx.

Manches soll im Ungeklärten bleiben

Man sieht einen tränenden Lach-Smiley
Die Bedeutung dieses tränenlachenden Smileys ist weitgehend unumstritten.
Quelle: ZDF Volle Kanne

Der grinsende Smiley transportiert Freude, das Emoticon mit den hängenden Mundwinkeln Ärger oder Enttäuschung - und zwar auf kleinem Raum. Das macht Emojis ökonomisch, erklärt Marx. Deren Siegeszug kam mit der SMS. Die Kurznachrichten "kosteten Geld, es gab eine Zeichenbeschränkung und da war es natürlich gut, Sachverhalte nicht ausformulieren zu müssen." Emojis boten eine gute Lösung - in vielerlei Hinsicht. "Wir können mit Text natürlich viel elaborierter ausdrücken, was wir meinen, denken und fühlen. Die Frage ist aber, ob wir das wollen. Man möchte manchmal vielleicht auch einiges im Ungeklärten lassen", erläutert Marx.

Emoji "schwarzes Herz"
Das schwarze Herz wird häufig als Zeichen des Mitgefühls benutzt.
Quelle: emojipedia.org

Manchmal sei es auch so, dass man gar nicht wisse, was man sagen solle. Als Beispiel führt Marx Trauer an. Da sehe man oft schwarze Herzen im Netz, als Zeichen des Mitgefühls. Das ließe sich auch über Text transportieren, aber mit dem Emoticon "entzieht man sich der schwierigen Aufgabe, die Gefühle versprachlichen zu müssen".

Man könnte zusammenfassen, dass Emojis unpräziser sind als die traditionelle Schriftsprache. Das ist aber nicht zwingend ein Nachteil: "Man muss vielleicht nicht alles ganz genau sagen. Es bleibt etwas in der Schwebe und es bleibt dem Empfänger oder der Empfängerin überlassen, das zu dechiffrieren."

Emojis mit "Missverständnis-Potenzial"

Dementsprechend gibt es nur relativ wenige Emojis, bei denen sich alle Nutzer einig sind, was sie bedeuten. Dazu zählt etwa der lächelnde Smiley, sagt Marx. "Sobald Emojis in Zusammenhang mit Text erscheinen, entsteht ihre Bedeutung auch erst in Relation zum Text. Und damit kann sich auch ein größerer Interpretationsspielraum ergeben."

Screenshot Emoji "Kackhaufen"
Der lachende Kothaufen – wofür er genau steht, weiß niemand so recht.
Quelle: emojipedia.org

Für manche Emojis gibt es gar keine eindeutige Bedeutung - beispielsweise diese lachende Anhäufung von Exkrementen. Ob dieser Emoji für eher suboptimale Lebenslagen steht, die dennoch die optimistische Grundeinstellung nicht ruinieren, kann die Sprachwissenschaftlerin nur vermuten. "Aber das ist genau der Punkt, es gibt eben Emojis, für die es keine klare Bedeutung gibt. Und so haben sie "durchaus ein Missverständnis-Potenzial, obwohl viele gerade dadurch, dass sie Emojis verwenden, Missverständnisse vermeiden wollen."

Emojis als ästhetisches Element

Emojis haben aber auch einen anderen Nutzen, erklärt Marx: "Sie sehen gut aus, sie haben auch eine ästhetische Funktion." Viele Emojis seien absolut redundant. Man stelle sich folgende Nachricht vor: Ich fahre jetzt Rad. Danach kommt drei Mal das Fahrrad-Symbol. "Das macht man, weil man damit den Text visuell attraktiver gestalten will", erklärt Marx. Man könnte sagen, die Fahrräder sollen den Text aufhübschen.

Screenshot Emoji "Fahrrad"
Manche Emojis dienen rein ästhetischen Zwecken, zum Beispiel dieses Fahrrad.
Quelle: emojipedia.org

Fehlen Emojis in Nachrichten gänzlich, dann wird damit in der informellen Messenger-Kommunikation transportiert, "dass es jetzt eher um eine Ernsthaftigkeit geht - möglicherweise auch um eine unerwartete Ernsthaftigkeit", sagt Marx. Das Beispiel zeigt: Mit Emojis werden eher positive Botschaften verbunden. "Sie transportieren eine bestimmte Form der informellen Kommunikation. Und die unterscheidet sich nun mal von der Kommunikation in anderen Zusammenhängen. Das ist in Ordnung."

Für Marx sind Emojis ein Zugewinn, "eine interessante Art und Weise, wie sich eine bestimmte Kommunikationsform, nämlich die smartphonebasierte Kommunikation neuer, kreativer Möglichkeiten bedient."

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert auf Mein ZDF! Abo beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Die Website verwendet Cookies, um Ihnen ein bestmögliches Angebot zu präsentieren. Nähere Informationen und die Möglichkeit, die Verwendung von Cookies einzuschränken finden Sie hier.

Sie wechseln in den Kinderbereich und bewegen sich mit Ihrem Kinderprofil weiter.