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Doppelmord von Herne - Emotionslos und schuldfähig

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Lebenslang mit besonderer Schwere der Schuld - die Staatsanwaltschaft will, dass der Doppelmörder von Herne, Marcel H., nie wieder frei kommt. Heute wird das Urteil erwartet.

Polizeiabsperrung nach Doppelmord in Herne am 10.03.2017
Polizeiabsperrung nach Doppelmord in Herne am 10.03.2017 Quelle: dpa

In dem Prozess geht es um die höchste Strafe, die das deutsche Strafrecht zu bieten hat. Die Staatsanwaltschaft hat für den Angeklagten zusätzlich noch die Anordnung von Sicherungsverwahrung beantragt.

25 Verhandlungstage Schweigen

Es sind zwei bestialische Morde, die vor dem Bochumer Landgericht wieder und wieder beschrieben werden. Die Mutter von Jaden, der zum Zeitpunkt seines Todes gerade einmal neun Jahre alt war, und die Mutter des 22 Jahre alten Christopher ertragen tapfer die schrecklichen Details: Dutzende Messerstiche auf die wehrlosen Opfer. Fotos der Taten im Internet, die Marcel H. verschickt hat. Seine menschenverachtenden Kommentare dazu.

Marcel H. hat die Taten gestanden. Er hat sich nicht nur mit den Morden im Internet gebrüstet, sondern auch direkt nach seiner Festnahme detailliert zu Protokoll gegeben, wie er den kleinen Nachbarsjungen Jaden und seinen ehemaligen Schulkameraden Christopher auf grausige Weise ermordet hat. Im Gerichtssaal schweigt Marcel H. - 25 Tage lang. Kein Wort zu den Angehörigen, die immer wieder um Fassung ringen. Noch nicht einmal ein Blick zu den beiden Frauen, die ihm die ganze Zeit gegenüber sitzen.

Tagelange Furcht in Herne

Die Staatsanwaltschaft wirft Marcel H. die "grundlose Ermordung von zwei völlig unschuldigen, jungen Menschen" vor, denen er "jegliches Menschenrecht aberkannt" habe. Unzufriedenheit mit dem eigenen Leben, Macht- und Größen-Phantasien sowie "Befriedigung des eigenen Sadismus und Angeberei" kämen als Motive in Betracht.

Marcel H. habe insgesamt 120 Mal auf seine beiden Opfer eingestochen und später sogar versucht, einen Fuß abzutrennen, um ihn im Internet stolz als Trophäe zu präsentieren. Zudem habe er während seiner dreitägigen Flucht "ganz erheblich für Angst in der Bevölkerung rund um Herne" gesorgt: Aus Furcht vor weiteren Übergriffen hielten Eltern ihre Kinder im Haus, Schulen verlegten die Hofpausen ins Gebäude.

 "Psychopathisch, narzisstisch und sadistisch"

"Etwas Knastwürdiges" wolle er machen, hatte Marcel H. im März 2017 vor den Taten einen Bekannten wissen lassen. Der 19-jährige war internetsüchtig, hatte Hunderte von schulischen Fehlstunden angehäuft, galt als Einzelgänger. Gutachten stellen nun im Prozess eine "dissozial-narzisstische Persönlichkeitsstörung" fest. Keine Bindung zu Menschen habe Marcel H. aufgebaut. Aber der Angeklagte gilt als durchschnittlich intelligent und voll schuldfähig, im Gegensatz zu Marcel H.s Anwalt sehen die Gutachterinnen auch keine Reifeverzögerung. Damit könnte er nach dem Erwachsenenstrafrecht verurteilt werden.

Der Angeklagte sehe zwar "jugendlich" aus, tatsächlich sei seine Persönlichkeit aber schon ausgereift. Problematisch seien vor allem "psychopathische, narzisstische und sadistische" Elemente. Es ist Marcel H.s "unfassbare Abgebrühtheit", wie es der Staatsanwalt formuliert, die Prozessbeobachter so verstören: Die Ausführung der Taten selbst, das öffentliche Prahlen damit, seine emotionslose Haltung, das Fehlen von jeglicher Anteilnahme.

Jüngst ein Anzeichen von Reue

Erste Anzeichen von Reue hatte Marcel H. kürzlich allerdings in einem Brief an seine Mutter gezeigt, ihm sei erst jetzt bewusst geworden, was für "einen Schaden" er angerichtet habe. Den Brief unterzeichnete er mit "Dein ratloser Sohn Marcel". Doch letztlich gibt es in diesem Prozess kaum etwas, das zu seinen Gunsten gewertet werden könnte. Der Anwalt von Jadens Familie sagt, er habe noch nie erlebt, dass ein junger Mensch derart verroht sei. Jadens Mutter will, dass der Mörder ihres Kindes jetzt bestraft wird, "möglichst schwer und möglichst lange."

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