Sie sind hier:

Spannungen mit Türkei - "Reisewarnung ist ein schlechter Witz"

Datum:

In Deutschland gehe es zunehmend rassistisch und türkenfeindlich zu, deswegen sollten die Landsleute bei Reisen in die Bundesrepublik "Vorsicht" walten lassen - so zu lesen in einer Reisewarnung Ankaras. Deutsche Politiker reagieren empört. Peter Altmaier sprach von einem "schlechten Witz".

Die türkische Reisewarnung für Deutschland hat zu neuer Verstimmung zwischen Berlin und Ankara geführt. Deutsche Politiker kritisierten die Erklärung des türkischen Außenministeriums scharf.

Beitragslänge:
1 min
Datum:

Mit einer "Reisewarnung für die Bundesrepublik Deutschland" hat die Türkei die Spannungen beider Länder weiter angeheizt. Deutsche Politiker kritisierten den Schritt: "Reisewarnung der Türkei gegen Deutschland ist ein schlechter Witz! Grundlose Haft für viele Deutsche ist Unrecht! Nazivergleiche verletzen unsere Ehre!", schrieb Kanzleramts-Chef Altmaier (CDU) auf Twitter.

"Die Regierung in Ankara verliert das Maß", mahnte SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz. "Die Beziehungen zwischen der Türkei und der Bundesrepublik Deutschland dürfen sich nicht so entwickeln, wie das offensichtlich systematisch in Ankara vorangetrieben wird." Wenn das so weitergehe, müsse man im Klartext sagen: "Deutschland ist kein Land, das jede Demütigung aus der Türkei akzeptieren kann."

CDU-Generalsekretär Peter Tauber erklärte via Twitter: "Warnt Erdogan vor Reisen nach Deutschland, damit die Menschen dort nicht sehen, wie Freiheit, Recht und Weltoffenheit ein Land stark machen?" Grünen-Spitzenkandidat Cem Özdemir erklärte: "Erdogans Verhalten ist eines Präsidenten unwürdig. Er will den Spaltpilz nach Deutschland tragen, das dürfen wir nicht zulassen."

"Von Wahlkampfveranstaltungen fernhalten"

In der am Samstag veröffentlichten Reisewarnung ermahnt das türkische Außenministerium seine Landsleute generell zur "Vorsicht". So sollten sich Türken in Deutschland "nicht auf politische Debatten einlassen", hieß es. Auch sollten sie "sich von Wahlkampfveranstaltungen politischer Parteien und von Plätzen fernhalten", wo Kundgebungen oder Demonstrationen stattfinden, die von "Terrororganisationen" organisiert oder unterstützt und von den deutschen Behörden geduldet werden".

Das türkische Außenministerium moniert zudem, dass türkische Bürger bei der Einreise nach Deutschland besonders auf Flughäfen von Sicherheits- und Zollbehörden "willkürlich hingehalten, befragt und respektlos behandelt" würden.

Ankara: Rassistischer Diskurs

Zur Begründung führte Ankara aus, dass die politische Atmosphäre in Deutschland zunehmend von einem "rechtsextremen, gar rassistischen Diskurs" geprägt sei. So führten die politischen Führer einen Bundestagswahlkampf, der auf "Türkeifeindlichkeit" und darauf gegründet sei, die EU-Mitgliedschaft der Türkei zu verhindern.

Bei der Reisewarnung handelt es sich augenscheinlich um eine Reaktion der Türkei auf die Bundesregierung, die Mitte Juli einen Kurswechsel gegenüber der Regierung in Ankara vorgenommen und die Reisehinweise für die Türkei verschärft hatte.

Die schwere Krise in den deutsch-türkischen Beziehungen war unter anderem durch die Inhaftierung einer zunehmenden Zahl von Bundesbürgern in der Türkei ausgelöst worden. So sitzen der "Welt"-Korrespondent Deniz Yücel und der Menschenrechtler Peter Steudtner wegen Terrorvorwürfen ohne Anklage in der Türkei in Untersuchungshaft. Nach der Inhaftierung Steudtners Anfang Juli hatte das Auswärtige Amt in Berlin die Reisehinweise für die Türkei verschärft und Deutschen "zu erhöhter Vorsicht geraten".

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert auf Mein ZDF! Abo beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert

Sie wechseln in den Kinderbereich und bewegen sich mit Ihrem Kinderprofil weiter.