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Empörung in Washington - "Traurig", "Tiefpunkt", "Hochverrat"

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Washington ist empört: Donald Trumps Aussagen an der Seite Wladimir Putins sorgen für Kritik - auch in den eigenen Reihen. Die Worte sind deutlich.

kapitol in washington unter grauer wolkendecke
Die USA müssten die Angriffe Russlands auf ihre Demokratie beenden, sagt der Republikaner Ryan. Der Demokrat Schumer nennt Trumps Aussagen gefährlich. Ein ehemaliger CIA-Direktor geht noch weiter.
Quelle: ap

So prangerte der prominente republikanische US-Senator John McCain einen "Tiefpunkt in der Geschichte der amerikanischen Präsidentschaft" an. Der Chef der oppositionellen Demokraten im Senat, Chuck Schumer, erklärte, noch nie in der US-Geschichte habe ein Präsident einen "Widersacher" derart unterstützt. Der US-Präsident habe eine "bewusste Entscheidung getroffen, einen Tyrannen zu verteidigen". Trumps "Naivität, Egoismus, falsche Übereinstimmung und Sympathie für Autokraten sind schwer zu kalkulieren", sagte McCain.

Trump hatte es in einer Pressekonferenz mit Putin in Helsinki auf eine Reporterfrage hin unterlassen, die mutmaßlichen russischen Cyberattacken auf die US-Demokraten zu verurteilen. Zwar habe er "großes Vertrauen in meine Geheimdienst-Leute", sagte der US-Präsident. Doch sei Putin in seinem Dementi einer Wahlkampfeinmischung "extrem stark und kraftvoll" gewesen.

McCain: "Selbst erniedrigt"

Die US-Justiz hatte am Freitag wegen der Cyberattacken zwölf Mitarbeiter des russischen Militägeheimdienstes GRU angeklagt. Die Angriffe hatten sich unter anderem gegen die Parteizentrale der Demokraten und die Wahlkampagne von deren Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton gerichtet.

Dies sei "einer der beschämendsten Auftritte" eines US-Präsidenten gewesen, die in Erinnerung seien, erklärte der schwer krebskranke McCain in einem schriftlichen Statement zu Trumps Pressekonferenz mit Putin. Kein früherer US-Präsident habe sich jemals derart "vor einem Tyrannen selbst erniedrigt". "Die heutige Pressekonferenz in Helsinki war eine der schändlichsten Aufführungen eines amerikanischen Präsidenten seit Menschengedenken." Der Gipfel sei "ein tragischer Fehler" gewesen.

Putin der Gewinner?

Harsche Kritik kam auch von anderen prominenten Vertretern von Trumps eigener Partei. Der republikanische Vorsitzende des Repräsentantenhauses, Paul Ryan, forderte den Präsidenten auf, er solle "einsehen, dass Russland nicht unser Verbündeter ist". Es gebe keine "moralische Gleichwertigkeit" zwischen den USA und Russland, das gegenüber "unseren Idealen und grundlegenden Werten" feindselig gesonnen bleibe. Ryan betonte auch, es gebe keinen Zweifel daran, dass sich Russland in die US-Wahlen eingemischt habe. "Die Vereinigten Staaten müssen darauf fokussiert sein, Russland zur Verantwortung ziehen und dessen abscheuliche Angriffe auf die Demokratie beenden."

Der republikanische Vorsitzende des Außenausschusses im Senat, Bob Corker, nannte es einen "traurigen Punkt", dass Trump es gegenüber dem russischen Staatschef unterlassen habe, die Arbeit der US-Geheimdienste zu verteidigen. Putin wiederum habe viel aus diesem Treffen herausgeholt, "ich würde annehmen, er isst jetzt gerade Kaviar".

"Gedankenlos, gefährlich und schwach"

Der republikanische Senator Lindsey Graham beklagte einen "schlechten Tag für die Vereinigten Staaten". Trumps Äußerungen zu den Cyberattacken würden von Russland als "Zeichen der Schwäche" gesehen werden.

Oppositionschef Schumer schrieb im Kurzbotschaftendienst Twitter, dass Trump zusammen mit Putin gegen die Strafverfolgungsbehörden und Geheimdienste der USA Stellung beziehe, sei "gedankenlos, gefährlich und schwach". Millionen von US-Bürgern fragten sich, ob die mögliche Erklärung für dieses Verhalten ihres Präsidenten sei, dass Putin "schädliche Informationen" über Trump in der Hinterhand habe.

War Trump eingeschüchtert?

Der oppositionelle Abgeordnete Jimmy Gomez warf Trump vor, das eigene Land an Russland zu "verkaufen". Sein Versäumnis, die USA zu verteidigen, "ist am Rande des Hochverrats". Alle US-Bürger "sollten besorgt sein".

Der ehemalige CIA-Direktor John Brennan twitterte, Trumps Auftritt sei ein Verbrechen und Hochverrat. Putin habe Trump in die Tasche gesteckt. Der ehemalige Geheimdienstdirektor James Clapper sagte CNN: "Der Präsident der Vereinigten Staaten kapitulierte im Prinzip und wirkte eingeschüchtert von Wladimir Putin."

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Moskau zeigt sich zufrieden

Die russische Machtelite indes bewertet die Ergebnisse des Gipfeltreffens äußerst positiv. Das Treffen sei "besser als super" verlaufen, sagte Außenminister Sergej Lawrow der Agentur Tass zufolge am Montag in Helsinki. Dieselbe Formulierung hatte er bereits 2015 bei Ukraine-Verhandlungen im weißrussischen Minsk verwendet.

Der Moskauer Außenpolitiker Konstantin Kossatschow sagte, die Annäherung der beiden Präsidenten sei das maximal mögliche Ergebnis gewesen. "Dies kann ein guter Anfang sein, um die regelmäßige Interaktion wieder herzustellen", sagte der Vorsitzende des Außenausschusses im Föderationsrat. Die Vorsitzende des Oberhauses, Valentina Matwijenko, ergänzte, das Ergebnis sei auch ein gutes Signal für die Stabilität in der Welt.

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