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Ende der EU-Zuckerquote - Alles neu auf dem Rübenfeld?

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Lange musste sich die deutsche Zuckerindustrie nicht mit dem Weltmarkt auseinandersetzen. Ende September fällt in der EU aber der Mindestpreis für Zuckerrüben weg. Die hiesigen Rübenbauer geben sich gelassen. Doch was bedeutet das für die Zuckerpreise?

Wir lieben Zucker: Er macht uns konzentriert, leistungsfähig und vorübergehend sogar glücklich. Doch er wirkt auch wie eine Droge, von der man nur schwer wieder loskommt. Die Nahrungsmittelindustrie scheint das seit Jahrzehnten auszunutzen. Sind wir …

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Wenn Hubertus Velder auf dem Acker steht, schaut er weit in die Vergangenheit. Seit sieben Generationen bewirtschaftet seine Familie schon das Land in Rommerskirchen bei Köln. Auf rund 200 Hektar baut der 56-Jährige hier Gemüse an - auf 50 davon wachsen
Zuckerrüben. "Mein Beruf ist mein Hobby - seit über 30 Jahren", sagt der Landwirt. 2017 könnte ein gutes Jahr werden. Wie viele andere Rübenbauern hat auch er seine Produktion gesteigert. Wachstum ist das Gebot der Stunde.

Die Expansionslust der Landwirte hat einen guten Grund: Bislang waren Produktion und Verkauf von Zucker in der EU streng reglementiert. Für die Zuckerrübe, aus der etwa 80 Prozent des Zuckers hierzulande stammen, galt ein fester Mindestpreis. Eine Quote bestimmte außerdem, wie viel Zucker insgesamt in Deutschland produziert werden durfte. Es war ein Markt ohne viel Bewegung.

Industrie: Für Verbraucher wird sich kaum etwas ändern

Zum 1. Oktober fallen diese Regelungen allerdings weg - mit weitreichenden Folgen zumindest für die Zuckerindustrie. "Aussaat und Anbau 2017 erfolgten bereits unter den neuen Marktordnungsvorgaben, die ab 1. Oktober 2017 gelten", sagt Peter Kasten vom Rheinischen Rübenbauer-Verband. "In der EU wuchs die Anbaufläche 2017 gegenüber 2016 um rund 17 Prozent, in NRW sogar um etwas mehr als 20 Prozent."

In Zukunft dürften die Preise von Zuckerrüben und fertigem Zucker zwar stärker schwanken. Nach Einschätzung der Industrie wird sich für die Endverbraucher jedoch kaum etwas ändern. "Bei den meisten Lebensmitteln ist der Anteil des Zuckers an den gesamten Rohstoffkosten gering", erklärt eine Sprecherin der Wirtschaftlichen Vereinigung Zucker. "Von daher erwarten wir keine spürbaren Effekte für die Verbraucherpreise dieser Lebensmittel." Nur etwa zehn Prozent der Produktion gehen demnach als Haushaltszucker in den Markt.

Rübenbauer: "Ausruhen dürfen wir uns nicht"

Die Zuckerfabriken, die die Rüben verarbeiten, versuchen ihrerseits, wettbewerbsfähiger zu werden, indem sie ihre Effizienz steigern. Nach dem Wegfall der Quoten wollen sie die bisherigen Importe durch eigene Produktion ersetzen. Dafür müssen sie sich gegen die wachsende Konkurrenz aus Europa rüsten.

Effizienz ist dabei oft gleichbedeutend mit Einsparungen. Im Oktober vergangenen Jahres hat etwa die Firma Pfeifer & Langen, die Produkte der Marke "Diamant Zucker" herstellt, bereits angekündigt, ab dem Frühjahr 2018 eines ihrer Werke in Nordrhein-Westfalen schrittweise herunterzufahren und die Produktion auf andere Standorte zu verlegen.

"Ausruhen dürfen wir uns nicht", mahnt auch Velder. "Die Quote hat fantasielos gemacht. Das war im Grunde Planwirtschaft." Sorgen mache er sich aber nicht. "Wir im Rheinland haben eine Traumlage. Der Zucker ist ein regionales Produkt, und wir haben mehrere Millionen Verbraucher vor der Haustür", sagt der Landwirt. Das sei ein großer Vorteil.

"Weltmarkt ist Mülldeponie des Zuckers"

Tendenziell könnten die Produktionsmengen in Deutschland künftig steigen - darin sind sich alle Beteiligten einig. "Ohne gesetzliche Beschränkungen hinsichtlich der Menge können Zuckererzeuger ihre Produktionskapazitäten optimieren und Produktionskosten für Zucker reduzieren", heißt es in einem Statement der EU-Kommission. Auch auf dem Weltmarkt könne nun Zucker aus der EU verkauft werden.

Zwar gibt sich auch Rübenbauer Velder optimistisch - auf dem Weltmarkt sieht er seine Rüben jedoch nicht. "Der Weltmarkt ist die Mülldeponie des Zuckers", meint er. Gegen die "Global Player" beispielsweise aus Südamerika komme man nicht an.

Hierzulande allerdings sieht Velder gute Chancen für sich und seinen Betrieb. Bliebe nur noch zu klären, wer die nächste Generation der Rübenbauern in Rommerskirchen einläuten wird. Bislang habe keines seiner Kinder Interesse daran bekundet, das Erbe anzutreten. Doch irgendwie, da ist sich Velder sicher, wird es weiter gehen.

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