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Windows-7-Ende - Riskanter Behörden-Umstieg

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Im Januar 2020 soll Schluss sein mit Windows 7. Viele PCs in Behörden müssen nun auf ein neues Betriebssystem umgestellt werden. Doch das geht nicht so ohne Weiteres.

Windows 7 Installationssoftware bei einem Computerhändler
Wenn Windows 7 im Januar 2020 nicht mehr unterstützt wird, entfallen auch Sicherheitsupdates und technische Unterstützung.
Quelle: imago

Kritiker warnen vor einem Behörden-Gau, denn Betriebssystemhersteller Microsoft will die in der öffentlichen Verwaltung weitverbreitete veraltete Windows-Version 7 ab dem 14. Januar 2020 nicht mehr unterstützen. Ab Mitte Januar 2020 soll es also keine Sicherheitsupdates und keinerlei technische Unterstützung mehr für Windows 7 geben.

Bedenken gegen Windows 10

Deshalb arbeiten Zehntausende von Mitarbeitern in der öffentlichen Verwaltung an Umstiegsszenarien. Naheliegend wäre es, Windows 7 durch das aktuelle Betriebssystem Windows 10 abzulösen. Das geht aber gar nicht so ohne Weiteres.

Seit mehreren Wochen untersucht der europäische Datenschutzbeauftragte, ob die Lizenzverträge von Microsoft für die Software den Vorschriften der Datenschutzgrundverordnung genügen. "Diese Untersuchung ist zunächst von den Office-Produkten ausgegangen, muss aber weitere damit verbundene Software, wie etwa Kommunikationsroutinen mit einbeziehen", sagt Wojciech Wiewiórowski, der stellvertretende Datenschutzbeauftragte der Europäischen Union.

Ausgangspunkt dieser Datenschutzuntersuchung war eine Analyse des niederländischen Justizministeriums aus dem vergangenen Jahr. Die niederländischen Datenschützer hatten Softwareingenieure des Beratungsunternehmens Privacy Company in Den Haag mit einer Prüfung der Unternehmensversionen der Office-Produkte beauftragt.

Datenschützer kritisieren Microsoft-Praxis

"Die meisten Behörden in den Niederlanden nutzen Office 2016 und Office 365", berichtet Sjoera Nas von der Privacy Company und erläutert: "Bei unseren Analysen haben wir herausgefunden, dass die Programme des Office-Pakets sehr viele personenbezogene Daten an Microsoft schicken."

Microsoft
Datenschützer prüfen, ob die Lizenzverträge von Microsoft für die Software den Vorschriften der Datenschutzgrundverordnung genügen.
Quelle: Matthias Balk/dpa

Weitere Analysen, die auch von Mitarbeitern des Bundesbeauftragten für den Datenschutz und die Informationsfreiheit durchgeführt wurden, ergaben schon früher erhebliche Verstöße gegen Datenschutzbestimmungen. So stellte die damalige Bundesbeauftragte Andrea Voßhoff im Tätigkeitsbericht ihres Hauses für die 2015/2016 fest, dass sehr umfangreiche personenbezogene Daten an Microsoft-Server in die USA geschickt werden. Und das betrifft dem Urteil der Bundesbeauftragten zufolge nicht nur die Nutzung von Office-Produkten.

"Ein umfangreicher Teil der erhobenen Daten betrifft die sogenannten Telemetriedienste", stellt Andrea Voßhoff in ihrem Tätigkeitsbericht fest. Und sie erläutert auch, wie weitreichend und umfassend diese Datenerhebung ist: "Telemetrie umfasst alle Daten eines Systems, die auf diesem System gemessen/erhoben und an Microsoft übertragen werden."

Microsoft sammelt Nutzungsdaten von Sachbearbeitern

Über diese Daten können komplette Nutzungsmuster, also Profile einzelner Sachbearbeiter, von Microsoft erfasst werden. Der Einsatz in den meisten Behörden ist aber nur dann erlaubt, wenn genau solche Nutzungsmuster und Profildaten ausgeschlossen werden können.

Hier gibt es also noch erheblichen Klärungsbedarf. Und der dürfte die Umstellung auf Windows 10 erst einmal hinauszögern. Eine Umstellung auf andere Betriebssysteme wie zum Beispiel Linux schließen die meisten Behördenchefs aus. Für den Betrieb ihrer Fachanwendungen sind sie auf das Windows-Betriebssystem angewiesen.

In der Innenverwaltung des Berliner Senats wird die Diskussion um Windows 10 mit zunehmender Sorge beobachtet. Zwar sind bisher erst circa 2.000 Behörden-PCs in den Berliner Ämtern auf Windows 10 umgestellt, aber bis November plant Berlins IT-Staatssekretärin Sabine Smentek, weitere 76.000 Windows-7-PCs auf die aktuelle Betriebssystemversion zu bringen.

Zeit für die Umstellung reicht nicht

"Das kann gar nicht funktionieren", meint der FDP-Politiker Bernd Schlömer und hat dabei noch gar nicht einmal die ungelöste Datenschutzproblematik im Blick. Er hat lediglich den reinen Umstellungsaufwand berechnet und kommt zu dem Schluss, dass die Zeit für eine solche Umstellung nicht reicht.

Immerhin hat Microsoft nun eine Support-Verlängerung für die Betriebssystempakete "Windows 7 Professionell" und "Windows 7 Enterprise" bekannt gegeben. Die aber müssen die Behörden teuer bezahlen. Bis Januar 2023 soll es gegen viel Geld zumindest Sicherheitspatches geben. Ob bis dahin allerdings die gravierenden Datenschutzprobleme von Windows 10 behoben sein werden, ist unklar.

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