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Endlager für Atommüll - Die schwierige Suche nach einem Ort für die Ewigkeit

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30.000 Kubikmeter hochradioaktiver Atommüll sind nichts, was irgendjemand vor seiner Haustür haben möchte. Dementsprechend schwierig ist es, einen passenden Ort für ein Endlager zu finden - gerade in Deutschland. In Schweden dagegen ist längst ein Endlager gefunden.

Spätestens 2022 soll das letzte deutsche Kernkraftwerk vom Netz gehen. Bis dahin werden knapp 30 000 Kubikmeter hoch radioaktiver Atommüll entstanden sein. Doch ein Endlager ist nicht in Sicht.

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Gesucht wird die eierlegende Wollmilchsau: Das unterirdische Endlager soll sicher sein gegen Naturkatastrophen, Mikroorganismen, Klimawandel und Terroranschläge. Und das für eine sehr lange Zeit. "Stellen Sie sich vor, wir müssen diese hochgefährlichen Stoffe für eine Million Jahre vor Umwelt und Menschen schützen", sagt Klaus Brunsmeier vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). "Eigentlich ein unvorstellbares Vorhaben, aber es muss trotzdem gemacht werden." Das Endlager ist damit fast schon ein mystischer Ort.

"Es wird am Schluss Proteste geben"

Es zu finden, ist in Deutschland nicht einfach, vor allem auch, weil sich keine Region und keine Gemeinde darum reißt, den Standort zu stellen. "Es wird am Schluss Proteste geben, dort wo denn dann wirklich das Endlager errichtet werden soll", prognostiziert Bundesumweltministerin Barbara Hendricks in der ZDF-Umweltsendung planet e.. Und deshalb werde das Endlagerproblem per Bundesgesetz bestimmt. Vorteil aus Sicht der Regierung: Die kommunale Planungshoheit komme damit nicht zum Tragen. Kein Bürgermeister, kein Gemeinderat könne das nämlich durchziehen, glaubt Hendricks. "Da muss dann in der Tat der Deutsche Bundestag die Verantwortung übernehmen."

Die Bundesregierung wünscht sich zwar die Akzeptanz der örtlichen Politik und Bevölkerung für ein Endlager, sie rechnet aber offenbar nicht wirklich damit. Nicht ohne Grund. Zuletzt hat sich zum Beispiel die bayerische Staatsregierung immer wieder für das niedersächsische Gorleben als Standort ausgesprochen - sehr zum Unmut des Landes Niedersachsen, das ein "faires Suchverfahren" in allen Bundesländern anmahnt. Überhaupt seien andere Standorte geeigneter.

Bohr-Erlaubnis vom Amt

Niemand will das Endlager haben. Sicherheitshalber gilt ab Mitte August eine neue Regelung: In Gebieten, die für den Bau eines Endlagers infrage kommen, müssen unterirdische Bau- und Bohrvorhaben vom Bundesamt für kerntechnische Entsorgungssicherheit (BfE) abgesegnet werden. Bei der Suche nach einem Endlagerstandort solle kein Ort von vornherein ausgeschlossen werden - "auch nicht dadurch, dass beispielsweise durch Tiefenbohrungen ein möglicherweise geeignetes Gesteinsvorkommen für die Endlagerung beeinträchtigt oder gar unbrauchbar wird", sagt BfE-Chef Wolfram König unverblümt.

Aber auch die Bilder protestierender Atomkraftgegner - etwa beim Castor-Transport von Obrigheim zum Zwischenlager Neckarwestheim Ende Juni - lassen auf wenig Zustimmung zu einem Endlager schließen. Erstmals wurde hochradioaktiver Atommüll auf einem deutschen Fluss transportiert. Aktivisten seilten sich von einer Autobahnbrücke ab, schafften es allerdings nicht, den Transport zu stoppen. "So lange es nicht wirklich endgültig abgeschaltet ist, alle Atomanlagen weltweit stillgelegt sind, braucht es den Protest", erklärt Umweltschützer Julian Smaluhn von Robin Wood.

Der Müll ist nun einmal da

An einer Sache können aber auch die schärfsten Proteste nichts mehr ändern: Nach mehr als 50 Jahren Atomkraft ist der radioaktive Müll nun einmal da. Bisher wird er in oberirdischen "Zwischenlagern" gebunkert, zum Beispiel in Ahaus und Gorleben. Daneben in vielen kleineren Lagern, etwa in stillgelegten Atomkraftwerken. Für das gesuchte Endlager gibt es dagegen noch keinen Standort.

Finden soll ihn bis 2031 die neue Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE). 2050 soll die Einlagerung des Atommülls beginnen. Bis dahin gibt es viel zu tun. "Wir müssen geologische Daten ausweisen, dann tatsächliche Bohrungen machen, diese Ergebnisse wiederum auswerten", erklärt Ursula Heinen-Esser von der BGE. Das allerdings sei nichts, was es nicht schon in Deutschland oder anderswo gegeben hätte. "Die Herausforderung liegt nicht so sehr in der Technik, die Herausforderung liegt im Politischen und in der Akzeptanz."

Schweden: Endlager schon gefunden

Und genau bei der hakt es in Deutschland - ganz anders als in Schweden. Dort ist der Standort für das Endlager schon gefunden. Der hochradioaktive Atommüll des Landes soll in Östhammar, etwa zwei Stunden nördlich von Stockholm, seine letzte Ruhestätte finden - unter einem Wald in 500 Metern Tiefe. Das Bemerkenswerte daran ist, dass die Bewohner damit mehrheitlich kein Problem haben.

Im Gegenteil: Manche können den Baubeginn des Endlagers 2022 gar nicht erwarten. Der Grund: Das Projekt wird bis zu 700 Arbeitsplätze schaffen. Obendrein hat Bürgermeister Jacob Spangenberg eine Prämie von 150 Millionen Euro für die Gemeinde ausgehandelt. "Man kann sagen, wir haben das ziemlich clever gemacht", sagt er. "Wir haben das Geld einfach von der Atomindustrie gefordert."

Verschließen und vergessen

Angst vor dem strahlenden Müll hat Spangenberg nicht. Die Brennelemente sollen in Kupferbehälter und Beton eingeschlossen werden. Tief im Granit sollen Spezialmaschinen die Behälter dann in Bohrlöcher hinablassen, die schließlich mit einem speziellen Bentonit-Ton verfüllt werden. Bentonit soll sogar Erdbeben trotzen können.  Nach und nach - so der Plan - wird dann das gesamte Tunnelsystem zugeschüttet. Wenn das Lager nach 80 bis 100 Jahren voll ist, soll es verschlossen und vergessen werden. Eine Lösung für die Ewigkeit?

"Warten auf eine bessere Technologie - das bringt uns nicht weiter", sagt dazu Eva Häll vom schwedischen Endlagerbetreiber SKB. "Warten ist etwas für Feiglinge." Ein einfacher Ansatz, der zumindest in Schweden funktioniert, jedenfalls bis auf weiteres. Denn Plutonium strahlt sehr lange. In 24.000 Jahren wird die Strahlung noch halb so stark sein wie heute und damit immer noch lebensgefährlich. Was in solchen Zeiträumen unter oder auf der Erde passiert, könne niemand wirklich vorhersagen, mahnen Kritiker.

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