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Streit um Inseln der Süd-Kurilen - Russland bietet Japan Friedensvertrag an

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Russlands Präsident Putin hat Japan einen Friedensvertrag "ohne Vorbedingungen" angeboten. Aber: Erst müssen sich beide einigen, zu wem die Inseln der Süd-Kurilen künftig gehören.

Shinzo Abe (r) trifft Wladimir Putin im Kreml.
Shinzo Abe (r) trifft Wladimir Putin im Kreml.
Quelle: Grigory Dukor/Pool Reuters/AP/dpa

"Mir kam da ein einfacher Gedanke, jetzt gerade." Mit diesen Worten ging Kremlchef Wladimir Putin völlig unverhofft zur Sensation des Tages für die russisch-japanischen Beziehungen über. "Lassen Sie uns einen Friedensvertrag abschließen, aber nicht jetzt, sondern bis zum Jahresende."

Stürmischen Applaus erntete er damit bei den Teilnehmern des derzeit in Wladiwostok laufenden Östlichen Wirtschaftsforums. Auch durch Japans Premier Shinzo Abe, der nur wenige Minuten zuvor den Präsidenten Russlands aufgefordert hatte, weiter den Weg in Richtung Abschluss eines Friedensvertrages zu beschreiten.

Alter Streit - neue Pläne

Nicht ohne Grund, schließlich ist Abes Treffen mit Putin in der fernöstlichen Metropole Russlands bereits sein 22. und schien erneut keine Ergebnisse in Sachen Friedensvertrag zu bringen. Der steht seit immerhin mehr als 70 Jahren, seit Ende des 2. Weltkrieges, aus. In dessen Folge fielen der damaligen Sowjetunion auf der Grundlage der Beschlüsse von Jalta bekanntlich die vier Südkurilen-Inseln Iturup, Kunaschir, Schikotan und Chabomai zu. Japan bezeichnet diese vier Inseln als Nördliche Territorien, betrachtet sie als japanische und fordert bisher vergeblich deren Rückgabe.

Moskau sieht sie als russisches Territorium, auch wenn sie aus wirtschaftlicher Sicht kaum Bedeutung besitzen. Dafür aber strategische, so dass in den letzten Jahren die militärische Präsenz massiv verstärkt wurde. Parallel wurden erste Schritte zur Annäherung beider Länder unternommen. Japaner, deren Angehörige einst auf den Inseln lebten, dürfen sie visafrei besuchen, eine wirtschaftliche Nutzung mit Schwerpunkt Fischerei und Fischverarbeitung wird angeschoben.

Der Frieden braucht Kompromissbereitschaft

Nun hat Shinzo Abe das Angebot Putins im Gepäck für die Heimreise nach Tokio. Freilich ist er sich auch darüber im Klaren, dass noch sehr viel getan werden muss. Schließlich wird es vielen Hardlinern im Land der aufgehenden Sonne schwerfallen, die über Jahrzehnte gestellten Forderungen für den Abschluss des Friedensvertrages mit einem Schlage fallen zu lassen.

Die Road-Map bis Jahresende könnte jedoch so aussehen: Neben bilateralen Gesprächen der zuständigen Ministerien sind Begegnungen von Putin und Abe Mitte November in Singapur am Rande des Ostasiatischen und ASEAN-Gipfels sowie beim G-20-Gipfel in Argentinien Ende November/Anfang Dezember.

Auf keinen Widerstand stoßen

Der Kremlchef hat es dabei etwas leichter. Mit seiner autoritären und vom Großteil der Bevölkerung unterstützten Außenpolitik wird er auf keinen Widerstand stoßen. Der mögliche Abschluss des russisch-japanischen Friedensvertrages wäre für Putin ein weiterer diplomatischer Erfolg, der belegt: Russland ist einer der Top-Player in der internationalen Arena.

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