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Frontal 21 - Wie Naturschützer die Energiewende blockieren

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Der Windkraftausbau bricht ein, damit steht das Klimaschutzziel 2030 auf dem Spiel. Grund dafür sind oft langwierige Genehmigungsverfahren und blockierende Umweltverbände.

Windenergieanlagen stehen auf einem Feld im Landkreis Märkisch-Oderland
Windenergieanlagen im Landkreis Märkisch-Oderland in Brandenburg
Quelle: dpa

Während die Bundesregierung versucht, die Klimaschutzziele für 2030 doch noch zu erreichen, ist der Windkraftausbau in Deutschland fast komplett eingebrochen: Im ersten Halbjahr 2019 wurden gerade einmal 0,3 Gigawatt Windkraftleistung an Land neu installiert. Damit Deutschland seine Klimaschutzziele 2030 erreicht, wären laut Umweltverbänden aber bis zu sieben Gigawatt pro Jahr notwendig. Dann sollen 65 Prozent des Stroms aus erneuerbarer Energie stammen. "Ohne Windkraft an Land haben wir keine Chancen, das Pariser Klimaschutzabkommen einzuhalten", erklärt Volker Quaschning, Professor an der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin.

Ein großes Problem für neue Windräder sind lange Genehmigungsverfahren. Dauerte es früher nur wenige Monate, vergehen heute mehrere Jahre bis zur Genehmigung. Das liegt vor allem an zahlreichen Klagen von Bürgerinitiativen und Umweltverbänden gegen Windräder. Sie sehen durch den Windkraftausbau häufig den Bestand des relativ seltenen Greifvogels Rotmilan gefährdet.

Der Zubau von Windkraftanlagen an Land ist nahezu vollständig eingebrochen.

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Der Rotmilan wird auch für den Windkraftbetreiber Johannes Lackmann in Ostwestfalen zum Problem. Lackmann möchte in seinem Windpark "Wohlbedacht" elf alte durch acht neue, effizientere Windräder ersetzen. Weniger Anlagen sollen am gleichen Standort in Zukunft dreieinhalb mal so viel Strom liefern wie bisher. Doch die genehmigende Behörde verfügte: Die Windräder dürfen sich zwischen März und Oktober nur noch bei absoluter Dunkelheit drehen - zum Schutz des Rotmilans. "Völlig absurd", sagt Lackmann, "dadurch gehen 40 Prozent des Jahresertrags verloren."

Rotmilan-Population "stabil"

Für den Naturschutzbund Deutschland in Nordrhein-Westfalen ist das immer noch zu wenig Schutz für den Rotmilan. "Die Windräder gefährden den Vogel auch im Winter", sagt Heinz Kowalski vom NaturschutzbundesNRW. Die Windräder müssten also auch im Winter tagsüber still stehen. Deshalb klagt der Nabu gegen den ganzen Windpark.

Während sich die Naturschützer vor Ort gegen Windräder wehren, setzt sich der Bundesverband des Naturschutzbundes Deutschland (Nabu) für einen massiven Ausbau der Windkraft in Deutschland ein - wie alle großen Umweltverbände. Nur so seien die Klimaschutzziele zu erreichen.

Der Windkraftbetreiber Johannes Lackmann sieht den Rotmilan durch seine Anlagen nicht gefährdet. Die Zahlen geben ihm Recht. Seit 1994 hat die Zahl der Rotmilane in Deutschland zugenommen, nach Recherchen von Frontal 21 um 38 Prozent, auf 14.000 bis 16.000 Rotmilan-Brutpaare. Im amtlichen Bericht des Bundesamtes für Naturschutz heißt es, die Population sei "stabil".

Seit 1994 hat sich die Zahl der Brutpaare in Deutschland erhöht. Und das, obwohl die Windkraft zur gleichen Zeit massiv ausgebaut wurde.

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"Der Artenschutz wird hier missbraucht, um die Windkraft zu stoppen", urteilt Gabriela Terhorst vom Bund für Umwelt- und Naturschutz in Deutschland (BUND). Die macht sich weniger Sorgen um den Rotmilan, als um die Energiewende: "Für den BUND ist es schockierend zu beobachten, dass die Windkraft komplett vor die Wand gefahren wird", so Terhorst.

Altmaier für "nationalen Konsens Windenergie"

Auch die Bundesregierung ist alarmiert durch den Einbruch beim Windenergieausbau. Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier lud Anfang September zum Windgipfel mit Windkraftgegnern und Vertretern aus Ministerien, den Bundesländern und aus der Windkraftbranche. Im Anschluss erklärte Bundesminister Altmaier, er wolle einen "nationalen Konsens Windenergie", um die Klimaschutzziele zu erreichen.

Volker Quaschning von der Hochschule für Technik und Wirtschaft kritisiert dieses Vorgehen: "Wir erleben eine Krise der Windkraft mit dem Abbau von Tausenden von Arbeitsplätzen", so Quaschning. "Da reicht es nicht, wenn man einfach einen Arbeitskreis einberuft. Da muss man endlich mal Handeln."

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