Sie sind hier:

Prozessauftakt in Hanoi - In Berlin entführter Vietnamese vor Gericht

Datum:

In Berlin entführt, in Vietnam inhaftiert: Nun steht der Geschäftsmann Trinh Xuan Thanh vor Gericht. Der Vorwurf: Korruption. Ein diplomatisch heikler Fall mit vielen Fragezeichen.

Trinh Xuan Thanh droht in Vietnam die Todesstrafe.
Trinh Xuan Thanh droht in Vietnam die Todesstrafe.
Quelle: Doan Tan/VNA/dpa

Es sind mysteriöse Umstände, unter denen der ehemalige Funktionär Trinh Xuan Thanh im Juli 2017 mitten im Berliner Tiergarten verschwindet. Zeugen berichten, wie der 51-jährige Geschäftsmann mit Gewalt in ein Auto geschleppt wurde. Erst Tage später taucht er wieder auf. Diesmal in der vietnamesischen Hauptstadt Hanoi - wo er seither inhaftiert ist. Und ihm ab heute der Prozess gemacht wird. Ihm droht ein langjähriger Prozess, sogar die Todesstrafe.

Ein vietnamesischer Geschäftsmann verschwindet mitten in Berlin - vermutlich vom Geheimdienst seines Heimatlandes entführt. Jetzt steht der Ex-Funktionär in Vietnam vor Gericht. Ihm droht die Todesstrafe.

Beitragslänge:
1 min
Datum:

Der Vorwurf: Korruption, Veruntreuung von Staatsgeldern und Annahme von Bestechungsgeldern. Als Chef des Baukonzerns PetroVietnam Construction (PVC) soll er umgerechnet mehr als 50 Millionen Euro zweckentfremdet haben.

Ein Geheimdienstler will auspacken - und wird auch festgenommen

Noch am Freitag hat er über seinen Vater erklären lassen, dass er mit den Korruptionsvorwürfen nichts zu tun habe und alle Vorwürfe zurückweise. Vietnam gehört zu den wenigen Ländern der Welt, in denen auch auf Korruption die Todesstrafe verhängt werden kann.

Die Bundesregierung geht davon aus, dass Thanh vom vietnamesischen Geheimdienst entführt wurde. Hanoi bestreitet das und spricht von einer freiwilligen Rückkehr. Als wäre die Angelegenheit nicht dubios genug, sorgt ein weiterer Fall für Aufruhr: Der mutmaßliche Geheimdienstoffizier Phan Van Anh Vu. Der Vietnamese wurde vergangene Woche in Singapur an der Grenze zu Malaysia festgenommen. Er hatte seine Ausreise nach Deutschland beantragt und wollte den Behörden "wertvolle Informationen über die Entführung von Thanh geben", heißt es in einem Schreiben des Anwalts von Vu. Er sei als Oberstleutnant der vietnamesischen Geheimdienstpolizei für die Entführung von Thanh verantwortlich.  Für kurze Zeit schien es so, als könne Vu dem Fall eine neue Wendung geben.

Auch dem Oberstleutnant droht die Todesstrafe

Doch mittlerweile droht beiden Vietnamesen ein ähnliches Schicksal: Auch Vu droht die Todesstrafe. Am vergangenen Donnerstag wurde er aus Singapur ausgewiesen - zurück nach Vietnam. Die singapurische Einwanderungsbehörde begründet die Ausweisung mit einem ungültigen Reisepass. Der Pass war - bei Geheimdienstlern nicht unüblich - auf einen anderen Namen ausgestellt. Phan Van Anh Vu wurde direkt bei seiner Ankunft in Hanoi am Donnerstag festgenommen, wie die vietnamesische Regierung mitteilte.

Die diplomatischen Beziehungen zwischen Deutschland und Vietnam sind angespannt. Seit der Entführung im Sommer fordert das Auswärtige Amt ein rechtsstaatliches Verfahren. Ein weiterer Vorwurf seitens der Bundesregierung: schwerer Verstoß gegen deutsches Recht und gegen das Völkerrecht. Vietnam bestreitet das. Der Prozess findet heute unter Ausschluss der internationalen Presse statt.

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert auf Mein ZDF! Abo beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Die Website verwendet Cookies, um Ihnen ein bestmögliches Angebot zu präsentieren. Nähere Informationen und die Möglichkeit, die Verwendung von Cookies einzuschränken finden Sie hier.

Sie wechseln in den Kinderbereich und bewegen sich mit Ihrem Kinderprofil weiter.