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Entführung japanischer Staatsbürger - Vermisst seit 40 Jahren

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Im aktuellen Konflikt um Nordkorea scheint ein Thema immer mehr in Vergessenheit zu geraten, das für viele Japaner immer noch ein kollektiver Alptraum ist: die Entführungen von Landsleuten durch nordkoreanische Agenten in den 1970er und 1980er Jahren.

Die Japanerin Megumi Yokota ist 13 Jahre alt, als sie 1977 spurlos verschwindet. Gekidnappt wurde sie vom Regime in Nordkorea.

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Sakie Yokota ist eine der bekanntesten Frauen in Japan. Sie ist die Mutter von Megumi. Ihre Tochter wurde 1977 von Nordkorea entführt. "'Tschüss, bis später', waren ihre letzten Worte, die ich gehört habe. Und es war der Zeitpunkt, als ich sie zum letzten Mal gesehen habe. Seitdem sind 40 Jahre vergangen", sagt Sakie Yokota.

Die 13-jährige Megumi kam abends nicht mehr vom Badminton-Training zurück. Zwanzig Jahre lang wussten ihre Eltern nicht, was mit ihr geschehen war: "Diese Jahre waren so schmerzvoll für uns. Zunächst hatte ich immer das 13-jährige Mädchen vor Augen. Mit der Zeit habe ich mir dann vorgestellt, wie sie sich verändern würde, ob sie studiert oder nicht." Erst durch die Recherchen eines japanischen Reporters kam heraus, dass Megumi von nordkoreanischen Agenten entführt wurde.

Entführt vom Regime in Nordkorea

Nordkorea ging damals systematisch auf Menschenjagd. Die Entführten sollten unter anderem bei der Ausbildung von Spionen eingesetzt werden. Im Jahr 2002 dann die diplomatische Annäherung. Der japanische Ministerpräsident Junichiro Koizumi trifft in Pjöngjang den Diktator Kim Jong Il. Dieser gibt die Entführungen von 13 Japanern zu. Tokio selbst geht mittlerweile von 17 Opfern aus. Experten schätzen jedoch, dass es sogar Hunderte sein können. Nur fünf konnten bislang zurückkehren.

Im Fall Megumi sagen die Nordkoreaner, sie sei tot. Asche wurde übergeben, doch die DNA stimmte nicht überein. Und es gibt eine angebliche Sterbeurkunde. Megumis Mutter glaubt, dass die Nordkoreaner lügen: "Wäre ich davon nicht überzeugt, würde ich nicht weiterkämpfen. Ich bin mir sicher, dass sie noch am Leben ist."

Keine Hoffnung auf Antworten

Aber es wird immer schwieriger, die Wahrheit herauszufinden. Der Grund sind die Atom- und Raketentests der Nordkoreaner und das dadurch vergiftete Verhältnis zwischen beiden Ländern. Auch der Journalist Kenji Ishidaka, der den Fall Megumi aufdeckte und Sakie Yokota seit Jahren hilft, sieht kaum noch Hoffnung: "Es gibt derzeit keinen Plan für Gespräche zwischen Japan und Nordkorea. Nur durch Gespräche können die Fragen rund um die Entführungen beantwortet werden. Aber in der nahen Zukunft sehe ich dafür überhaupt keinen Weg."

Die 81-jährige Sakie Yokota bittet auch die deutsche Regierung um Hilfe bei der Suche nach Megumi. Und sie hofft in dieser angespannten Zeit, dass die Nordkorea-Krise nicht noch weiter eskaliert. Sie wünscht sich Frieden für die Region.

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