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Entsalzung mit Problemen - Mehr Wasser aus Meerwasser

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Weil weltweit immer mehr Trinkwasser gebraucht wird, boomen Entsalzungsanlagen. Ein Trend mit Problemen. Denn die Entsalzung frisst Energie und produziert belastete Salzlauge.

Meerwasserentsalzungsanlage
Meerwasserentsalzungsanlage
Quelle: dpa

Wasser ist ein knappes Gut. Und das wird es wohl auch bleiben, denn während in manchen Regionen der Welt der Pro-Kopf-Konsum stetig zunimmt, fehlt das Wasser anderswo. Die Tatsache, dass die Weltbevölkerung wächst und viele natürliche Quellen - auch wegen des Klimawandels - versiegen, verschärft das Problem. Laut dem aktuellen Weltwasserbericht der Vereinten Nationen wird der weltweite Bedarf bis zum Jahr 2050 um 20 bis 30 Prozent steigen. Schon heute haben aber, so die UN, 844 Millionen Menschen keinen verlässlichen Zugang zu Trinkwasser - vor allem in den ärmsten Regionen der Welt.

16.000 Entsalzungsanlagen

Dabei gibt es Wasser eigentlich in rauen Mengen - in den Meeren. Das Problem ist der hohe Salzgehalt. Seit etwa 40 Jahren stehen deshalb an vielen Küsten Entsalzungsanlagen, die Meerwasser in Trinkwasser umwandeln. Mittlerweile produzieren fast 16.000 Anlagen in 177 Ländern über 95 Millionen Kubikmeter Wasser pro Tag. Und es könnten bald sehr viel mehr werden.

Ein Vorreiter ist Israel. Das zunehmend von Dürren geplagte Land investiert seit Jahren massiv in neue Technologien. Derzeit stammen etwa 40 Prozent des Trinkwassers in Israel aus der Entsalzung. Bis 2050 werden es voraussichtlich 70 Prozent sein. Auch Länder wie Brasilien oder Spanien setzen auf weitere Anlagen, die Staaten auf der arabischen Halbinsel sowieso. Und im Iran hofft man, damit ein großes Problem zu entschärfen: Weil Grundwasser fehlt, sackt der Boden rund um Teheran ab.

Hoher Energieverbrauch

Doch die Entsalzung hat ihre Tücken. Sie ist aufwändig und teuer. Ein großes Problem ist der enorme Energieverbrauch. Alte Anlagen, die noch mit thermischen Verfahren arbeiten, fressen besonders viel Strom. Sie brauchen 40 bis 85 Kilowattstunden pro Kubikmeter Meerwasser, das entsalzt werden soll. Immerhin: Neuere gängige Verfahren sind da schon effizienter. Eine Anlage, die mit dem Prinzip der Umkehrosmose arbeitet, braucht nur noch drei Kilowattstunden. Dabei werden mit Hilfe einer Membran das Salz oder auch Bakterien und Schwermetalle aus dem Meerwasser herausgefiltert. Auf Helgoland zum Beispiel ist eine solche Anlage im Einsatz.

Auf ein weiteres Problem hat im Januar die Studie eines internationalen Forscherteams hingewiesen: Es fallen deutlich mehr problematische Rückstände an als bisher angenommen. Und zwar in der Salzlauge, also der Substanz, die nach der Entsalzung übrigbleibt. Darin enthalten ist nicht nur das Salz, sondern auch Chemikalien und gelöste Metalle - wie etwa Chlor und Kupfer. Sie werden dem Meerwasser beigemischt, damit die Anlage nicht durch unlösliche Algen, Sand oder Kleinlebewesen verstopft. Weltweit fallen täglich 142 Millionen Kubikmeter Lauge an - etwa 50 Prozent mehr als bisher vermutet, so die Studie.  

Salze und Metalle für Industrie

Und diese Lauge wird oft zurück ins Meer oder sogar in andere Gewässer geleitet - mit schlimmen Folgen für das Ökosystem. Dabei gebe es für das Problem umweltfreundlichere und dabei sogar wirtschaftlichere Lösungen. Darauf weist der Mitautor der Studie, Manzoor Qadir, von der United Nations University in Kanada hin: "Die Rückgewinnung der Metalle und des Salzes wäre eine Möglichkeit." So könnten zum Beispiel Salze und Metalle, darunter Magnesium, Natrium, Brom und Lithium von der Industrie verwendet werden. "Allerdings muss auch hier deutlich mehr geforscht werden", so Qadir.

Geforscht wird dafür bereits an alternativen Verfahren, die die Entsalzung einfacher und effizienter machen sollen. Die Universität Mannheim zum Beispiel hat eine Technologie entwickelt, bei der das Salz durch Gefrieren herausgefiltert wird - ohne dass dabei wie bei der Umkehrosmose zu viele Minerale entzogen werden. Das Ganze funktioniert mit Solarenergie und soll vor allem in kleinen Einheiten genutzt werden - etwa in Hotels oder Mehrfamilienhäusern auf Inseln. Ideen, die im Kampf gegen die Wasserknappheit helfen können.

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