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Politikwissenschaftler über Kurz - "Diesen Erfolg hat er gebraucht"

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Österreichs renommierter Politologe Peter Filzmaier prophezeit im ZDF-Interview schwierige Verhandlungen für Wahlsieger Kurz. Den Wahlerverlierer FPÖ sieht er noch nicht am Ende.

Altkanzler Sebastian Kurz (ÖVP) habe den Erfolg gebraucht, sagt Politologe Peter Filzmaier. Doch dessen Parteianhänger seien gespalten, mit wem sie eine Koalition wollen. Die Affären, in die die FPÖ verwickelt sei, erschwerten eine Koalitionsbildung.

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ZDF: Sie haben vor der Wahl gesagt: Sebastian Kurz sei zu Erfolg verdammt. Ist das jetzt der Erfolg, den er braucht?

Peter Filzmaier: Ja, diesen Erfolg hat er gebraucht, denn das Erwartungsspiel gerade unter seinen eigenen Parteianhängern war so hoch dass 35 Prozent oder knapp darunter zwar immer noch der größte Vorsprung in der Wahlgeschichte. Aber fast schon eine kleine Enttäuschung.

Jetzt hat er drei Zweier-Koalitionsvarianten zur Hand. Das einzige Luxusproblem, das noch bleibt: Seine Parteiwähler sind sehr gespalten, mit wem sie ein Koalition wollen. Beziehungsweise am meisten möchten sie es mit den Neos und gerade das ist die vierte Partei, mit der es sich nicht ausgeht.

ZDF: Was macht für ihn die FPÖ - trotz der Ibiza-Affäre - noch so attraktiv?

Filzmaier: Schlicht und einfach die inhaltliche Übereinstimmung: Sebastian Kurz hat ihm Wahlkampf eine Mitte-Rechts-Politik versprochen und auch wenn die Grünen bürgerlicher sind als man glaubt, ist das mit denen schwierig. Und wenn man rein die Themen inhaltsanalytischen gegenüberstellt ist die Übereinstimmung zwischen FPÖ und ÖVP 80 Prozent, zwischen Grünen und ÖVP aber nur 20 Prozent.

Die konservative ÖVP mit ihrem Spitzenkandidaten Kurz ist der klare Sieger der Parlamentswahl. Der Ex-Kanzler kann sich seinen künftigen Koalitionspartner jetzt selbst aussuchen.

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ZDF: Wenn nach all den Affären am Ende wieder die gleiche Koalition aus ÖVP und FPÖ regiert - kann das in Österreich irgendjemanden überzeugen?

Filzmaier: Das ist das eine Problem, dass zwar immer noch die Mehrheit der FPÖ-Wähler eine Koalition mit der ÖVP unverändert will, aber nur rund ein Drittel der ÖVP-Wähler. Das waren 2017 noch fast doppelt so viele.

Man weiß ja nicht was in der FPÖ noch passiert, sie ist aktuell in eine Spesenaffäre verwickelt.

Und das zweite Problem: Man weiß ja nicht was in der FPÖ noch passiert, sie ist aktuell in eine Spesenaffäre verwickelt. Und Sebastian Kurz würde sich mit Gedeih und Verderb an all diese noch unbekannten Vorkommnisse ketten. Und das ist natürlich ein Gegenargument gegen ÖVP/FPÖ.

ZDF: Wenn hier in Deutschland spekuliert wird, steht Schwarz-Grün hoch im Kurs. In Wien hat man den Eindruck: Die Grünen selber scheinen sich nicht für die Koalition zu interessieren.

Filzmaier: Die Frage ist ob sie wirklich nicht wollen oder ob sie strategisch denken. Der Grüne Parteichef Werner Kogler muss schon ein Dilemma lösen: es will zwar jeder seiner Wähler die Grünen in der Regierung sehen, aber mit der ÖVP nicht. Das ist aber die einzige Partei, wo es eine realistische Regierungsvariante gibt.

ZDF: Im Ausland wird eine Koalition mit der FPÖ kritisch gesehen. Spielt das bei den Überlegungen eigentlich eine Rolle?

Filzmaier: Nein, eigentlich könnte man es bei dieser Antwort schon belassen. Denn Sebastian Kurz ist zwar ein überzeugter Europäer, das heißt man kann ihm schon abnehmen, dass er diese Auslandsstimmen ernst nimmt. Aber sie sind ja nicht ernster zu nehmen als 2017, und da hat er sich auch für die Koalition entschieden. Das Ibiza-Video kannten wir damals noch nicht aber einige Skandale am rechts-rechten Rand gab es in der FPÖ damals auch schon.

Ex-Kanzler Sebastian Kurz hat die Parlamentswahl in Österreich gewonnen. Ihm bieten sich mehrere Koalitionsvarianten. Dazu ZDF-Korrespondentin Britta Hilpert in Wien.

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ZDF: Und dieser Wahlabend ist nicht  - wieder einmal - der Anfang vom Ende der FPÖ?

Filzmaier: Das ist nicht der Anfang vom Ende der FPÖ, aber sie haben viele Folgeprobleme. Beispielsweise steht im Jahr 2020 in der Bundeshauptstadt Wien eine Landtags- und Gemeinderatswahl an und da verliert die FPÖ zunehmend und da verliert die FPÖ zunehmend ihr Personal - die saßen in Ibiza vor der Kamera.
Aber die FPÖ hat immer noch 16 Prozent und das ist zwar keine Stammwählerschaft im historischen Sinn des Begriffes aber doch eine verfestigte Wählergruppe. Sie ist im zweistelligen Bereich abgesichert

Das Interview führte heute journal-Moderator Claus Kleber.

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