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Der Prinz und der Pädophile

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Epstein-Skandal - Der Prinz und der Pädophile

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Prinz Andrew gerät immer tiefer in den Strudel des Skandals um den toten US-Multimillionär Jeffrey Epstein. Die Flucht nach vorn im BBC-Interview geriet zum Desaster.

Nach den Vorwürfen gegen Prinz Andrew im Missbrauchs-Skandal rund um den toten US-Geschäftsmann Epstein, zieht er sich aus der Öffentlichkeit zurück.

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Die Queen macht weiter. Auch an diesem, ihrem 72. Hochzeitstag, tut sie ihre Pflicht, spricht in Chatham House über den Klimawandel, versucht, den Glanz ihres Namens zu nutzen, um Aufmerksamkeit und Geld dahin zu lenken, wo sie fehlen. Neben dem schönen Schein ist das der tiefere Sinn der gesamten königlichen Familie. Geld anschaffen für die Menschen und Projekte, die davon nicht genug haben. Das funktioniert natürlich nur, solange der Ruf nicht ruiniert ist.

Doch am Wochenende hat das Lieblingskind der Queen den größten royalen Skandal seit Charles und Diana provoziert. Prince Andrew sprach in der BBC über seine Freundschaft zu Jeffrey Epstein. Zu dem amerikanischen Investmentbanker, der wegen Sexhandels und Kindesmissbrauchs vor Gericht stand und sich im August in seiner Zelle in Manhattan umgebracht hat.

Opfer und ihre Organisationen sind empört

Mit diesem Interview hat sich der königliche Prinz immer tiefer in die Affäre hineingeritten. In der BBC erklärte Andrew, dass ihm seine Freundschaft zu Epstein nicht leid täte. Die Kontakte, die er durch ihn habe knüpfen können, seien ihm "sehr nützlich" gewesen. Allerdings bereue er, dass Epstein sich "unziemlich verhalten" habe. Die Moderatorin fragt nach: "Unziemlich? Er war ein Sexualverbrecher!" Andrew antwortet: "Yes, sorry, I’m being polite."

Der Prinz wollte höflich sein, Opfer und ihre Organisationen sind empört. Nicht ein einziges Mal in dem fast einstündigen Interview äußerte Prince Andrew Mitgefühl mit den Dutzenden von Mädchen und jungen Frauen, die aussagen, sie seien von Epstein belästigt und vergewaltigt worden.

Elf Sponsoren und Institutionen haben nun ihre Zusammenarbeit mit dem Prinzen aufgekündigt. Sie wollen mit dem Prinzen nichts mehr zu tun haben. "Innerhalb von 24 Stunden haben sich die Sponsoren seines wichtigsten Wohltätigkeitsprojekts zurückgezogen, einer nach dem anderen, und das ist eine Entwicklung, die nur sehr schwer zu stoppen ist," sagt Richard Kay, royaler Korrespondent der Daily Mail. Und die Geschichte ist noch lange nicht zu Ende.

Andrew regelmäßiger Besucher bei Epstein

In den neunziger Jahren stellte eine Freundin Andrews, Ghislaine Maxwell den Prinzen ihrem Partner Jeffrey Epstein vor. Der Investmentbanker schmückte sich gern mit einflussreichen Leuten. Es gibt Fotos mit Jeff Bezos, Bill Clinton, Woody Allen und einige mit Donald Trump. Der heutige amerikanische Präsident sagte einmal, Epstein und er teilten ihre Liebe für schöne Frauen - die von Epstein seien "oft sehr jung!". Es gibt ein Video von einer Party in Trumps Villa in Palm Beach im Jahr 1992. Trump und Epstein beobachten potentielle Beute auf der Tanzfläche und Trump raunt Epstein mit Blick auf die Tanzfläche zu: "Sie ist heiß."

Prinz Andrew hat sich mindestens zehnmal mit Epstein getroffen. In New York und in Großbritannien, aber auch in Epsteins Haus in Palm Beach und auf der Privatinsel des Investmentbankers in der Karibik, wo es neben berühmten Gästen vor jungen Mädchen gewimmelt haben soll.

Der zweitälteste Sohn der Queen, Prinz Andrew, legt seine öffentlichen Ämter nieder. Hintergrund sind die Vorwürfe gegen ihn im Missbrauchs-Skandal rund um den toten US-Geschäftsmann Epstein.

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2008 wurde Epstein wegen der erzwungenen Prostitution einer Minderjährigen verurteilt. Nach seiner Entlassung 2010, genoss der Prinz vier Tage lang die Gastfreundschaft des Pädophilen in dessen Haus in New York.

Schau, du wurdest verurteilt, es wäre unangemessen für mich, mit dir gesehen zu werden.
Prinz Andrew

Im BBC-Interview sagt Prinz Andrew: "Ich bin da hingefahren, um in meinen Augen, ehrenhaft zu sein und ihm zu sagen: Schau, du wurdest verurteilt, es wäre unangemessen für mich, mit dir gesehen zu werden. Aber leider war da jemand mit einer Kamera und hat ein Foto von uns gemacht." Kein Schock über Epsteins Verbrechen, keine Distanzierung von dem Mann selbst, nur gesehen werden wollte er nicht mit ihm. Vielleicht hatte er Angst, dass Epstein Dinge über ihn erzählen könnte, die niemand wissen sollte.

Der Prinz sieht vor allem sich als Opfer

Details der Geschichte mit Virginia Roberts etwa. Die 17-Jährige war eine der Minderjährigen die Epstein missbrauchte, vermutlich wie so viele andere angeworben von dessen Lebensgefährtin Ghislaine Maxwell.

Ghislaine weckte mich morgens auf und sagte, du wirst heute einen Prinzen treffen.
Virginia Roberts, mutmaßliches Opfer

In Viginia Roberts Worten spielte sich das Ganze so ab: "Ich war so jung, Ghislaine weckte mich morgens auf und sagte, du wirst heute einen Prinzen treffen. Da wusste ich natürlich noch nicht, dass ich diesem Prinzen zur Verfügung gestellt werden sollte."

Prinz Andrew sei zu ihr nachhause gekommen, sie seien gemeinsam in den Club Tramp gegangen. "Er war nicht grob dabei oder so, er hat hinterher sogar Danke gesagt und andere Nettigkeiten und dann ging er."

Andrew behauptet er habe keinerlei  Erinnerung daran, diese Frau jemals getroffen zu haben. "Ich kann Ihnen kategorisch sagen, das ist nie passiert."

Virginia Roberts hat ausgesagt, Prince Andrew habe zwischen 1999 und 2001 dreimal mit ihr geschlafen. Sie erinnert sich an Discos und Schweiß. Er antwortet in der BBC darauf, er habe unter einer medizinischen Unfähigkeit zu schwitzen gelitten. Verursacht durch seinen Einsatz im Falklandkrieg. Was Mediziner für sehr zweifelhaft halten.

Prinz Andrew verwickelt sich im Interview mit der BBC in Widersprüche, erscheint arrogant und scheint vor allem sich als Opfer zu sehen.

Premier-Kandidaten halten an Monarchie fest

Der peinliche Auftritt des Prinzen war auch Thema im gestrigen Fernsehduell der beiden Kandidaten um das Amt des Premiers. Eine Dame aus dem Publikum wollte wissen:  "Erfüllt die Monarchie noch ihren Zweck?" Jeremy Corbyn, selten schlagfertig, antwortete: "Sie muss besser werden." Während Boris Johnson befand: "Die Monarchie als Institution ist tadellos."

Ehrenwerter Weg für Prinz Andrew?

Doch selbst der Monarchie gefällt die Monarchie so nicht. Mittwochabend Breaking News: Prince Andrew erklärt, dass er von allen seinen öffentlichen Verpflichtungen zurücktritt. Mit Erlaubnis der Queen. Dass ein Prinz als Repräsentant der Krone nicht länger tragbar ist, das gab es noch nie.

Gibt es einen ehrenwerten Weg aus dieser Situation? Richard Kay, der royale Korrespondent, sieht einen Weg nach vorne darin, dass Andrew sich den Ermittlern in den USA zur Verfügung stellt, damit diese den Verbrechen von Jeffrey Epstein auf den Grund gehen können. Genau das hat Andrew in seinem Rücktrittsschreiben angekündigt.

Das Königreich, gefangen in der Brexit-Krise, krankt nun an einem neuen Personalproblem. Da kann man nur hoffen: "Long live the Queen!"

Prinz Andrew, der jüngere Bruder von Kronprinz Charles, sieht sich schweren Vorwürfen ausgesetzt. Er soll vor 18 Jahren eine junge Amerikanier missbraucht haben. In einem BBC-Interview streitet Prinz Andrew jedoch ab, die Frau jemals getroffen zu haben.

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