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Mehr als nur eine weitere königliche Affäre

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Andrew und der Epstein-Skandal - Mehr als nur eine weitere königliche Affäre

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Die Aussage von Virginia Giuffre bringt das britische Königshaus in Erklärungsnot. Auch wenn Prinz Andrew ihre Vorwürfe dementiert - der Ruf der Royals steht auf dem Spiel.

Nachdem der britische Prinz Andrew in der BBC ein skandalumwittertes Interview zu seiner Verwicklung im Epstein-Fall gegeben hat, äußerte sich nun auch das mutmaßliche Opfer Virgina Roberts-Giuffre im britischen Fernsehen.

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Die Biografien von Prinz Andrew, Herzog von York, und Virginia Giuffre, geborene Roberts, könnten unterschiedlicher kaum sein: Auf der einen Seite steht der 59-jährige Sohn der Queen, ein Mitglied des britischen Königshauses, ein Veteran des Falkland-Kriegs, ein "ehrenhafter" Mann – wie er sich in seinem Interview mit der BBC Ende November beschrieb.

Auf der anderen Seite steht die 35-jährige US-Amerikanerin Giuffre, die im Alter von sieben Jahren missbraucht worden sein soll, früh von Zuhause weglief und als 16-Jährige ins Umfeld des Investmentbankers Jeffrey Epstein geriet. Ihm und seinen Freunden soll sie als minderjährige Sexsklavin zur Verfügung gestanden haben – darunter Prinz Andrew.

Demütigung für das Königshaus

Das schilderte Giuffre in einem am Montagabend ausgestrahlten Interview mit der BBC. Zwischen 2001 und 2002 soll sie dreimal zum Sex mit Andrew gezwungen und dafür sogar eigens nach London eingeflogen worden sein. "Das ist nicht irgendeine Sexgeschichte. Das ist eine Geschichte über Menschenhandel, das ist eine Geschichte über Missbrauch. Und es ist eine Geschichte über ein Mitglied eures Königshauses", erklärte Giuffre.

Es ist das nächste Kapitel im Fall rund um den mittlerweile verstorbenen Epstein – und eine erneute Demütigung für das britische Königshaus. Denn Giuffres Anschuldigungen bringen die Familie von Königin Elisabeth II. in Erklärungsnot. Außenstehende können sich vorstellen, wie unangenehm es für den Buckingham Palace gewesen sein muss, eine Erklärung zu Prinz Andrews Sexleben zu veröffentlichen.

„Es wird mit Nachdruck bestritten, dass der Herzog von York eine sexuelle Beziehung jeglicher Art mit Virginia Roberts hatte. Jede gegenteilige Aussage ist falsch und entbehrt jeder Grundlage“, stellte der Palast als Reaktion auf Giuffres Vorwürfe klar.

Andrews Interview wird zum PR-Desaster

Auch Andrew hatte sich persönlich um Schadensbegrenzung bemüht. In einem der seltenen TV-Interviews, das Mitglieder der Königsfamilie geben, widersprach er Ende November allen Anschuldigungen Giuffres – mit Gegendarstellungen, die viele Beobachter für wenig glaubwürdig halten. Er bestritt, die Frau zu kennen, und hinterfragte die Echtheit eines Fotos, das die beiden zeigt. Gleichzeitig zeigte Andrew keinerlei Empathie für die Opfer Epsteins, eines verurteilten Sexualstraftäters, mit dem der Prinz trotz bestehender Anschuldigung weiter Umgang pflegte.

Andrews Interview wurde zum PR-Desaster. Als Konsequenz legte er seine repräsentativen Ämter als Mitglied der Königsfamilie nieder. Dazu soll auch sein Bruder, der Thronfolger Prinz Charles beigetragen haben, wie etwa die "Times" aus London berichtete. Er soll seiner Mutter nahegelegt haben, den jüngeren Bruder von seinen royalen Pflichten zu entbinden – auch um die anstehenden Wahlen in Großbritannien nicht mit der Affäre zu überschatten.

Zwar gehen Experten nicht davon aus, dass dieser Skandal dem britischen Königshaus dauerhaft schaden wird. Sie sehen den Fall als eine von vielen Peinlichkeiten, die der Queen in ihrer langen Amtszeit zuteilwurden.

Dennoch lassen sich diese Vorwürfe kaum mit den Eheskandalen eines Prinz Charles oder umstrittenen SS-Kostümen von Prinz Harry vergleichen. Dafür ist der Fall Epstein mit den noch laufenden Prozessen zu groß.

Ruf der Royals in Gefahr

Scotland Yard hat zwar angekündigt, keine Ermittlungen gegen den Prinzen einzuleiten, weil es die US-Behörden in der Verantwortung sieht. In den Vereinigten Staaten könnte Andrew aber vom FBI vorgeladen werden. Recherchen der BBC haben ergeben, dass die Anwälte von fünf Epstein-Opfern Andrew als Augenzeugen befragen wollen. Bei künftigen Reisen in die USA muss er mit einer Vorladung rechnen. Andrew bestreitet weiterhin, die Epstein zu Last gelegten Taten beobachtet zu haben. Seine Weigerung auszusagen, könnte weitere juristische Konsequenzen nach sich ziehen.

Prinz Andrew, der zweitälteste Sohn der Queen, gerät wegen Missbrauchsvorwürfen und der Nähe zu Jeffrey Epstein immer mehr in Bedrängnis. Nach einem desaströsen BBC Interview entschied er, vorerst keine Aufgaben für die Königsfamilie mehr wahrzunehmen.

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Der Fall Epstein ist für die britische Krone noch lange nicht ausgestanden. Gleichzeitig schadet er dem neuen Ruf als aufgeschlossenes und bürgernahes Königshaus. Ein Onkel, der mit dubiosen Geschäftsmännern in exklusiven New Yorker Stadthäusern verkehrte und in einen Skandal um minderjährige Sexsklavinnen verstrickt ist, widerspricht jenem bürgerlichen Antlitz, um das die Queen-Enkel William und Harry sich bemühen. "Die Firma" – wie Insider das britische Königshaus nennen – kommt auch im 67. Jahr von Queen Elisabeths Regentschaft nicht zur Ruhe.

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