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Nachlass des Altkanzlers - Der Streit um Kohls politisches Erbe

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Die Diskussion über den politischen Nachlass von Altkanzler Helmut Kohl ist in vollem Gange. Gestritten wird vor allem um die Unterlagen, die Kohl in seinem Haus in Ludwigshafen aufbewahrt hatte. Mehrere Seiten erheben Anspruch. Im Moment bestimmt aber Kohls Witwe, wer Zugang bekommt.

Der Kanzler der Einheit im Gespräch mit Klaus-Peter Siegloch.

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Keiner weiß genau, was da im Wohnhaus des verstorbenen Altbundeskanzlers Helmut Kohl in Ludwigshafen-Oggersheim an Dokumenten lagert. Mit Ausnahme seiner Witwe Maike Kohl-Richter. Sie hat als einzige uneingeschränkten Zugang zu den 400 Aktenordnern mit Briefen, Aufzeichnungen und anderen Papieren, die Helmut Kohl nach dem Ende seiner Regierungszeit 1998 in die Konrad-Adenauer-Stiftung bei Bonn bringen ließ, dann aber 2010 in sein Privathaus nach Oggersheim zurückholte.

Er brauche sie für den letzten Band seiner Memoiren, hieß es damals. Der erschien jedoch nie. Man habe die Akten 1998 auf Bitten von Helmut Kohl übernommen, erzählt uns Bernhard Vogel, damals Vorsitzender und jetzt Ehrenvorsitzender der Konrad-Adenauer-Stiftung, im Interview. Er habe die Akten nicht gelesen.

Streit um Kohls Unterlagen

Jetzt bemühen sich gleich mehrere Seiten um Einblick in Kohls Nachlass. Zum einen das Bundesarchiv in Koblenz, und zwar aus rechtlichen Gründen. Denn in Oggersheim könnten auch Regierungsakten liegen. Sie aber müssen nach deutschem Archivrecht im Bundesarchiv Koblenz für jedermann zugänglich aufbewahrt werden. Schon jetzt lagern dort 330 Kilometer an Schriftgut, unter idealen Bedingungen bei Temperaturen zwischen 18 und 22 Grad und einer Luftfeuchtigkeit von 50 Prozent. Michael Hollmann, der Präsident des Bundesarchivs, hat bereits in einem Brief an die Witwe Kohls höflich um die Herausgabe solcher Akten gebeten – bisher ohne Antwort.

Zum zweiten drängen die Historiker. Für sie könnte der Nachlass in Oggersheim von unschätzbarem Wert sein. "Was im Keller von Oggersheim lagert, das möchte ich nicht vermuten, das möchten wir wissen", meint Andreas Rödder, Professor am historischen Institut der Universität Mainz. "Das müssen wir wissen, damit wir ein möglichst zuverlässiges, ein möglichst präzises Bild der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland, der Ära und der Person Helmut Kohl zeichnen können. Daran haben wir alle miteinander ein öffentliches und damit ein demokratisches Interesse."

Stiftung zu Ehren des Altkanzlers

Aber auch die großen Parteien sind am Nachlass des Altbundeskanzlers interessiert. CDU und SPD haben bereits verabredet, den Altkanzler Helmut Kohl mit einer Bundesstiftung zu ehren, so wie es bei Konrad Adenauer, Willy Brandt und zuletzt Helmut Schmidt der Fall war.

2,6 Millionen Euro stünden für eine solche Stiftung zur Verfügung. Die zuständige Kulturstaatsministerin Monika Grütters soll sogar bereits ein passendes Gebäude in Berlin ausgeguckt haben, ganz in der Nähe der Bundeskanzler-Willy-Brandt-Stiftung am Prachtboulevard Unter den Linden. Die Ausstellung dort zieht jedes Jahr mehr als 100.000 Besucher an.

Witwe Kohls noch nicht gesprächsbereit

Doch Maike Kohl-Richter ist offenbar nicht gesprächsbereit – noch nicht. Auf meine Anfrage nach einem Interview ließ sie über ihren Anwalt ausrichten, wenige Wochen nach dem Tod ihres Ehemannes stehe sie derzeit nicht zur Verfügung. Auch kurzfristig werde keine Entscheidung über die weitere Verfahrensweise hinsichtlich der privaten Akten von Helmut Kohl getroffen. "Sie können jedoch sicher sein, dass diese Entscheidung zu gegebener Zeit in Kenntnis der Verantwortung vor der Geschichte und im Sinne Helmut Kohls von seiner Ehefrau gemeinsam mit ihren Beratern, die bereits dem Altbundeskanzler freundschaftlich verbunden waren und sind, getroffen wird", erklärte Maike Kohl-Richter weiter.

Das werden Politiker, Parteien und Experten zunächst wohl so akzeptieren. Denn keiner von ihnen möchte eine offene Auseinandersetzung um den Nachlass von Helmut Kohl. Der Chef des Bundesarchivs meint dazu: "Meine Hoffnung ist, dass wir, sobald ein wenig Wasser den Rhein runtergeflossen ist, in ganz sachliche Gespräche eintreten, um festzustellen, um was es sich handelt und wie dann dementsprechend damit zu verfahren ist." Das klingt ganz so, als ob die Diskussion um den Nachlass von Helmut Kohl noch lange nicht beendet ist.

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