Sie sind hier:

Pläne des US-Präsidenten - Erdogan warnt: "Jerusalem ist die rote Linie"

Datum:

Es wäre ein enormer diplomatischer Eklat: Offenbar will US-Präsident Trump bald Jerusalem als Hauptstadt Israels anerkennen. Nicht nur die islamisch geprägte Türkei warnt Trump.

Die USA wollen offenbar Jerusalem als Hauptstadt von Israel anerkennen. ZDF-Korrespondentin Nicola Albrecht schätzt ein, was diese Entscheidung für die Region bedeuten würde.

Beitragslänge:
1 min
Datum:

Die NATO-Verbündeten Türkei, Deutschland und Frankreich warnen US-Präsident Donald Trump eindringlich davor, Jerusalem als Hauptstadt Israels anzuerkennen. Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan drohte nun sogar mit einem Abbruch der diplomatischen Beziehungen zu Israel, sollten die USA einen solchen Schritt wagen. "Herr Trump, Jerusalem ist die rote Linie der Muslime", sagte er in Ankara. Auch Saudi-Arabien, das sich als Schutzmacht aller Muslime weltweit sieht, äußerte sich "ernsthaft und tief besorgt".

Ungeklärter Streit

Die internationale Gemeinschaft erkennt Jerusalem nicht als Israels Hauptstadt an, weil der endgültige Status der Stadt erst in Friedensverhandlungen zwischen Israel und den Palästinensern geklärt werden muss. Die Palästinenser wollen im arabischen Ostteil der Stadt, den Israel 1967 besetzt und später annektiert hatte, die Hauptstadt eines unabhängigen Staates ausrufen. Israel beansprucht hingegen die ganze Stadt für sich.

Israel wies die Drohungen Erdogans brüsk zurück. "Jerusalem ist die Hauptstadt des jüdischen Volkes seit mehr als 3.000 Jahren und Israels Hauptstadt seit 70 Jahren - ungeachtet dessen, ob sie von Erdogan als solche anerkannt ist oder nicht", teilten Regierungsvertreter mit. Nach US-Medienberichten könnte Trump bereits an diesem Mittwoch die Anerkennung bekanntgeben. Dem "Wall Street Journal" zufolge plant Trump außerdem, die US-Botschaft von Tel Aviv nach Jerusalem zu verlegen - allerdings erst zu einem späteren Zeitpunkt.

Erdogan will "islamische Welt in Bewegung setzen"

Bundesaußenminister Sigmar Gabriel sagte, eine Lösung könne nur durch direkte Verhandlungen zwischen beiden Parteien gefunden werden. "Alles, was sozusagen die Krise verschärft, ist kontraproduktiv in diesen Zeiten." Ähnlich äußerte sich der französische Präsident Emmanuel Macron. Der Status Jerusalems müsse im Rahmen von Friedensverhandlungen zwischen Israelis und Palästinensern festgelegt werden, teilte der Élyséepalast nach einem Telefongespräch Macrons mit Trump mit.

Die staatliche saudische Nachrichtenagentur Spa berichtete unter Berufung auf eine Quelle im Außenministerium, eine Anerkennung würde "historischen Rechten" des palästinensischen Volkes auf Jerusalem widersprechen und Muslime auf der ganzen Welt provozieren. Eine Abkehr der USA von einer unparteiischen Position in dem Konflikt würde schwerwiegende und negative Folgen haben.

Erdogan sagte, eine Anerkennung Jerusalem als Hauptstadt Israels wäre nicht nur ein Verstoß gegen internationales Recht, sondern "ein harter Schlag gegen das Gewissen der Menschheit". Sollte es dazu kommen, werde er innerhalb weniger Tage einen Gipfel der Organisation für Islamische Kooperation (OIC) in Istanbul einberufen. "Auf diesem Gipfel werden wir die gesamte islamische Welt in Bewegung setzen." Die Türkei hat derzeit die OIC-Präsidentschaft inne.

Eines von Trumps Wahlkampfversprechen

Erdogans Sprecher Ibrahim Kalin schrieb auf Twitter, ein solcher Schritt würde alle Friedensbemühungen unterlaufen und neue Spannungen und Konflikte auslösen. "Wir hoffen, dass die US-Regierung diesen Fehler vermeiden wird."

Der Erlass für den Sitz der Botschaft bezieht sich auf ein Gesetz aus dem Jahr 1995, in dem der US-Kongress ihre Verlegung beschlossen hatte. Bislang verschoben aber alle US-Präsidenten die Umsetzung mit der Begründung, dies schade der nationalen Sicherheit. Die Frist wurde immer wieder um sechs Monate verlängert. Trump hatte die Verlegung der Botschaft im Wahlkampf versprochen.

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert auf Mein ZDF! Abo beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert

Sie wechseln in den Kinderbereich und bewegen sich mit Ihrem Kinderprofil weiter.