Sie sind hier:

Kritik der Opposition - Erdogan streicht Evolutionslehre aus türkischen Lehrplänen

Datum:

Die Türkei will die Evolutionslehre von den Lehrplänen streichen. Sie sei für Schüler zu kontrovers, heißt es. Diese Pläne lassen bei der Opposition alte Sorgen aufleben.

Heute glaubt kaum jemand daran, dass Gott die Welt in 7 Tagen geschaffen hat. Die Evolutionstheorie von Charles Darwin erklärt die Entstehung der Arten. Ist das ein Widerspruch zum Glauben?

Beitragslänge:
6 min
Datum:

Charles Darwins Evolutionstheorie wird ab 2019 aus türkischen Lehrbüchern verschwinden. Das teilte der Lehrplanbeauftragte des Bildungsministeriums, Alpaslan Durmus mit. Der neue Lehrplan soll am Dienstag, dem Ende des islamischen Fastenmonats Ramadan, vorgestellt werden. Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan hat den Entwurf bereits unterzeichnet.

Evolutionstheorie erst an der Uni gelehrt

Die Evolutionstheorie sei für Schüler dieses Alters zu kontrovers und kompliziert, sagte Durmus. Daher solle das Kapitel aus dem Biologieunterricht der neunten Klassen entfernt werden und durch ein neues namens "Lebewesen und ihre Umwelt" ersetzt werden. Die Evolutionstheorie solle erst später an der Universität gelehrt werden. Durmus sprach von einer "Vereinfachung des Lehrplans".

Akademiker mehrerer Universitäten kritisierten den Entwurf. Das einzige Land, in dem die Evolutionstheorie ebenfalls vom Lehrplan gestrichen ist, sei Saudi-Arabien. Der Kreationismus kommt dagegen schon seit den 80er Jahren in türkischen Schulbüchern vor. Laut einer Umfrage von 2012 zweifeln 70 Prozent der Türken an der Evolutionstheorie.

Opposition kritisiert die Pläne

Die größte türkische Oppositionspartei CHP hat Regierungspläne kritisiert, die Evolutionstheorie von Charles Darwin aus den gesetzlichen Schullehrplänen zu streichen. Der CHP-Abgeordnete für Istanbul, Baris Yarkadas, warf der islamisch-konservativen AKP vor, das Land nach islamischen Gesetzesprinzipien regieren zu wollen. "Eine erwiesene Theorie aus den Lehrplänen zu entfernen heißt, Wissen und Wissenschaft zu missachten. Die AKP-Regierung ersetzt sie mit einem Programm, das Scharia-Prinzipien enthält", sagte Yarkadas.

Säkulare Türken befürchten eine Islamisierung des Lehrplans

Die Türkei ist formal ein laizistischer Staat mit Religionsfreiheit, ein Erbe von Staatsgründer Mustafa Kemal Atatürk (1881-1934). Säkulare Türken befürchten seit langem eine Islamisierung sowohl des Lehrplans als auch der Gesellschaft. Seit Regierungsantritt der AKP 2003 wurde das Kopftuchverbot aufgehoben, Glücksspiel verboten und Alkoholverbote ausgeweitet.

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert auf Mein ZDF! Abo beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert

Sie wechseln in den Kinderbereich und bewegen sich mit Ihrem Kinderprofil weiter.