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Jerusalem-Frage - Erdogan - Verteidiger der islamischen Welt

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Deutlich hat der türkische Präsident Erdogan im Streit um Jerusalem Israel attackiert. Mit einem Sondergipfel islamischer Staaten gibt er sich als starker Mann im Nahen Osten.

Recep Tayyip Erdogan am 02.12.2017 in Kars (Türkei)
Recep Tayyip Erdogan am 02.12.2017 in Kars (Türkei)
Quelle: ap

Deutliche Äußerungen von Recep Tayyip Erdogan in den letzten Tagen: Im Streit um Jerusalem attackierte der türkische Präsident Israel als "terroristischen Staat", der "Kinder tötet". Palästina sei ein unschuldiges Opfer, betonte Erdogan. Er werde mit allen Mitteln gegen die Anerkennung Jerusalems als israelische Hauptstadt durch die USA kämpfen. Die Türkei werde diese Entscheidung niemals anerkennen, betonte der türkische Staatschef, der sich nun als Vorkämpfer der Rechte der Palästinenser versteht.

Keine gemeinsame Position in der islamischen Welt

So hat der türkische Präsident für heute die 57 Mitglieder der Organisation für Islamische Zusammenarbeit (OIC) zu einem Gipfel nach Istanbul eingeladen. Es geht darum, eine gemeinsame Antwort auf die Entscheidung von US-Präsident Donald Trump zu finden. Denn tatsächlich gibt es große Unterschiede zwischen den islamisch geprägten Staaten der OIC.

Erdogan dringt dabei auf eine harte Reaktion. Die Türkei unterhält zwar seit 2016 wieder diplomatische Beziehungen zu Israel, doch Erdogan versucht, sich in der muslimischen Welt als Verteidiger der Palästinenser zu profilieren. Unterstützung findet er bei der palästinensischen Hamas, zu der er gute Beziehungen unterhält. Iran, das auch gerne gegen Israel hetzt und das Existenzrecht des israelischen Staates nicht anerkennt, verurteilte ebenfalls die US-Entscheidung. Iran gilt als Erdogans neuer Verbündeter, vor allem im Syrien-Krieg. Deutlich vorsichtiger äußerte sich der jordanische König Abdullah II.. Das Land spielt als Hüter der heiligen islamischen Stätten in Jerusalem eine wichtige Rolle, unterhält aber gute Beziehungen zu Israel.

Saudi-Arabien in politischer Zwickmühle

In einem großen Dilemma befindet sich Saudi-Arabien. Eigentlich kann das wahhabitisch geprägte (was eine besonders strenge und konservative Ausrichtung des Islams nach sich zieht) Königreich nicht schweigen, wenn Jerusalem zur Hauptstadt Israels erklärt wird. Aber Riad will keinesfalls zulassen, dass sich sein regionaler Rivale Iran immer mehr als Verteidiger der Palästinenser profiliert. Zugleich ist Saudi-Arabien ein enger Verbündeter der USA und sucht seit einiger Zeit die Annäherung an Israel. Denn Saudi-Arabien steht immer mehr im Konflikt zu Iran. Nach dem Motto: gemeinsame Feinde verbinden.

Erdogans Gipfel in Istanbul wird also nicht einfach. Es zeigt sich immer mehr, wie sehr sich die Gewichte in der islamischen Welt gerade verschieben. Der türkische Präsident gibt sich als starker Mann im Nahen Osten. Das lenkt von Problemen im eigenen Land ab und bringt Sympathien bei der Bevölkerung. Den arabischen Regimen dürfte Erdogans Aktionismus aber nicht gefallen.

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