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Umstrittenes Gedicht - Böhmermann: Erdogan geht in Berufung

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Sechs Verse von "Schmähkritik" sind für Recep Tayyip Erdogan sechs Verse zu viel. Die hatte das Hamburger Landgericht im Februar zugelassen. Der Anwalt des türkischen Staatschefs geht in Berufung.


Die Auseinandersetzung zwischen dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan und dem ZDF-Satiriker Jan Böhmermann geht weiter. Erdogans Kölner Anwalt Mustafa Kaplan hat Berufung gegen die Entscheidung des Landgerichts Hamburg eingelegt, das
Böhmermanns Schmähgedicht in weiten Teilen, aber nicht komplett verboten hatte. Böhmermanns Anwalt Christian Schertz hatte bereits im März Berufung gegen das Urteil eingelegt.

Sechs von 24

Der Satiriker hatte unter dem Titel "Schmähkritik" in seiner ZDF-Sendung "Neo Magazin Royale" am 31. März vergangenen Jahres teils wüste Beschimpfungen gegen Erdogan vorgetragen und ihm unter anderem Sex mit Tieren unterstellt und ihn in die Nähe von Kinderpornografie gerückt. Zur Begründung stellte der Moderator seinem Auftritt voran, er wolle den Unterschied zwischen erlaubter Satire und in Deutschland verbotener Schmähkritik erklären.

Das Landgericht untersagte dem Satiriker am 10. Februar, weite Teile des Gedichtes zu wiederholen. Von 24 Versen darf Böhmermann nur noch sechs vortragen. Die strittigen Passagen berührten das allgemeine Persönlichkeitsrecht Erdogans im Kernbereich, hieß es zur Begründung.

Sexistische Beleidungen "besonders schwerwiegend"

"Spiegel Online" zitiert aus dem 18-seitigen Berufungsantrag von Erdogans Anwalt Kaplan: Das Gedicht sei eine "Beleidigungsorgie mit Worten, die den Kläger genauso treffen sollten, wie in Deutschland lebende Türken seit Jahrzehnten rassistisch beleidigt werden - insbesondere durch rechtsextremistische Kreise". Beleidigungen mit sexistischem Inhalt würden in der türkischen Gesellschaft als "besonders schwerwiegend" empfunden. Erdogan werde in dem Gedicht nicht kritisiert, sondern als Person entwertet. "Er wird in seiner Würde als Mensch entkleidet. Schwerwiegender kann eine Persönlichkeitsverletzung wohl kaum sein."

Gegen die Entscheidung des Landgerichts hatte Böhmermanns Anwalt Schertz bereits am 10. März Berufung eingelegt. Böhmermann werde "die durch das Urteil erfolgte Einschränkung seiner Grundrechte nicht akzeptieren", sagte Schertz seinerzeit der "Süddeutschen Zeitung" zur Begründung: "Man kann ein Kunstwerk nicht in Einzelteile sezieren."

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