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CDU und Grüne vorn - Kommunalwahlen: Uneinheitlich und zwei mal exotisch

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Viele Deutsche haben am Sonntag gleich doppelt gewählt - sie waren neben der Europawahl auch zur Kommunalwahl aufgerufen. Dabei zeichnet sich kein einheitliches Bild ab.

100-jaehrige lisel heise kandidiert fuer stadtrat
Lisel Heise ist 100 Jahre alt. Nach der Kommunalwahl sitzt sie im Stadtradt von Kirchheimbolanden.
Quelle: dpa

Nicht nur zur Europawahl waren die Bürger in Deutschland aufgerufen: Am Sonntag wurden in verschiedenen Bundesländern auch Kommunalwahlen abgehalten. Sie wählten Stadt- und Gemeinderäte, Kreistage und Bürgermeister.

CDU gewinnt in Sachsen-Anhalt

Neben der Europawahl hat die CDU in Sachsen-Anhalt auch die Kommunalwahlen für sich entschieden. Die Christdemokraten erhielten laut Zwischenergebnis vom Montagmorgen 24,6 Prozent der Stimmen. Im Vergleich zur Wahl 2014 büßte die Partei jedoch 9,7 Prozentpunkte ein.

Mit deutlichem Abstand folgte die AfD mit 16,4 Prozent. Die SPD kam nur auf 12,5 Prozent. Die Linkspartei konnte den vorläufigen Ergebnissen zufolge 15 Prozent der Stimmen auf sich vereinigen. Die Grünen erhielten 8,4 Prozent der Stimmen, die FDP lag bei 5,9 Prozent.

CDU-Sieg auch in Mecklenburg-Vorpommern

Auch bei den Kommunalwahlen auf Kreisebene in Mecklenburg-Vorpommern geht die CDU trotz starker Verluste erneut als Sieger hervor. Bei den Wahlen der sechs Kreistage und der Stadtparlamente von Rostock und Schwerin kam sie am Sonntag nach Angaben der Landeswahlleitung auf insgesamt 25,4 Prozent der Stimmen. Das waren 7,6 Prozentpunkte weniger als bei der Wahl vor fünf Jahren.

Die Linke erreichte 16,4 Prozent (-3,3 Prozentpunkte). Die SPD erreichte diesmal 15,4 Prozent (-3,5 Prozentpunkte). Die meisten Gewinne erzielte die AfD. Mit einem Plus von 9,8 Prozentpunkten kam sie auf 14 Prozent der Stimmen. Die Grünen landeten bei 10,3 Prozent (+4,5 Prozentpunkte). Die FDP verbesserte sich von 3,3 auf 4,3 Prozent.

Eines ihrer besten Ergebnisse holte die CDU mit 29,3 Prozent im Kreis Vorpommern-Rügen, wo Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) ihren Bundestagswahlkreis hat. Es waren dennoch 11,8 Prozentpunkte weniger als 2014.

AfD stark im Osten

Bei den Europawahlen ist die AfD in Sachsen und Brandenburg stärkste Kraft geworden. In Sachsen stand auch die Oberbürgermeisterwahl in Görlitz, der Heimat von Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU), im Fokus. Laut vorläufigem Ergebnis erhielt der AfD-Kandidat Sebastian Wippel 36,4 Prozent der Wählerstimmen, der CDU-Bewerber Octavian Ursu kam auf 30,3 Prozent. Im Juni steht nun eine Stichwahl an.

Bei den Kommunalwahlen in Brandenburg führt die CDU nach aktuellem Auszählungsstand mit 18,3 Prozent. Die SPD folgt mit 17,7 Prozent. An dritter Stelle kommt die AfD mit 15,9 Prozent. Allerdings gibt es auch hier Außreißer nach oben - so holte die AfD in der Gemeinde Jämlitz-Klein Düben 42,6 Prozent. Auch in Thüringen bleibt die CDU mit deutlichen Vorsprung stärkste Kraft, gefolgt von der AfD.

Stimmungstest für Landtagswahlen im Sommer und Herbst

Ein sehr differenziertes Bild zeigte sich in den größeren Städten. Während die AfD etwa im thüringischen Gera bei der Europa- und der Stadtratswahl jeweils fast 30 Prozent holte und auch in Dresden und Chemnitz bei der Europawahl dominierte, wurden die Grünen in Leipzig bei der Europawahl stärkste Kraft. Auch bei der Kommunalwahl in Dresden lagen die Grünen vorn.

In Brandenburg, Sachsen und Thüringen gelten die Europawahl und die Kommunalwahlen als wichtiger Stimmungstest vor den Landtagswahlen im Spätsommer und im Herbst. Im schwarz-rot regierten Sachsen und im rot-rot regierten Brandenburg werden am 1. September neue Landtage gewählt, in Thüringen mit seiner rot-rot-grünen Koalition steht die Wahl am 27. Oktober an. In allen drei Ländern kann die AfD deutliche Zugewinne erwarten. Die derzeitigen Regierungen haben nach aktuellen Umfragen keine Mehrheit.

Grüne mit Gewinnen in Stuttgart

Bei der Wahl zur Regionalversammlung in Stuttgart lagen die Grünen mit 24,28 Prozent hauchdünn vor der CDU mit 24,15 Prozent, wie der Regionalverband mitteilte. Zu der Region gehören die Landeshauptstadt Stuttgart sowie die umliegenden Kreise Böblingen, Esslingen, Göppingen, Ludwigsburg und Rems-Murr. Die SPD lag bei der Wahl zur Regionalversammlung mit 12,45 Prozent der Stimmen noch hinter den Freien Wählern mit 14,02 Prozent.

Auch bei den Kommunalwahlen in Rheinland-Pfalz und im Saarland zeichnete sich nach ersten Zwischenergebnissen ein Stimmenzuwachs für die Grünen ab. Bei der Oberbürgermeisterwahl in Saarbrücken konnte die SPD immerhin einen Achtungserfolg erzielen. Die sozialdemokratische Amtsinhaberin Charlotte Britz kam im ersten Wahlgang auf 36,8 Prozent der Stimmen. Sie tritt am 9. Juni in einer Stichwahl gegen ihren CDU-Herausforderer Uwe Conradt an, der bei der Wahl am Sonntag 29 Prozent erreichen konnte.

100-Jährige zieht in Stadtrat ein

Bei der Kommunalwahl im rheinland-pfälzischen Kirchheimbolanden hat die betagte Lisel Heise einen Sitz errungen. Die Hundertjährige wurde für die Liste "Wir für Kibo" in den Stadtrat gewählt, wie eine Sprecherin der Stadtverwaltung bestätigte. Die Hundertjährige war am Sonntag zum ersten Mal bei einer Stadtratswahl angetreten.

Die Liste konnte bei der Wahl zwei Sitze erringen. Heise, ursprünglich auf Listenplatz 20, bekam laut vorläufigem Endergebnis die meisten Stimmen für "Wir für Kibo". Damit könnte sie mit Thomas Bock für die Gruppe in den Stadtrat einziehen. Insgesamt erreichte "Wir für Kibo" 8,8 Prozent der Stimmen. Heise hatte sich im Wahlkampf dafür stark gemacht, das 2011 geschlossene Freibad in Kirchheimbolanden wieder zu eröffnen.

Novum nach Kommunalwahl in Rostock

Der Däne Claus Ruhe Madsen hat gute Chancen, als erster Ausländer Oberbürgermeister einer deutschen Großstadt zu werden. Der 46-Jährige gewann bei der Kommunalwahl in Rostock den ersten Wahlgang um den Posten mit 34,6 Prozent der Stimmen, wie die Stadt auf ihrer Internetseite mitteilte. In der Stichwahl am 16. Juni muss der parteilose Möbelhändler gegen Steffen Bockhahn von den Linken antreten, der auf 18,9 Prozent der Stimmen kam.

Madsen stammt aus Kopenhagen und lebt seit 1992 in Deutschland. Vor gut 20 Jahren kam er nach Rostock. In den vergangenen sechs Jahren war er Präsident der Industrie- und Handelskammer in Rostock. Madsen präsentierte sich im Wahlkampf als pragmatisch und umweltbewusst. Falls er die Stichwahl gewinnt, will er die Geschäftsführung seiner fünf Möbelhäuser an seine Frau abgeben.

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