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Katholische Kirche - Missbrauchstudie: Die wichtigsten Ergebnisse

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Vier Jahre lang haben Forscher den Missbrauchskandal in der Kirche untersucht. 38.156 Akten der 27 Bistümer wurden dafür ausgewertet. Das sind die wichtigsten Ergebnisse.

Missbrauchsstudie in der katholischen Kirche, aufgenommen am 25.09.2018 in Fulda
Missbrauchsstudie in der katholischen Kirche
Quelle: dpa

Bei der Herbstvollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz ist die Missbrauchsstudie offiziell vorgestellt worden. Rund vier Jahre lang arbeitete ein Forscherkonsortium um den Mannheimer Psychiater Harald Dreßing daran. Die Untersuchung, die die katholischen Bischöfe in Auftrag gaben, hat 356 Seiten und umfasst die Jahre 1946 bis 2014. Alle 27 Bistümer nahmen - für unterschiedliche Zeiträume - an der Studie teil, einige Bistümer wurden vertieft für die gesamte Phase untersucht. Sowohl Namen der Betroffenen als auch der Bistümer selbst sind anonymisiert. Hier die wichtigsten Ergebnisse:

  • In den 38.156 ausgewerteten Akten der 27 deutschen Bistümer gab es bei 1.670 Klerikern (4,4, Prozent) Hinweise auf Beschuldigungen des sexuellen Missbrauchs Minderjähriger. Darunter waren 1.429 Diözesanpriester (5,1 Prozent aller Diözesanpriester), 159 Ordenspriester (2,1 Prozent) und 24 hauptamtliche Diakone (1,0 Prozent).
  • 3.677 Kinder und Jugendliche sind als Opfer dieser Taten dokumentiert. Bei 54 Prozent der Beschuldigten lagen Hinweise auf ein einziges Opfer vor, bei 42,3 Prozent Hinweise auf mehrere Betroffene zwischen 2 und 44, der Durchschnitt lag bei 2,5.
  • 62,8 Prozent der von sexuellem Missbrauch Betroffenen waren männlich, 34,9 Prozent weiblich, bei 2,3 Prozent fehlten Angaben zum Geschlecht. Das deutliche Überwiegen männlicher Betroffener unterscheidet sich nach Angaben der Forscher vom sexuellen Missbrauch an Minderjährigen in nicht-kirchlichen Zusammenhängen.
  • Beim ersten Missbrauch waren 51,6 Prozent der Betroffenen jünger als 14 Jahre alt. 25,8 Prozent waren 14 oder älter, bei 22,6 Prozent war das Alter nicht dokumentiert.
  • Drei von vier Betroffenen standen mit den Beschuldigten in einer kirchlichen oder seelsorgerischen Beziehung, zum Beispiel als Messdiener oder als Schüler im Rahmen von Religionsunterricht, Erstkommunion- oder Firmvorbereitung.
  • Bei 566 Beschuldigten (33,9 Prozent) wurden kirchenrechtliche Verfahren wegen sexuellen Missbrauchs Minderjähriger eingeleitet, bei 53 Prozent nicht, bei 13,1 Prozent fehlten entsprechende Angaben. Rund ein Viertel aller eingeleiteten kirchenrechtlichen Verfahren endete ohne Sanktionen. Aus dem Klerikerstand entlassen wurden 41 Beschuldigte, 88 wurden exkommuniziert, also aus der kirchlichen Gemeinschaft ausgeschlossen.
  • Laut Studie hat sich rund die Hälfte der sexuellen Missbrauchstaten im Zusammenhang mit privaten Treffen von Beschuldigten und Betroffenen ereignet. Häufigster Tatort ist danach die Privat- oder Dienstwohnung des Beschuldigten gewesen. Zu einem großen Anteil hätten die Taten aber auch in kirchlichen oder schulischen Räumlichkeiten oder in organisierten Zelt- oder Ferienlagern stattgefunden.
  • Die Folgen für die Opfer sind nach der Studie "langfristig und gravierend". So gab rund ein Drittel der Betroffenen an, als Folge der Taten Schwierigkeiten in sexuellen Beziehungen zu haben. Rund ein Fünftel der Betroffenen leide unter Depressionen und einem sozialen Rückzug. Etwa 24 Prozent gibt an, als Folge des Missbrauchs misstrauischer gegenüber anderen Menschen zu sein. Probleme in Ausbildung oder Beruf benennen 22 Prozent der Befragten. Dazu kommen posttraumatische Belastungsstörung (21 Prozent), Angstzustände (16 Prozent), Alkohol- und Drogenmissbrauch (16 Prozent) sowie Schlafstörungen (16 Prozent), Suizidgedanken (11 Prozent) und Konzentrationsstörungen (9 Prozent).
  • Innerkirchliche Risikofaktoren, die die Wissenschaftler in der katholischen Kirche ausmachen: Sie raten dazu, den Klerikalismus zu überdenken, den sie "als das Bestreben, einer Religion über die religiös-geistige Einflusssphäre hinaus weltliche Macht zu verleihen und religiösen Dogmen politische Geltung und politisches Gewicht zu verschaffen" zu überdenken. Auch solle über den Zölibat (die aus religiösen gewählte Ehelosigkeit der Priester) sowie die Einstellung der Kirche zur Homosexualität nachgedacht werden.
  • Die Befunde der Personal- oder Strafaktenanalysen beziehen sich nach Angaben der Forscher ausnahmslos auf das Hellfeld des sexuellen Missbrauchs von Minderjährigen durch Kleriker der katholischen Kirche. Erkenntnisse über das Dunkelfeld seien nicht erlangt worden.
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