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Ermittlungen gegen Audi-Chef - Wie lange kann sich Stadler noch halten?

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Die Staatsanwaltschaft hat die Privatwohnung von Rupert Stadler durchsucht. Damit ist der Audi-Chef erstmals selbst Beschuldiger im Diesel-Skandal - und mächtig unter Druck.

Rupert Stadler blickt auf der internationalen Automobil-Ausstellung in die Runde
Rupert Stadler blickt auf der internationalen Automobil-Ausstellung in die Runde Quelle: dpa

Dem Audi-Chef wird Betrug und mittelbare Falschbeurkundung zur Last gelegt. Konkret geht es um den Verkauf von Diesel-Modellen auf dem europäischen Markt, die mit einer "manipulativen Abgassteuerungssoftware" ausgestattet waren. Seit Monaten wird darüber spekuliert, wie lange sich Ruppert Stadler noch an der Spitze von Audi wird halten können. Erst im Mai 2017 hatte der Audi-Aufsichtsrat Stadlers Vertrag bis zum Jahr 2022 verlängert.

Dies hat Stadler vor allem den beiden Eigentümerfamilien Porsche und Piech zu verdanken, die zumindest bislang eisern zu ihm gehalten haben. Klar ist aber auch, dass der Audi-Chef im Aufsichtsrat Gegner hat. Diese werfen ihm seit langem vor, seine eigene Rolle im Dieselskandal nicht klar benannt zu haben. Dazu kamen schon im vergangenen Jahr Berichte, Stadler habe seine Mitarbeiter angewiesen, gegenüber den amerikanischen Ermittlern nicht alles offenzulegen, was sie wüssten. Angesichts derartiger Meldungen wirken Stadlers Äußerungen für viele im Unternehmen wenig glaubwürdig.

Druck müsste von Porsche und Piech kommen

Die Stellungnahme aus der Konzernzentrale fiel heute denkbar knapp aus: "Wir kooperieren vollumfänglich mit der Staatsanwaltschaft München." Auf die Frage, ob denn eine außerordentliche Vorstands- oder Aufsichtsratssitzung zu erwarten sei, hieß es, davon sei zur Stunde nichts bekannt. Sollte es den Wunsch nach einem Gespräch mit Stadler geben, werde man dem selbstverständlich nachkommen. Weitergehend wolle und könne man sich zum jetzigen Zeitpunkt nicht äußern.

Unabhängig davon, welche Konsequenzen Ruppert Stadler persönlich aus der neuen Entwicklung zieht, darf man annehmen, dass die Zahl seiner Gegner im Aufsichtsrat eher noch wächst. Ein Rücktritt dürfte aus der Sicht vieler nun unvermeidlich sein. Doch ob es dazu kommt, ist alles andere als sicher. Audi-Insider reagieren zunehmend genervt auf Nachfragen, eben weil Stadler diesen entscheidenden Schritt bisher nicht gegangen ist. Hier müsse der Druck seitens der VW-Eigentümerfamilien kommen, der bisher "aus nicht nachvollziehbaren Gründen" ausgeblieben sei.

Versäumt, Versprechen zu halten

Auf die Frage, ob Stadler das Unternehmen denn - abgesehen von der Diesel-Affäre - gut führe, erntet man eisiges Schweigen, gefolgt von einem "natürlich nicht". So habe es der Audi-Chef versäumt, etwas an der Unternehmenskultur zu verändern, was er eigentlich versprochen habe. Diese Unternehmenskultur sei mit ursächlich dafür, dass die Informationen in der Diesel-Affäre eben nur scheibchenweise ans Licht kämen.

So Mancher im Aufsichtsrat hat den Kampf gegen Stadler auch schon aufgegeben. Das Unternehmen Audi muss schließlich weiterlaufen. Die Herausforderungen gerade im Bereich des Autonomen Fahrens und der Elektromobilität sind nicht eben gering. Der Diesel-Skandal droht dem Unternehmen Audi die Energie zu entziehen, die es im Kampf um seinen Platz in der automobilen Zukunft dringend benötigt.

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