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39 Opfer aus Lkw stammen aus China

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Nach Leichenfund in Essex - 39 Opfer aus Lkw stammen aus China

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Die britische Polizei hat bestätigt, dass die 39 Toten in einem Lastwagen-Anhänger offenbar aus China stammen. Vom Fahrer des Lastwagens erhoffen sie sich weiterhin Antworten.

Nach dem grausigen Fund von 39 Leichen in einem Lastwagenanhänger nahe London hat die britische Polizei bestätigt, dass die Toten offenbar aus China kommen. Doch viele Fragen sind für die Ermittler weiter offen.

25-Jähriger LKW-Fahrer wird verhört

Der 25-jährige Fahrer, ein Nordire, wurde wegen Mordverdachts festgenommen. Eine Anklage gibt es noch nicht. Unklar ist, ob der Lastwagen-Fahrer überhaupt wusste, dass die Menschen in dem Anhänger waren.

Nach Polizeiangaben war der Anhänger per Schiff vom belgischen Hafen Zeebrugge ins englische Purfleet transportiert worden und dort am frühen Mittwochmorgen angekommen. Purfleet ist nicht weit entfernt von jenem Ort im Industriegebiet der Stadt Grays, an dem der Container schließlich entdeckt wurde.

Karte: England und Wales - Grays - Holyhead
Quelle: ZDF

Bisherigen Ermittlungen zufolge wurde der Container eine halbe Stunde nach Mitternacht (Ortszeit) vom Schiff an Land verfrachtet und dort an die - offenbar aus Nordirland gekommene - Sattelzugmaschine gekoppelt. Das Gespann habe den Hafen dann kurz nach 1 Uhr verlassen. Sanitäter hätten die Polizei schließlich gegen 1:40 Uhr über den Leichenfund im Lastwagen informiert, hieß es. Wer die Rettungskräfte alarmiert hatte, ist nicht bekannt.

Lkw eines Unternehmens aus Nordirland - in Bulgarien gemeldet

Wir sind dabei, die Opfer zu identifizieren, doch ich rechne damit, dass dies ein langwieriger Prozess sein könnte
Andrew Mariner, Hauptkommissar

"Wir sind dabei, die Opfer zu identifizieren, doch ich rechne damit, dass dies ein langwieriger Prozess sein könnte", sagte Hauptkommissar Andrew Mariner von der Polizei in Essex. Weitere Details wie die Todesursache wurden nicht genannt. Demnach könnten die Menschen im Laderaum erfroren sein, da es sich bei dem großen Lkw-Sattelauflieger um einen Kühlcontainer handelte. Bei den noch nicht identifizierten Toten handelt es sich laut Polizei um 38 Erwachsene und einen Teenager, 31 Männer und acht Frauen.

Das bulgarische Außenministerium teilte mit, der Lastwagen sei in der bulgarischen Hafenstadt Warna registriert und gehöre einem Unternehmen im Besitz einer Frau aus Irland. Seit 2007 sei das Fahrzeug in der Stadt am Schwarzen Meer gemeldet, seitdem aber nicht mehr im Land gewesen. Nach Angaben eines bulgarischen Frachtverbandes ist dies aus Steuergründen nicht unüblich.

Die Übeltäter ausfindig zu machen und zur Rechenschaft zu ziehen ist das Beste, was wir in Gedenken an diese Opfer tun können.
Jackie Doyle-Price, Parlamentsabgeordnete

"39 Menschen in einen verschlossenen Metallcontainer zu pferchen zeigt eine Verachtung für menschliches Leben, die bösartig ist", sagte die britische Parlamentsabgeordnete Jackie Doyle-Price laut Nachrichtenagentur Press Association im Unterhaus. "Die Übeltäter ausfindig zu machen und zur Rechenschaft zu ziehen ist das Beste, was wir in Gedenken an diese Opfer tun können."

Der britische Premierminister Boris Johnson versprach per Twitter, das Innenministerium werde eng mit der Polizei von Essex zusammenarbeiten, um herauszufinden, "was genau passiert" sei. Er sagte dem Parlament, dass Schleuser strafrechtlich verfolgt würden. "Alle derartigen Menschenhändler sollten gejagt und zur Rechenschaft gezogen werden", sagte Johnson.

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Wohnungsdurchsuchungen und ein weiterer Lkw

Britischen Medienberichten zufolge wurden in der Nacht zum Donnerstag zwei Wohnungen in Nordirland durchsucht - dem Herkunftsland des Lastwagenfahrers. Von einem Zusammenhang mit dem Fall sei stark auszugehen, hieß es.

Nur Stunden nach dem Leichenfund in der Grafschaft Essex stoppte die Polizei laut Medienberichten im benachbarten Kent einen Lastwagen mit neun Migranten im Laderaum. Der Lkw war demnach auf der Autobahn Richtung London unterwegs, als die Polizei am Mittwochnachmittag alarmiert wurde. Ein Sprecher sagte dem Sender Sky News, die Menschen würden medizinisch untersucht und an die Einwanderungsbehörden überstellt.

Jedes Jahr werden Tausende von Migranten illegal nach Großbritannien gebracht, vor allem in Lastwagen oder mit Schiffen und Booten. Vor 19 Jahren fand die Polizei 58 tote Chinesen in einem Lastwagen-Anhänger im englischen Hafen von Dover am Ärmelkanal. Die Meeresenge ist einer der weltweit befahrensten Seewege.

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