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Fridays for Future - Klimaproteste in gut 500 deutschen Städten

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Vor der Klimakonferenz in Madrid wollen sich die Aktivisten von Fridays for Future noch einmal Gehör verschaffen. In rund 500 deutsche Städten gehen sie auf die Straße.

Drei Tage vor dem Start der Weltklimakonferenz in Madrid sind am Freitag erneut Abertausende Menschen in aller Welt für mehr Klimaschutz auf die Straße gegangen. In Berlin versammelten sich am Freitagmittag Tausende Menschen zu einer Kundgebung am Brandenburger Tor.

Über 500 Städte machen mit

Sie folgten einem Aufruf der Klimabewegung Fridays for Future und forderten von der Bundesregierung mehr Ehrgeiz im Kampf gegen die Erderhitzung. Angemeldet waren laut Polizei 50.000 Teilnehmer. Rund zwei Dutzend Jugendliche sprangen aus Protest in der Nähe des Bundestages gar in die Spree - bei Temperaturen von fünf Grad.

Insgesamt hat Fridays for Future Klimakundgebungen in mehr als 500 deutschen Städten angekündigt. In der Hamburger Innenstadt startete zu einer symbolischen Uhrzeit - um fünf nach zwölf - eine große Klima-Demo, bei der die Veranstalter mit 30.000 Teilnehmern rechnen. "Jugend auf die Barrikaden, weil wir sonst keine Zukunft haben", rappte der Musiker Courtier dazu.

Archiv: Ausgetrocknetes Rhein-Flussbett in Düsseldorf.

Bereits 1,5 Grad wärmer - Der Klimawandel ist in Deutschland angekommen 

Dürren, Hitzewellen und Starkregen: Ein Bericht der Bundesregierung zeigt, wie der Klimawandel Deutschland verändern könnte - und in welchen Bereichen er längst angekommen ist.

Kölner Bands wollen Aktion unterstützen

Auch in Nordrhein-Westfalen liefen die Demos am späten Vormittag an. Allein in Köln, wo zu einem Demo-Zug rund 20.000 Teilnehmer erwartet wurden, kamen bereits am Mittag mehrere Tausend Streikende zusammen. Dort wollten Kölsche Bands wie Brings oder Bläck Fööss die Aktionen unterstützen. Vor dem Düsseldorfer Landtag versammelten sich erste Hunderte -überwiegend junge- Leute.

In Freiburg zogen da bereits rund 8.500 Menschen durch die Innenstadt. Vor dem Hauptbahnhof in Stuttgart war in den Mittagsstunden eine zentrale Kundgebung geplant.

Vierter weltweiter Klimaprotest 2019

"Das politische Versagen ist dramatisch"
Luisa Neubauer, Fridays For Future

Nach den Großprotesten im März und Mai sowie der globalen Streikwoche im September starten die Aktivisten nun die vierte Auflage ihres weltweit koordinierten Protests. International sind nach Angaben von Fridays for Future über 2.400 Städte in 158 Ländern dabei. Die Sprecherin der deutschen Bewegung, Luisa Neubauer, nannte die Aktionen einen Ausruf der Entrüstung. "Das politische Versagen ist dramatisch", sagte sie der "Rhein-Neckar-Zeitung".

Für Deutschland fordert Fridays For Future unter anderem, unverzüglich alle Subventionen für fossile Energieträger wie Kohle, Öl und Gas zu streichen sowie ein Viertel der Kohlekraftwerke abzuschalten. Zudem müsse Deutschland bis 2035 auf eine komplett erneuerbare Energieversorgung umschwenken.

EU-Parlament ruft "Klimanotstand" aus

In der australischen Metropole Sydney, die wegen der sie umgebenden Waldbrände erneut unter einer dichten Rauchwolke hing, versammelten sich hunderte Schüler und Aktivisten vor der Parteizentrale der Regierungspartei. Die Demonstranten machten den Klimawandel für die schlimmen Waldbrände verantwortlich, die seit Wochen im Südosten Australiens wüteten. "Ihr verbrennt unsere Zukunft", stand auf einem Plakat. Die Proteste richteten sich vor allem gegen Premierminister Scott Morrison, der bestreitet, dass die Brände zu den Auswirkungen des Klimawandels in Australien gehören.

Das Thema Erderhitzung treibt derzeit auch die EU um. Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hat starke Anstrengungen gegen den Klimawandel versprochen. Und das EU-Parlament hatte am Donnerstag den "Klimanotstand" für Europa ausgerufen. Eine deutliche Mehrheit der Abgeordneten sprach sich dafür aus, als erster ganzer Kontinent überhaupt einen solchen Notstand zu erklären. Das soll nach Wunsch der Abgeordneten die Dringlichkeit des Themas zeigen - konkrete Folgen hat der Schritt aber vorerst nicht.

Greta Thunberg auf Katamaran

Dass die EU den Klimanotstand ausruft, ohne zu handeln, ist wie wenn die Feuerwehr im Einsatz nur noch 'Es brennt!' schreit, statt zu löschen.
Fridays for Future

Fridays for Future reichte das nicht. "Dass die EU den Klimanotstand ausruft, ohne zu handeln, ist wie wenn die Feuerwehr im Einsatz nur noch "Es brennt!" schreit, statt zu löschen", schrieb die Gruppe auf dem deutschen Twitter-Account. In Deutschland richtet sich ihre Kritik vor allem gegen das Klimapaket der Bundesregierung. "Mit business as usual und viel Pillepalle sind diese Maßnahmen nur eine weitere Folge in der Reihe des klimapolitischen Versagens der GroKo", erklärte das Netzwerk.

Die Klimaproteste gehen auf einen Protest der schwedischen Aktivistin Greta Thunberg zurück, die sich viele Menschen in aller Welt im Kampf gegen die Klimakrise zum Vorbild genommen haben. Thunberg selbst wird den Protesttag an einem ungewohnten Ort verbringen: Die 16-Jährige segelt gerade auf einem Katamaran über den Atlantik zurück, um an der am Montag beginnenden Weltklimakonferenz sowie an einem großen Protest in Madrid am kommenden Freitag teilnehmen zu können. Ob sie es zeitlich schafft, ist unklar. Bis zum Donnerstag hatte sie etwas mehr als zwei Drittel der Strecke geschafft.

Thunberg warb am Donnerstag via Twitter für den Protesttag: "Im September sind 7,5 Millionen Menschen rund um den Globus auf die Straße gegangen. Morgen machen wir das nochmal." Jeder werde gebraucht, jeder sei willkommen.

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Schon jetzt hat sich die Erde nach Befunden des Weltklimarats IPCC um ein Grad aufgeheizt im Vergleich zur vorindustriellen Zeit. Zu den fatalen Folge zählen mehr extreme Wetterereignisse, also je nach Region mehr Hitzewellen, Dürren und Waldbrände; aber auch verheerende Stürme, Überschwemmungen und Starkregen.

Warnung vor Klimakatastrophe

Zwei aktuelle Untersuchungen weisen dringend auf ein entschiedeneren Vorgehens gegen die drohende Klimakatastrophe hin. So warnte das UN-Umweltprogramm Unep am Dienstag, alle Länder müssten ihre Anstrengungen im Kampf gegen den Klimawandel immens verstärken, wenn sie gemeinschaftlich das 1,5-Grad-Ziel erreichen wollten. Wenn die Weltbevölkerung so weiterlebe wie derzeit, drohe die Temperatur bis 2100 um 3,4 bis 3,9 statt wie angestrebt um nur 1,5 Grad gegenüber dem vorindustriellen Niveau zu steigen.

Ein neuer Monitoringbericht der Bundesregierung zeigte zudem, dass die Folgen der Erwärmung auch in Deutschland spürbarer werden und sich immer besser belegen lassen. Demnach hat sich die mittlere Lufttemperatur hierzulande von 1881 bis 2018 um 1,5 Grad erhöht. Dadurch kommt es unter anderem zu mehr Gesundheitsrisiken durch die Hitzebelastung, einem Anstieg der mittleren Oberflächentemperatur der Nordsee sowie zu stärkeren Ertragsschwankungen in der Landwirtschaft.

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