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Erntebilanz in Deutschland - Bauernverband: Für manche geht es "an die Existenz"

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Trockenheit und Hitze machen vielen Bauern in Deutschland wieder schwer zu schaffen. Die Getreideernte ist niedriger ausgefallen - mit erheblichen regionalen Unterschieden.

Dürre, Starkregen, Hitze: Die deutschen Bauern klagen wegen schwieriger Witterungsverhältnisse über Ernteausfälle. Wenn man das Dürrejahr 2018 außer Acht lasse, sei die Getreideernte in diesem Jahr um rund sechs Prozent niedriger ausgefallen als im Schnitt der Jahre 2013 bis 2017, teilte der Deutsche Bauernverband in Berlin mit. Der Bauernverband nannte eine Menge von 45 Millionen Tonnen.

50 Prozent weniger Getreide als im Durchschnitt

Wir können nicht von Entwarnung sprechen.
Joachim Rukwied, Präsident des DBV

"Wir können nicht von Entwarnung sprechen", sagte der Präsident des Deutschen Bauernverbands (DBV), Joachim Rukwied, im "Morgenmagazin" von ARD und ZDF zur diesjährigen Erntebilanz. In manchen Regionen, in denen es schon im vergangenen Jahr sehr trocken gewesen sei, seien erneut 50 Prozent weniger als im Durchschnitt gedroschen worden. Erschwerend komme dort für die tierhaltenden Betriebe das geringe Grundfutteraufkommen hinzu. Teilweise gehe es für die Bauern "jetzt an die Existenz".

"Die Klimaveränderungen spüren wir", sagte Verbandspräsident Joachim Rukwied. "Das ist eine zunehmende Herausforderung." Besonders in Mittel- und Ostdeutschland sowie in Teilen des Nordens habe es erneut zu wenig Niederschläge gegeben. Hier seien die Ernteerträge besonders schlecht gewesen, während es etwa in Bayern und Baden-Württemberg durchschnittliche Ergebnisse gegeben habe.

Hitze- und trockenheitsresistente Sorten

Verbandspräsident Rukwied verwies im Moma von ARD und ZDF auf Gegenmaßnahmen der Bauern angesichts der zunehmenden Trockenheit. So würden etwa verstärkt hitze- und trockenheitsresistente Sorten eingesetzt. "Doch am Ende, wenn es über Wochen nicht regnet, hilft das alles nichts", sagte Rukwied.

Strategien zur Anpassung der Landwirtschaft an den Klimawandel

Der Raps habe "enttäuscht" und sei "mittlerweile unser Sorgenkind", sagte Rukwied weiter. Für die Fruchtfolge sei der Rapsanbau allerdings enorm wichtig. Für die bevorstehende Rapsaussaat sei baldiger Regen dringend nötig.

Auch der Obst- und Gemüseanbau ist den Angaben nach angesichts von Extremniederschlägen, vielen Hitzetagen und Trockenheit schwierig. Je nach Sorte fielen die Ernteergebnisse allerdings unterschiedlich aus. Bei Erdbeeren etwa gab es einen Rückgang, bei Äpfeln wird nach der Rekordernte des vergangenen Jahres ebenfalls ein Minus erwartet, während bei Süßkirschen ein Anstieg vorausgesagt wird.

Prof. Frank Ewert, Leibniz Zentrum für Agrarlandforschung (ZALF)

Für den Wein sagte Rukwied erneut eine "sehr gute Qualität" voraus, wenngleich die Erntemenge nicht an die Rekordzahlen des vergangenen Jahres heranreichen werde.

Zu schaffen machen den Bauern aber nicht nur Klimaveränderungen, sondern auch Personalengpässe. Der Verband appellierte deshalb an die Politik, wirksame Abkommen für die Beschäftigung von Saisonarbeitskräften mit nicht zur EU gehörenden Ländern abzuschließen.

Hilfe von der Politik gefordert

Das Witterungsrisiko, das immer größer wird, liegt beim Landwirt.
Joachim Rukwied, Präsident des DBV

Rukwied forderte Hilfe von der Politik. "Das Witterungsrisiko, das immer größer wird, liegt beim Landwirt", sagte er. Doch durch eine steuerliche Förderung sowie Anschubkapital für den Aufbau einer Versicherung könne geholfen werden, damit sich Bauern gegen solche Risiken absichern könnten.

Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter hat Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) aufgefordert, eine umfassende Ackerbaustrategie vorzulegen. Viele Bauern stünden das zweite Jahr in Folge vor einer existenzbedrohenden Situation, während Klöckner "mit leeren Händen dasteht", sagte Hofreiter der "Neuen Osnabrücker Zeitung".

Spätestens nach dem Dürresommer des vergangenen Jahres "hätte das Landwirtschaftsministerium alle Register ziehen müssen, um schnell einen Plan für einen zukunftsfähigen, klimarobusten Ackerbau vorzulegen".

Die Süßwarenindustrie warnte kürzlich, angesichts der erwarteten schlechten Kartoffelernte könnten die Preise für Chips steigen. Hofreiter forderte vor diesem Hintergrund auch mehr Vielfalt auf dem Acker statt Mais- und Weizenmonotonie. "Die Milliardengelder, die in die Landwirtschaft fließen, müssen endlich zum Aufbau einer klimagerechten und stabilen Landwirtschaft genutzt werden", sagte er der "NOZ".

Die Dokumentation von planet e. "Bauern im Hitzestress"

Hitzesommer, Hagel, Schädlinge. Der Klimawandel stellt Deutschlands Bauern vor gewaltige Probleme. Um zu überleben, müssen sie sich anpassen. Doch mit welchen Strategien kann das klappen?

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28 min
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