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Amtsinhaber liegt offiziell vorn - Erste Ausschreitungen nach Wahl in Kenia

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In Kenia ist ein Streit über das Ergebnis der Präsidentenwahl entbrannt: Nach Auszählung von gut 90 Prozent der Stimmen liegt der amtierende Präsident Uhuru Kenyatta überraschend deutlich vorn. Sein Herausforderer Raila Odinga spricht von Wahlbetrug. Es kam zu ersten Ausschreitungen.

In Kenia wächst nach der Präsidentschaftswahl die Angst vor Gewalt. Nach ersten Ergebnissen hätte Präsident Kenyatta gewonnen, sein Herausforderer Odinga aber wirft seinem Konkurrenten Wahlbetrug vor.

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Laut Wahlkommission kommt Kenyatta auf 54,5 Prozent, sein Herausforderer Odinga auf 44,6 Prozent. Der Oppositionsführer bezweifelt das Ergebnis jedoch: "Diese Ergebnisse sind eine Fälschung, das ist Betrug", erklärte er - und beklagte massive Manipulationen durch einen Hackerangriff auf den Wahlcomputer. Odinga legte eigene Berechnungen vor, wonach er mit einer Million Stimmen in Führung liegt.

Technik-Chef der Wahlkommission ermordet

In der Oppositionshochburg Kisumu im Westen des Landes gab es erste Zusammenstöße. Die Polizei setzte Tränengas gegen etwa 100 Demonstranten ein, die skandiert hatten: "Ohne Odinga keinen Frieden!"

Odinga äußerte die Vermutung, Hacker hätten Nutzerkennung und Passwörter des ermordeten Technik-Chefs der Wahlkommission, Chris Msando, benutzt. Msando war vor einer Woche ermordet und mit Folterspuren aufgefunden worden. Der Leiter der Wahlkommission, Wafula Chebukati, erwiderte, er vertraue dem System. Die Vorwürfe würden aber überprüft.

Odinga warf der Wahlkommission vor, keine Nachweise für die veröffentlichten Auszählungsergebnisse vorzulegen. Er forderte unter anderem Sitzungsprotokolle aus den Wahllokalen, die die digital übertragenen Ergebnisse untermauern. Kenyattas Partei Jubilee wies die Betrugsvorwürfe zurück. Er habe von Odingas Partei Nasa "nichts anderes erwartet", sagte Jubilee-Generalsekretär Raphael Tunju.

Technische Probleme in einigen Wahlzentren

Der Streit schürt die Angst vor neuer Gewalt. Nach der vorletzten Präsidentenwahl war es 2007/2008 zu schweren Ausschreitungen gekommen. Mehr als 1.000 Menschen wurden damals getötet, Hunderttausende vertrieben.

Millionen Kenianer hatten am Dienstag trotz der befürchteten Unruhen ihre Stimme abgegeben. Neben dem Präsidenten und dem Parlament wurden auch Gouverneure, Senatoren und Frauenvertreterinnen neu gewählt. Zehntausende Sicherheitskräfte waren im Einsatz; größere Zwischenfälle blieben aus.

In einigen Wahlzentren gab es nach Angaben der Wahlkommission allerdings einige technische Probleme. Für Unmut sorgten auch lange Wartezeiten. Von zentraler Bedeutung ist für viele Beobachter die Funktionsfähigkeit des Wahlsystems, das eine biometrische Erkennung der Wähler und eine digitale Übertragung der Stimmen vorsieht. Vor vier Jahren war das System zusammengebrochen und hatte für Manipulationsvorwürfe gesorgt.

Odinga verlangt Nachweise

Der 55-jährige Kenyatta und Ex-Regierungschef Odinga sind seit langem verfeindet. Odinga beschuldigte den Präsidenten schon vor der Abstimmung, das Wahlergebnis fälschen zu wollen. Der 72-jährige Gegenkandidat, der zum vierten Mal antritt, hatte schon bei vorherigen Wahlen den Sieg für sich reklamiert.

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