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Erste CDU-Regionalkonferenz - Drei plus x: Rennen um CDU-Vorsitz wird ernst

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Übereinander geredet wird viel, nun folgt der direkte Vergleich: Ab heute stellen sich die Kandidaten für den CDU-Vorsitz auf Konferenzen vor. Drei sind es. Mindestens - oder mehr.

Annegret Kramp-Karrenbauer, Friedrich Merz, Jens Spahn - diese drei wollen unbedingt Angela Merkel nachfolgen. Beim Parteitag der CDU Anfang Dezember in Hamburg gibt sie den Parteivorsitz nach 18 Jahren ab, wie sie es vor knapp drei Wochen angekündigt hatte. Bislang erfüllen nur diese drei Kandidaten die formalen Kriterien, die der CDU-Bundesvorstand für die Bewerber festlegte: Sie sind Mitglied in der Partei und wurden von einer Organisation der Partei vorgeschlagen. Bei Kramp-Karrenbauer war das der Landesverband Saarland, bei Merz der Kreisverband Hochsauerland, bei Spahn der Kreisverband Borken.

Weitere Bewerber würden gerne Merkel ablösen und sich auf den heute Abend in Lübeck beginnenden acht Regionalkonferenzen den Parteimitgliedern vorstellen. Aber sie dürfen nicht.

"Chancen ganz erheblich reduziert"

Denn reden darf bei den Konferenzen nur, wer offiziell nominiert wurde. Und das scheitert bislang bei den unbekannteren Bewerbern meistens daran, dass sie so schnell keine Parteigliederungen für sich gewinnen können. Außerdem haben die meisten ihren Hut in den Ring geworfen, bevor die Kriterien bekannt wurden.

Bei den Regionalkonferenzen, sagt Friedhelm Kölsch, wäre es möglich gewesen, "dass sich Kreisverbände, Landesverbände oder Vorstände entschließen, weitere Voten für Kandidaten abzugeben". Der 61-Jährige, der sich in Essen schon einmal als Oberbürgermeister zur Wahl gestellt hatte und sich nun mit Ideen für die Senkung der Arbeitslosigkeit um den CDU-Vorsitz bewirbt, empfindet es als "unfair", dass nun allen anderen Kandidaten außen vor sind und ihre Chancen "ganz erheblich reduziert" wurden.

Jan-Philipp Knoop, 26-jähriger Student aus Berlin, versucht per einstweiliger Verfügung, eine Teilnahme juristisch zu erreichen. Nächste Woche, wenn die Versammlungen in Mainz, Seebach (Thüringen) und Halle/Saale stattfinden, will er dabei sein. Sein Argument: Die Wahl des Bundesvorsitzenden sei in Satzung oder Geschäftsordnung der Partei nicht explizit geregelt, auch nicht, dass Regionalkonferenzen dazwischen geschaltet werden. Es werde aus dem generellen Antragsrecht der Gliederungen auf dem Bundesparteitag das Vorschlagsrecht für den Vorsitz begründet. "Das ist ein bisschen dünn", sagt Knoop, der AfD-Wähler zur CDU zurückholen möchte. Er selbst hat sich mit seinem Kreisverband zerstritten, "die Messe mit der CDU Berlin ist gelesen". Seine Bemühungen, bundesweit einen anderen zu finden, waren mühsam - und erfolglos.

"Wieder Leben und Sauerstoff"

Andere der ursprünglich mal zwölf Bewerber haben inzwischen aufgegeben. Nicht nur wegen des Prozederes. Der Bonner Völkerrechter Matthias Herdegen zog seine Kandidatur aus inhaltlichen Gründen zurück. Inzwischen würden die Themen, die seiner Meinung nach Gesellschaft und Partei umtreiben, von den Kandidaten aufgenommen: die Wirtschafts- und Sozialpolitik von Merz, die Folgen der Migration von Spahn. Außerdem sei durch die Vielzahl der Bewerber seine "Mission" erfüllt: In der Union sei wieder "Leben und Sauerstoff". Er hoffe nun, "dass sich an den personellen Aufbruch auch ein inhaltlicher knüpft, damit die Erneuerung nachhaltig ist", sagt Herdegen. Ob sich seine Hoffnung erfüllt, will er weiter verfolgen.

Es würde der Partei gut tun, die Diskussion auf eine breitere Basis zu stellen. Auch mit Kandidaten außerhalb des Raumschiffs Berlin.
Andreas Ritzenhoff, CDU-Mitglied

Auch der Unternehmer Andreas Ritzenhoff befürchtet, dass die CDU die Chance zu einem echten Neuaufbruch verpasst. Sein Marburger Kreisverband wollte ihn bisher nicht nominieren, weil man das als Wahlempfehlung verstehen könnte. Ritzenhoff würde gern auf den Regionalkonferenzen seine Themen und Ideen den Parteimitgliedern vorstellen. "Es würde der Partei gut tun, die Diskussion auf eine breitere Basis zu stellen. Auch mit Kandidaten außerhalb des Raumschiffs Berlin." Nun gehe es wieder viel um die Personen. "Wir müssen inhaltlich diskutieren und wohin die politische Reise geht", sagt der Unternehmer. Die Zukunft des Landes sei doch wichtiger als die Befindlichkeiten einzelner Personen.

Hintertür bleibt bis Hamburg offen

Eine Möglichkeit bleibt den potenziellen Bewerbern um die Merkel-Nachfolge noch: Sie können von einem antragsberechtigten Delegierten direkt beim Bundesparteitag in Hamburg vorgeschlagen werden. Darauf setzt zum Beispiel der Essener Kölsch. "Solange möchte ich eigentlich meine Kandidatur aufrechterhalten und schauen, ob sich noch etwas machen lässt." Auch andere haben das im Hinterkopf. Ob sie es tatsächlich tun und wie viele Kandidaten noch zu den drei gesetzten kommen? Offen.

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