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Erste Domschweizerinnen in Köln - "Kleiner Schritt Richtung Gleichberechtigung"

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Der Kölner Dom wird weiblicher. Das bislang Männern vorbehaltene Amt des Domschweizers wird nun auch von Frauen ausgeübt. Eine Männer-Bastion ist damit gefallen.

Kölner Dom: Domschweizerinnen
Kölner Dom: Domschweizerinnen
Quelle: epd

Ohne sie liefe im Kölner Dom nichts: die Domschweizer. In ihrer typischen roten Robe mit schwarzem Samt sorgen sie in der Kathedrale für Ordnung, beantworten Besucherfragen und leisten Dienste rund um die Gottesdienste. Bislang waren alle männlich. Das ändert sich nun. Erstmals übernehmen vier Frauen dieses Amt. Sie sind damit die ersten Domschweizerinnen Deutschlands.

Ein Lebenstraum geht in Erfüllung

Die Herren zeigen sich mit der Änderung sehr zufrieden. "Wir freuen uns sehr über die weibliche Verstärkung unseres Teams", sagte Marco Felgenheuer, einer der Schichtführer der Domschweizer. Zusammen mit seinen Kollegen lernt er die weiblichen Kolleginnen an. Die erfahrenen Kräfte begleiten die neuen Mitarbeiterinnen, die überdies Kurse für Erste Hilfe, Deeskalation oder Brandschutz besuchen. Ihr Aufgabenbereich unterscheidet sich nicht von dem ihrer männlichen Kollegen: den Dom auf- und abschließen, die Glocken zu läuten, die Schriftenstände aufzufüllen und abgebrannte Kerzen zu entsorgen. Für die neuen Stellen wurde bereits vor einem Jahr eine Anzeige geschaltet, die aber zunächst unbeachtet blieb. Anfang Februar wies das Domkapitel öffentlichkeitswirksam darauf hin, dass sich auch weibliche Kräfte für das Team bewerben können.

Mit Ende ihrer Ausbildung tragen die Domschweizerinnen nun ebenfalls die roten Roben - lediglich ein neues Umkleidezimmer hat es dafür gebraucht. Die Talare sind die gleichen wie bei den Männern. Hedi Michels hat sich für ihren neuen Beruf eigens eine neue Brille gekauft - mit rotem Rand, passend zum Dienst-Outfit.

Für die 58-Jährige geht nun ein Lebenstraum in Erfüllung. Denn in Hedis Kindheit konnten Mädchen weder Messdienerin noch Sternsingerin werden. "Mein Bruder war das alles - und ich nicht", erinnert sie sich. Das habe sie traurig gemacht. Immerhin ist sie seit 30 Jahren Kommunionhelferin. Das neue Amt erfüllt sie aber mit besonderer Freude. Stolz und glücklich sei sie, erklärt sie und atmet ganz tief durch, so als könne sie immer noch nicht ganz fassen, in roter Robe im Kölner Dom zu stehen. "Hier bin ich zuhause, hier bin ich angekommen und es ist herrlich", schwärmt sie.

Bereits Michels Urgroßvater war Kirchenschweizer, allerdings nicht im Dom, sondern in Oberhausen. In seine Fußstapfen tritt Michels nun. Und sie fühlt sich gut vorbereitet: Seit 40 Jahren arbeitet sie als Krankenschwester, dadurch sei sie es gewohnt, "sensibel und hellhörig für Anliegen und Bedürfnisse zu sein".

"Überzeugt, dass dieser Schritt richtig und wichtig ist"

Auch für die drei anderen ist der neue Beruf mehr als nur ein Job. Claudia Drolshagen bezeichnet die Kathedrale als Fixpunkt und Ruheoase. "Ich freue mich, dass es mir meine neue Aufgabe ermöglicht, Teil des Doms zu sein und Menschen aus aller Welt darin zu begrüßen", meint die 55-Jährige. Ähnlich sieht das auch ihre 20 Jahre jüngere Kollegin Andrea Petzenhauser. "Vor allem ist es mir eine Ehre, als eine der ersten Frauen Teil dieser alten Tradition am Dom zu sein", sagt die gebürtige Bayerin. Der Dom sei für sie das Symbol ihrer neuen Heimat.

Archiv: Wachsoldat der Schweizer Garde am 27.10.2010 am Petersdom im Vatikan
Wachsoldat der Schweizer Garde am Petersdom im Vatikan (Archiv)
Quelle: imago

Dieses Gefühl des Willkommen-Seins sollen die Frauen den Besuchern vermitteln. Dompropst Gerd Bachner möchte, dass das gotische Gotteshaus als Ort der Zuwendung wahrgenommen wird. Die Frauen seien eine Bereicherung. Er sei - wie auch der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki - "überzeugt, dass dieser Schritt richtig und wichtig ist".

Die Vorstellung der Domschweizerinnen hänge aber nicht mit der Protestaktion "Maria 2.0" zusammen, die derzeit bundesweit für mehr Mitspracherechte von Frauen in der Kirche demonstrieren. Die Frage des Frauenpriestertums werde ohnehin in Rom entschieden.

Susanne Rückes, die vierte Domschweizerin, findet, dass der Dienst "ein kleiner Schritt in Richtung Gleichberechtigung" ist. Mit ihr besteht das Team aus 30 Personen. Ihre drei anderen Kolleginnen haben bereits erste Einsätze hinter sich - wenn auch bislang inkognito ohne rote Robe. Rückes hat ihre Premiere noch vor sich. Für sie geht der Weg "weg vom Schreibtisch" im Sekretariat des Kölner Caritasverbandes "hin zu den Menschen". Und darauf freuen sie sich alle vier: Auf Gespräche mit den Besuchern über ihren Dom.

Die Aufgaben der Kirchenschweizer

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