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Koschere Kamelle - Erster jüdischer Mottowagen im Karneval

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Ob Moslem, Jude oder Christ - an Karneval feiern alle gemeinsam. Zum ersten Mal ist die jüdische Gemeinde Düsseldorf mit einem eigenen Wagen im Rosenmontagszug vertreten.

Erster Mottowagen der jüdischen Gemeinde Düsseldorf
Erster Mottowagen der jüdischen Gemeinde Düsseldorf Quelle: dpa

Ein übergroßer Heinrich Heine mit Kippa und Gebetsschal und die Aufschrift „Wir feiern den größten jüdischen Sohn unserer Stadt“ – so sieht der Mottowagen der Jüdischen Gemeinde Düsseldorf am Rosenmontagszug aus. Es ist das erste Mal, dass sich eine jüdische Gemeinde aktiv am Karnevalsumzug beteiligt.

"Wir gehören dazu"

"Wir wollen ein Zeichen setzen", sagt Michael Szentai-Heise, Verwaltungsleiter der Jüdischen Gemeinde Düsseldorf. In Zeiten von wieder stark wachsendem Antisemitismus wolle man zeigen: "Wir sind Teil der Düsseldorfer Stadtgesellschaft, wir gehören dazu." Und zugleich Heine feiern, den spöttischsten Sohn der Stadt – mit Humor gegen Antisemitismus, sozusagen. Dabei ist das Wagenmotiv nicht unumstritten: Heine war vom Judentum zum Protestantismus konvertiert, weil er sich als Protestant bessere Berufschancen erhoffte.

Ein jüdischer Mottowagen, das ist neu und angesichts der Geschichte auch nicht grade naheliegend - die Nazis hatten die Karnevalsumzüge für antisemitische Hetze genutzt. Die Idee zur Teilnahme kam Michael Szentai-Heise im vergangenen Jahr spontan, als er beim Rosenmontagszug einen Wagen zum 500. Luther-Jubiläum entdeckte und sich fragte: "Wenn Protestanten mitfahren können, warum nicht auch wir?" Also bat er den bekannten Düsseldorfer Wagenbauer Jacques Tilly um einen Entwurf und machte sich daran, die mehr als 35.000 Euro für das närrische Projekt aufzutreiben. Mit einem Facebook-Spendenaufruf und Versteigerung von Plätzen auf dem Wagen ist mehr als die Hälfte des Geldes zusammen gekommen: "Entgegen sonstiger Vorurteile machen wir aber kein Geschäftsmodell draus", kommentiert Szentai-Heise, ein Freund des rabenschwarzen Humors, die erfolgreiche Sammlung.

Kostüme aus der Oper, ein Muslim und viele koschere Kamelle

Neben dem Wagen kosten auch die Wurfmaterialien: Taschentücher mit dem Logo der Gemeinde und Kamelle – die sind dann eben koscher, ohne tierische Bestandteile und Gelatine. Auf dem Wagen ist Platz für 25 Narren, das sind nicht nur Mitglieder der Jüdischen Gemeinde Düsseldorf: Neben dem stellvertretenden Ministerpräsidenten Joachim Stamp wird auch ein Vertreter der Muslime mitfahren. Allen gemeinsam ist die Verkleidung im Heine-Stil, die Düsseldorfer Oper hat mit Kostüme im Stil des beginnenden 19. Jahrhunderts zur Verfügung gestellt.

Für den besonderen Mottowagen werde es auch „besondere Sicherheitsvorkehrungen“ geben, sagt Szentai-Heise. Er hoffe aber, dass das niemand bemerke – der Wagen werde jedenfalls nicht anders aussehen als die anderen sechzig Wagen. Und wie bei allen Wagen sind auch die Tage des Motto-Wagens der Jüdischen Gemeinde gezählt: Am Aschermittwoch wird der Pappmaschee-Heine abgerissen.

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