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Erster Angeklagter vor Gericht - Missbrauchsfall von Staufen

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Der Fall sorgte für Schlagzeilen: Ein Neunjähriger wird von mehreren Männern missbraucht. Seine Mutter und ihr Lebensgefährte hatten das Kind im Darknet zum Sex angeboten.

Es ist ein Verbrechen, das schwer in Worte zu fassen ist: Eine Mutter missbraucht ihr eigenes Kind. Sie lässt auch die Vergewaltigung durch den Lebensgefährten zu. Gemeinsam verkaufen sie den Jungen im sogenannten Darknet an Männer mit pädophilen Neigungen und kassieren dafür Zehntausende von Euro. Die ermittelnde Staatsanwaltschaft Freiburg geht von einer Vielzahl von Straftaten aus, acht Beschuldige sitzen in Haft, heute beginnt der erste Prozess gegen einen Verdächtigen.

Einige Täter sind einschlägig vorbestraft

Das öffentliche Interesse ist riesig. Auch deshalb wird der Prozess vor dem Landgericht Freiburg unter erhöhten Sicherheitsvorkehrungen stattfinden. Angeklagt ist Markus K., ein 41-jähriger Deutscher aus dem Ortenau-Kreis: kein Unbekannter. Dem Gericht zufolge stand er wegen eines früheren Falls von Kindesmissbrauch unter sogenannter gerichtlicher Führungsaufsicht. Verhindert hat das das neue Verbrechen nicht. Markus K. ist der erste von acht Angeklagten, die in den nächsten Monaten vor Gericht stehen. Alle sitzen in Untersuchungshaft, zwei von ihnen sollen für den Missbrauch aus der Schweiz und Spanien angereist sein.

Auch Christian L., der Lebensgefährte der Mutter, ist einschlägig vorbestraft. 2010 war er zu einer mehrjährigen Freiheitsstrafe verurteilt worden, weil er ein 13-jähriges Mädchen missbraucht hatte. Auf seinem Computer fanden die Ermittler damals hunderte von Foto- und Videodateien. L. war geständig und bekam nach seiner Entlassung die Auflage, sich von Kindern und Jugendlichen fernzuhalten.

Mutter war mit der Erziehung überfordert

2015 aber trifft er auf Berrin T. eine heute 47-jährige, alleinerziehende Mutter. Die Frau wird bei der Erziehung ihres heute neunjährigen Sohnes vom Jugendamt begleitet. Christian L. stellt den Antrag, zu seiner Freundin und ihrem Kind zu ziehen. Das Gericht lehnt das ab, doch der heute 39-Jährige hält sich nicht daran. Das Amtsgericht Staufen verurteilt ihn zu vier Monaten Haft, Christian L. legt Berufung ein, das Urteil wird nicht rechtskräftig. Für den Sohn von Berrin T. hat das schreckliche Konsequenzen.

Im März 2017 nimmt das Jugendamt Breisgau-Hochschwarzwald den Jungen zunächst in Obhut. Doch die Mutter wehrt sich und bekommt vor Gericht teilweise Recht. Oft, so Heinz Kindler, Psychologe am Deutschen Jugendinstitut in München, seien Kommunikationsprobleme Grund für solche Entscheidungen. Jugendämter seien auf die Entscheidungen von Gerichten angewiesen, die aber bräuchten einen konkreten Verdacht, ehe sie Kinder aus einer Familie holen, so Kindler gegenüber dem ZDF. Aber: Die Jugendämter hätten auch eine große Hemmschwelle, Kinder direkt auf den Missbrauch anzusprechen. Auch in diesem Fall war der Junge nicht gehört worden. Er befindet sich inzwischen in staatlicher Obhut und unter Fürsorge des Jugendamtes.

Täterinnen oft schwer abhängige Persönlichkeiten

Wie aber kann es sein, dass sogar die eigene Mutter ihr Kind vergewaltigt und den Missbrauch durch andere in Kauf nimmt, ja sogar dafür Geld kassiert? Es sei nicht ausgeschlossen, dass Berrin T. auch liebevolle Seiten habe, so der Psychologe. Bei Müttern als Täterinnen handele es sich manchmal um schwer abhängige Persönlichkeiten - und zwar abhängig vom eigenen Lebenspartner. Ihm wollen sie alles recht machen, ihm alle Wünsche erfüllen, bis hin zur Vergewaltigung des eigenen Kindes.  

Berrin T. und Christian L., ihr Lebensgefährte, sind die Hauptangeklagten. Der Prozess gegen sie beginnt vermutlich am 11. Juni auch vor dem Landgericht Freiburg. Das Jugendamt Breisgau-Hochschwarzwald und die Justiz stehen in dem Fall in der Kritik. Warum der Junge trotz Warnungen der Polizei nicht aus der Familie genommen wurde, die Auflagen nicht kontrolliert wurden und die Vergewaltigungsserie weiterging – Jugendamt und Gerichte schieben sich dafür gegenseitig die Verantwortung zu.

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