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Russische Atomkraft - Erstes schwimmendes AKW geht auf die Reise

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Russland investiert in Atomenergie - auch auf See. Mit der "Akademik Lomonossow" soll das erste schwimmende AKW der Welt an den Start gehen. Heute tritt es seine weite Reise an.

Rot und rund ist der Notausschaltknopf. Wie sich das eben gehöre, meint Dmitri Aleksejenko. Der Ingenieur führt am Tag vor dem Stapellauf den Pressetross über das erste schwimmende Atomkraftwerk der Welt. Die Sicherheitsvorkehrungen im Hafen von Murmansk sind hoch - gleichzeitig soll alles den Eindruck vermitteln, die "Akademik Lomonossow" sei eine sichere Angelegenheit.

Zwei Reaktoren hat das Schiff an Bord. Sobald es seinen Bestimmungsort im fernen Osten Russlands erreicht hat, soll es den 5.000-Einwohner-Ort Pewek mit Strom versorgen.

Karte: Pewek, Russland
Von Murmansk nach Pewek reist die "Akademik Lomonossow".
Quelle: ZDF

Russland hält an Atomkraft fest

Doch die "Akademik Lomonossow" dient noch anderen Zielen. Sie soll beweisen, dass Atomkraft noch eine Zukunft hat. Anders als andere Länder ist Russland weit davon entfernt, ihr den Rücken zu kehren. Präsident Wladimir Putin verglich erst kürzlich den Wunsch nach einem Atomausstieg mit dem Begehren, "sich wieder Felle überzustreifen und in Höhlen zu hausen". Gleichzeitig warnte der russische Präsident vor alternativen Energieformen.

Jeder wisse, dass Energieerzeugung durch Wind gut sei, aber an die Vögel denke man dabei nicht. "Wie viele Vögel sterben in den Windrädern? Sie vibrieren so stark, dass die Würmer aus dem Boden vertrieben werden", sagt Putin. "Das ist kein Witz, das sind die schwerwiegenden Folgen der Verwendung dieser modernen Möglichkeiten der Energieerzeugung. Ich sage nicht, dass dies nicht weiterentwickelt werden sollte, aber wir sollten die damit verbundenen Probleme nicht vergessen."

Warnung von Umweltschützern 

Technologien, bei denen Russland auf dem Weltmarkt mithalten kann, gibt es derzeit nicht viele, die Kernenergie jedoch gehört dazu. In der Türkei, Weißrussland, Ägypten, Indien und in einigen weiteren Ländern baut der staatliche Konzern Rosatom Kernkraftwerke.

Die "Akademik Lomonossow" soll der nächste Exportschlager werden. Schwimmende AKWs seien geeignet, Länder mit viel Küste, aber wenigen Ressourcen mit Energie zu versorgen, werben die Konstrukteure. Umweltschützer befürchten ein schwimmendes Tschernobyl. "Es soll nach Südostasien oder nach Afrika verkauft werden", führt Konstantin Fomin von Greenpeace aus. "Dort ist die Gefahr für Tsunamis oder Erdbeben sehr hoch. Das schwimmende Kraftwerk hat keinen eigenen Antrieb. Wenn es sich von dem Schlepper löst, wird es nicht imstande sein, sich selbst zu helfen."

Unklarheit über Explosion auf Militärgelände

In den Tagen vor dem Stapellauf des schwimmenden Kraftwerks machte Atomenergie in Russland auf ganz andere Weise von sich reden. Am 8. August kam es auf dem nordwestrussischen Njonoksa-Militärgelände zu einer Explosion. Radioaktivität wurde freigesetzt. Was genau passiert ist, liegt bis heute im Dunkeln. Dass die Messstationen für Radioaktivität in den Tagen nach dem Unfall zeitweise keine Daten lieferten, schürte Unsicherheit und Spekulationen.

Die "Akademik Lomonossow" sei auf Tsunami-Sicherheit getestet und so konstruiert, dass sie extremen Temperaturen, Piratenangriffen und abstürzenden Hubschraubern standhalten könne, sagt Dmitri Aleksejenko. Und führt den Pressetross dann in die bordeigene Sauna, in den Fitnessbereich und zurück in den Konferenzraum. Alles ganz harmlos, an Bord des ersten schwimmenden Atomkraftwerks der Welt, soll das wohl zeigen.

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