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Erstes Serienfestival - Auf dem pinken Teppich in Cannes

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Serien werden immer beliebter. Passend dazu startet in Cannes jetzt das erste Serienfestival, das die besten Produktionen kürt. Aus Deutschland dabei ist "Die Protokollantin".

Viele Hollywoodstars spielen mittlerweile gerne in Fernsehserien mit. Kein Wunder, denn das Genre boomt und bekommt jetzt sogar sein eigenes Festival in Cannes.

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Paula Beer fühlt sich sichtlich wohl in Cannes - nachmittags am Strand, in pinker Hose und schlichtem weißen T-Shirt, abends im schwarzen Abendkleid auf dem Teppich vor dem Festivalpalast. Der ist ausnahmsweise mal genau so pink wie die Hose der Schauspielerin. Es ist nämlich nicht das berühmte Filmfestival, sondern das erste TV-Serienfestival, das jetzt gerade in Cannes stattfindet. Fernsehserien sind längst keine Nischenplätze für abgehalfterte Kinostars mehr. Im Gegenteil - die besten Schauspieler und die besten Filmemacher haben die Serien für sich entdeckt. Es ist ein gigantischer Markt, die vier größten Anbieter haben im vergangenen Jahr rund 16 Milliarden Dollar investiert. 

"In einer Serie hat man viel mehr Zeit, Geschichten zu erzählen, und man kann einer Figur viel mehr Facetten geben", meint Paula Beer, die beides kennt. Ihren Durchbruch im Kino hatte sie im Film "Frantz" von Francois Ozon. In Frankreich wurde sie als die neue Romy Schneider gefeiert. Serienerfahrung bekam sie dann in der ZDF-Produktion "Bad Banks", wo sie eine junge Investmentbankerin spielte.

Iris Berben als Schreibkraft mit Doppelleben

In Cannes ist sie nun Mitglied der Jury, die bis Mittwoch zehn internationale Serien bewerten soll. Die Gewinner bekommen Palmen verliehen, keine goldenen wie beim Filmfestival, sondern eine poppige Variante aus Marmor und bunt leuchtenden Neonröhren. "Es ist toll, dass man so viele Serien aus unterschiedlichen Ländern vergleichen kann", sagt Paula Beer, die selber Fan der Serien "Fargo" und "Borgen" ist.

Unter den zehn Serien im Wettbewerb ist auch die noch nicht ausgestrahlte ZDF-Produktion "Die Protokollantin". Darin spielt Iris Berben eine Schreibkraft im Morddezernat, die akribisch die Aussagen mutmaßlicher Mörder aufnimmt. Sie lebt zurückgezogen, seit vor elf Jahren ihre Tochter verschwunden ist, führt aber zugleich ein geheimnisvolles Doppelleben.

Daneben gibt es Serien aus aller Welt: "Il Cacciatore", eine zwölfteilige Serie aus Italien über einen Mafiarichter, "Aqui en la Tierra" aus Mexiko über Macht und Klassenkampf, "Miguel" aus Israel, über einen jungen Homosexuellen und sein Adoptivkind, "State of Happiness" über den Ölboom der 70er in Norwegen.

Ständige Verfügbarkeit statt fester Sendezeiten

Serien haben seit Jahren wachsenden Erfolg beim Publikum. Man kann sich eine einzelne Folge anschauen, wenn die Zeit für einen klassischen Kinofilm nicht reicht - oder gleich eine ganze Staffel hintereinander. "Das trifft einfach einen Nerv", meint der Berliner Medienwissenschaftler Klaus Goldhammer. "Einerseits sind es abgeschlossene Geschichten, andererseits gibt es immer auch cliffhanger, die Lust auf die nächste Episode machen".

Was den Aufschwung der Serien wesentlich befördert hat, ist ihre ständige Verfügbarkeit - bei Streamingdiensten wie Netflix und Amazon oder in Mediatheken. Immer mehr Zuschauer verabschieden sich vom Fernsehen zu festen Sendezeiten. "Es ist einfach viel bequemer, man kann jederzeit an jedem Ort gucken, ohne Werbepause", sagt Goldhammer. Und dafür seien die Zuschauer auch bereit, Geld auszugeben. In Deutschland hätten die verschiedenen Anbieter insgesamt mehr als 14 Millionen Abonnenten - was ungefähr 38 Millionen Nutzern entspricht.

Kurzformate sind im Kommen

Am Strand von Cannes haben die Veranstalter das Logo des Festivals aufgebaut, um es als Fotokulisse für die eingeladenen Filmemacher und Schauspieler zu nutzen. Auch Festivalchef Benoît Louvet lässt sich im beigen Anzug in der Frühlingssonne freundlich lächelnd davor ablichten. Es sei genau der richtige Moment, jetzt ein Serienfestival zu gründen, meint er.

"Die Leute sehen mehr und mehr Serien. Und Cannes ist einfach der richtige Ort dafür", sagt Louvet. Er will in den Serien keine Konkurrenz zum Kino sehen. "Es gibt da eine große Durchlässigkeit. Schauspieler und Regisseure machen heute beides", betont er. Und die Serien entwickelten sich immer weiter -  derzeit seien vor allem die Kurzformate im Kommen, mit Episoden, die nur etwa 10 Minuten lang sind. 

Paula Beer hat jedenfalls großen Spaß in Cannes. Am Eröffnungsabend schreitet sie mit den anderen Jurymitgliedern lachend über den pinken Teppich und stellt sich auf ihren silbernen High Heels gekonnt in Pose. Dann geht es hinauf über die berühmten Treppenstufen und ab zur Arbeit - in den riesigen Kinosaal Lumière, wo nun bis Mittwoch jeden Tag die ersten Folgen der nominierten Serien zu sehen sind.

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