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Vor der Europawahl - Erstwähler "von Parteien oft vernachlässigt"

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Die Europawahl steht vor der Tür: Was bewegt Erstwähler? Was sind ihre Themen? In der ZDF-Sendung "Mein erstes Mal" stellen junge Menschen Politikern die Fragen, die sie umtreiben.

Mirko Drotschmann spricht mit Erstwählern an der Integrierten Gesamtschule in Oppenheim
Mirko Drotschmann, einer von insgesamt vier Moderatoren der Sendung "Mein erstes Mal" spricht mit Erstwählern an der Integrierten Gesamtschule in Oppenheim.
Quelle: ZDF

"Es hat mich durchaus wütend gemacht, dass die EU-Politiker nicht auf die Stimmen der Menschen, die auf die Straßen gegangen sind, gehört haben." Energisch macht Vanessa Wittig ihrem Ärger Luft. Die 21-Jährige studiert an der Viadrina-Universität in Frankfurt/Oder und ist enttäuscht, dass die Proteste gegen die EU-Urheberrechtsreform nichts gebracht haben.

Nicht weniger bestimmt ist Eszter Toldi, eine 19-jährige Studentin aus Heidelberg mit ungarischen Wurzeln, die sich Sorgen über den zunehmenden Populismus in Europa macht und wissen will: "Wie kommt es, dass die ungarische Regierungspartei Fidesz trotz nachweislicher Verstöße gegen Werte der EU lediglich von der EVP suspendiert wird?"

Und Ali Kandemir, Schüler an der Integrierten Gesamtschule in Oppenheim, interessiert sich vor allem für das Thema Migration: "Ich merke halt, dass die Menschen, die herkommen, vieles bekommen, was meine Großeltern damals nicht bekommen haben (…). Wie zum Beispiel Sprachkurse, Wohnungen oder Sonstiges." Ali selbst ist hier geboren. Seine Familie ist kurdisch, stammt aus der Türkei und lebt seit mehreren Generationen in Deutschland.

Vanessa, Eszter und Ali - drei junge Europäer, die bisher noch nicht bei einer Europawahl gewählt haben und nun bei dem neuen ZDF-Format "Mein erstes Mal" mitmachen. Dort wollen sie Spitzenpolitikern auf den Zahn fühlen. In jeweils zwei 60-minütigen Sendungen stellen sich je drei Vertreter von CDU/CSU, SPD, FDP, Linken, Grünen und AfD den Fragen der jungen Generation. Es sind also die 18- bis 22-Jährigen, die mit ihren Anliegen die Inhalte der Sendung bestimmen. Die Sendung fällt in eine Zeit, in der sich die zunehmende Politisierung einer jungen Generation in Deutschland Bahn bricht in lautstarken Protesten bei "Fridays for Future" oder in Demonstrationen gegen Artikel 13 der EU-Urheberrechtsreform.

"Keine Themen aus den Leitartikeln"

Die Themen, die Jugendliche bewegen, sind vielleicht nicht immer die aus den Leitartikeln der großen Tageszeitungen. Aber sie sind relevant, aktuell und von Politikern und Parteien oft vernachlässigt.
Mirko Drotschmann, Moderator

"Das Vorurteil, Jugendliche würden sich nicht für Politik interessieren, ist im Jahr 2019 nicht nur in Frage zu stellen, sondern komplett falsch", sagt Mirko Drotschmann, einer von insgesamt vier Moderatoren der Sendung. Der 32-Jährige moderiert "Terra X" und ist aus dem funk-Netzwerk bekannt, wo er als "Mr. WissenToGo" politisch komplizierte Sachverhalte einfach erklärt. "Die Themen, die Jugendliche bewegen, sind vielleicht nicht immer die aus den Leitartikeln der großen Tageszeitungen. Aber sie sind relevant, aktuell und von Politikern und Parteien oft vernachlässigt."

Um für die Themen der Erstwähler ein Gespür zu bekommen und um junge Menschen zu suchen, die in die Sendungen kommen wollen, haben sich die vier Moderatoren Mirko Drotschmann, Aminata Belli (Reporterin beim funk-Format "follow.me.reports"), Andreas Stamm (Korrespondent im ZDF-Studio London) und Linda Kierstan (Redakteurin in der ZDF-Hauptredaktion Politik und Zeitgeschehen) im März und April auf eine Tour quer durch Deutschland begeben.

Moderatoren: Aminata Belli, Andreas Stamm, Mirko Drotschmann, Linda Kierstan
Moderatoren: Aminata Belli, Andreas Stamm, Mirko Drotschmann, Linda Kierstan (v.l.)
Quelle: ZDF

Stationen waren Oppenheim (Rheinland-Pfalz), Forst (Brandenburg), Frankfurt an der Oder (Brandenburg), Östringen (Baden-Württemberg), Aachen (Nordrhein-Westfalen), Görlitz (Sachsen), Stendal (Sachsen-Anhalt), Kiel (Schleswig-Holstein), Bremen und Ingolstadt (Bayern). Dort haben sie in Städten, Dörfern und Grenzregionen, in Gymnasien, Berufsschulen, Unis und Vereinen junge politisch interessierte Menschen getroffen, die mit ihnen über Klimapolitik, Digitalisierung, Populismus und die Zukunft Europas diskutieren wollten. Zahlreiche Erstwähler, die den Politikern eine Frage stellen wollten, wurden zu den beiden Sendungen nach Berlin eingeladen.

Digitalisierung und Klimaschutz

Dass so viele junge Menschen so pessimistisch sind, was die Zukunft der EU angeht, hat mich überrascht.
Andreas Stamm, Moderator

"Für die Jüngeren stehen ganz klar andere Themen oben auf der Liste als bei den Erwachsenen, das hat die Tour deutlich gemacht. Digitalisierung und Klimaschutz sind ihnen besonders wichtig. Dabei diskutieren sie nicht nur, sondern hinterfragen kritisch und fordern klare Veränderungen für eine bessere Zukunft", bilanziert Moderatorin Linda Kierstan die Tour. Das Fazit ihres Kollegen Andreas Stamm fällt nüchtern aus: "Dass so viele junge Menschen so pessimistisch sind, was die Zukunft der EU angeht, hat mich überrascht. Europa vor der Zerreißprobe, wie den Zusammenhalt stärken, wiederherstellen? Darüber müssen wir reden!"

"Eine Kritik der Jungen ist ja im Moment, dass sie nicht gehört werden und dass die Politik sie nicht ernst nimmt", sagt Moderatorin Aminata Belli. "Ich finde, bei manchen Talk-Shows kann man ähnliches beobachten: Da sitzen dann fünf Politiker mit einem Alibi-Vertreter der jungen Generation. Unsere Sendung dreht dieses Verhältnis drastisch um: In jeder Sendung sind rund 50 bis 60 Erstwähler, die drei Politiker grillen. Hier wird nicht über die jungen Menschen geredet, sondern mit ihnen."

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