Sie sind hier:

Vier Wochen bis zur Wahl - Es wird eng in Hessen

Datum:

Eigentlich gibt es viele spannende landespolitische Themen in Hessen. Doch die Spitzenkandidaten der Parteien kämpfen vor allem mit Gegenwind aus Berlin. Ein Stimmungsbild.

Volker Bouffier stellt Wahlkampfplakate der Hessen-CDU vor
Volker Bouffier stellt Wahlkampfplakate der Hessen-CDU vor Quelle: dpa

Alles ist noch möglich in Hessen. Die letzten Umfragen ergeben weder eine Mehrheit für die schwarz-grüne Regierungskoalition noch für Rot-Rot-Grün – eine Kombination, die Thorsten Schäfer-Gümbel (SPD) im dritten Anlauf doch noch zum Ministerpräsidenten machen könnte. Gleichwohl: laut ZDF-Politbarometer fehlen beiden Konstellationen nur wenige Prozentpunkte zur Mehrheit. Doch wie kann man die Menschen erreichen, wenn die schlechte politische Stimmung aus Berlin alles überdeckt?

Und immer wieder Maaßen

Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) ist dieser Tage mit einem großen schwarzen Bus unterwegs, auf dem überlebensgroß sein Konterfei prangert. Erste Station: ein Bio-Bauernhof in Wehrheim im Taunus. Bouffier lobt das Engagement von Familie Etzel – für ihn ein Vorzeigebetrieb. Dasselbe gelte für Schwarz-Grün in Hessen: ein Vorzeigeprojekt. Zum Beispiel habe man von allen deutschen Ländern den höchsten Zuwachs an Biobauernhöfen. Doch während er den hausgemachten Marmorkuchen genießt, rücken die Journalisten heran und fragen ihn nicht etwa zu Landwirtschaft und Bildung, zu Sicherheit oder Arbeitsmarkt – alles Themen, mit denen er punkten könnte.

Nein: sie wollen wissen, was da wieder los ist in Berlin. Das Gezeter um Verfassungsschutzpräsident Maaßen, die Volten von Horst Seehofer, der Umgang mit dem Diesel-Skandal. Berlin – so scheint es – holt Bouffier immer wieder ein. Der Eindruck: da kann Hessen noch so gut da stehen, von der schlechten Stimmung in der Bundesregierung kann sich die Hessen-CDU nicht abkoppeln. In den letzten Umfragen erreicht sie 29 bis 32 Prozent. Nach 38 Prozent bei der letzten Landtagswahl vor fünf Jahren.

Wohnungsnot und Bildungsprogramme

Sein Herausforderer steht nicht  besser da. Wenn seine Parteivorsitzende Andrea Nahles aus Berlin anreist, kann er nicht sicher sein, ob das hilft oder schadet. Der Applaus für sie hält sich jedenfalls in Grenzen. Die Causa Maaßen hat der Bundes-SPD, die ohnehin am Boden liegt, wohl noch einmal heftig zugesetzt. Schäfer-Gümbel muss sich also absetzen von der Bundes-SPD, er versucht beharrlich mit landespolitischen Themen zu punkten. Schwarz-Grün habe beim Wohnungsbau versagt, ruft er. Seine Regierung werde sogleich 30.000 neue Wohnungen bauen. Auf Plakaten  ist TSG – wie ihn Viele kurz nennen – als Macher zu sehen. Er schleppt Rohre, hilft am Bau. Doch dringt er damit bei den Wählern durch? In den Ballungsräumen sind Wohnungsnot und sehr hohe Mieten sicher ein Thema, im ländlichen Raum aber eher nicht …

Laut Demoskopen interessiert in Hessen ein anderes  Thema am meisten: Bildung. Die SPD meint, auch hier habe Schwarz-Grün versagt. Viel mehr Lehrer müssten her, viele neue Schulen sollten gebaut werden. Und Kitas sollten für die Eltern komplett kostenlos sein. Nicht nur für sechs Stunden am Tag, wie es Schwarz-Grün beschlossen hat.

Angriff auf den Herausforderer

Volker Bouffier ist das Thema nicht entgangen. In Oberaula meint er vor gut gefülltem Saal: "Die Sozialdemokraten versprechen immer nur. Sobald sie Verantwortung tragen, kommt dann nichts." Als Beispiel nennt er die letzte SPD geführte Regierung Ende der 90er-Jahre. "Raten Sie, wie viele Gesamtschulen die SPD damals gebaut hat?" Ratloses Schweigen im Saal. "Keine einzige!", ruft Bouffier. Seine Botschaft: die SPD redet immer nur, die CDU aber macht. "Hessen ist spitze", sagt er immer wieder. "So viele Lehrer wie nie, so viele Jobs wie nie, das höchste Durchschnittseinkommen aller deutschen Länder."

Für ihn eine große Erfolgsbilanz. Umso frustrierender muss es sein, dass schlechte Nachrichten aus Berlin seinen Wahlkampf immer wieder überschatten. Seine Hoffnung: dass jetzt endlich Ruhe einkehrt und das Interesse auf hessische Themen gelenkt wird.

SPD will wieder an die Macht

Das dürfte Thorsten Schäfer-Gümbel ganz ähnlich sehen. Zwar steht die Hessen-SPD in Umfragen deutlich besser da als die Bundes-SPD, doch der Anspruch ist ja auch, endlich wieder zu regieren. Als Oppositionsführer kann TSG es sich leisten, von allem "mehr" zu fordern. Mehr Wohnungen, mehr Lehrer, mehr Polizisten. Dagegen wird kaum ein Hesse etwas einzuwenden haben. Momentan ist allerdings die Frage: Lassen sich die Menschen überhaupt begeistern für den Wahlkampf? 

In vier Wochen ist in Hessen Wahltag, doch da ist ja zunächst noch die Bayern-Wahl in zwei Wochen. Wahrscheinlich geht es dann erst so richtig los. Bouffier und Schäfer-Gümbel spekulieren darauf, dass sich in den letzten vierzehn Tagen vor der Wahl das Interesse auf die hessische Landespolitik richtet. Und dass dann keine Katastrophenmeldungen von der Großen Koalition aus Berlin mehr kommen. Wenigstens mal für ein paar Wochen. Damit die fehlenden Prozentpunkte doch noch eingefahren werden. Eine Große Koalition will hier nämlich keiner.          

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert auf Mein ZDF! Abo beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert

Die Website verwendet Cookies, um Ihnen ein bestmögliches Angebot zu präsentieren. Nähere Informationen und die Möglichkeit, die Verwendung von Cookies einzuschränken finden Sie hier.

Sie wechseln in den Kinderbereich und bewegen sich mit Ihrem Kinderprofil weiter.