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Ein Jahr Trump - "Es wird jeden Tag schlimmer"

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"Ich fürchte, das ist erst der Anfang", sagte Anwältin Rima Ghandour vor einem Jahr zum neuen US-Präsidenten Donald Trump. Heute fühlt sie sich bestätigt.

Donald Trump
Donald Trump Quelle: ap

"Es ist beängstigend chaotisch und deprimierend. Aber ich fürchte, das ist erst der Anfang", sagte Rima Ghandour im Interview vor einem Jahr. Damals saß sie gemeinsam mit einem ehrenamtlichen Team von Anwälten tagelang an den Flughäfen in Portland und Seattle, um den Menschen zu helfen, die dort festgehalten wurden. "Es war leider wirklich nur der Anfang. Unsere schlimmsten Ängste sind wahr geworden", sagt Rima heute. "Alles, was seitdem passiert ist, ob in der Einwanderungspolitik, in der Gesundheitspolitik oder in der Steuerpolitik, ist ein Desaster."

Aus Angst nicht ausgereist

Rima Ghandour
Rima Ghandour Quelle: Rima Ghandour

Die gebürtige Libanesin lebt mit ihrem Mann und zwei Kindern in Portland (Oregon). Neben der Arbeit in ihrer Kanzlei, kümmert sie sich ehrenamtlich um Einwanderer und Flüchtlinge. Im Moment macht sie sich vor allem Sorgen um die Zukunft der Dreamer: Immigranten, die als Kinder von ihren Eltern illegal in die USA gebracht wurden. Präsident Barack Obama startete 2012 das so genannte DACA-Programm (Deferred Action for Childhood Arrivals), das die Dreamer zunächst vor Abschiebung schützte. Dieses Programm soll jetzt beendet werden. "Es geht um junge Leute, die hier aufgewachsen sind, die hier Familien gegründet haben, die arbeiten oder zur Schule gehen. Und die jetzt nicht wissen, ob und wann sie deportiert werden. Es sind herzzerreißende Geschichten." 

Rimas Familie selbst ist nicht direkt von Einreisestopps und der verschärften Immigrationspolitik betroffen. "Aber Angst und Unsicherheit haben dazu geführt, dass im vergangenen Jahr niemand aus meiner Familie im Libanon zu einer großen Familienfeier hierher gereist ist. Das war traurig."

"Gesundheitspolitik haarsträubend"

Einwanderung ist aber nur eines von vielen Themen, die Rima Ghandour wütend machen: "Die Gesundheitspolitik ist haarsträubend. Wir sollten uns als eines der reichsten Länder der Welt um die Gesundheit unserer Bürger zu kümmern!" Rimas inzwischen verstorbene Schwester war schwerkrank und lange Zeit auf teure Medikamente angewiesen. "Bevor es Obamacare gab, konnte sie sich diese nicht leisten. Genau das wird wieder passieren, wenn es der Trump-Regierung gelingt, Obamacare abzuschaffen. Millionen Menschen wissen derzeit nicht, ob sie nächstes Jahr noch krankenversichert sind. Das ist unglaublich!"

Was Rima Ghandour positiv überrascht hat ist, wieviele Leute seit der Wahl Donald Trumps Unterstützung und Hilfe angeboten haben. Rima ist Präsidentin des Arabisch-Amerikanischen Kulturzentrums in Portland. "Es ist wunderbar, wieviele Menschen sich bei uns gemeldet haben. Ich habe neue Freundschaften geknüpft mit Leuten, die ich sonst nie getroffen hätte. Im Scherz sagen wir manchmal: Hey, ohne Trump hätten wir uns nie kennengelernt", lacht Rima.

Ihre große Hoffnung sind die Midterm-Wahlen im November. "Es ist großartig, dass sich so viele Frauen um politische Ämter bewerben. Vielleicht gelingt es den Demokraten tatsächlich zu gewinnen. Ich rechne zwar nicht fest damit, aber es wäre ein sehr gutes Zeichen."

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