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G20-Treffen zur Stahlkrise - Stahlindustrie wegen Überproduktion in der Krise

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Dumpingpreise, Handelskrieg und Strafzölle - im Stahlmarkt geht es hoch her. Die Stahlkrise macht der Branche seit Jahren zu schaffen. Ein Blick auf die Ursachen dieser Krise.

Stahlproduktion in Duisburg
Stahlproduktion in Duisburg Quelle: dpa

Zuviel Angebot und zu wenig Nachfrage sorgen in der Stahlbranche weltweit für Druck. Und das seit Jahren. Jedes Land geht anders mit dem Problem um. Die USA erwägen Strafzölle, China drückt die Preise und Europa sucht politische Lösungen. Derweil versuchen die Stahlkonzerne mit Mega-Fusionen das Problem in den Griff zu bekommen. 

Hunderte Millionen Tonnen Stahl zu viel

Es gibt weltweit mehrere hundert Millionen Tonnen zu viel Stahl. Zu diesem ernüchternden Ergebnis kommt die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD). Die Situation wird durch Preisdumping im internationalen Wettbewerb, weit über China hinaus, zusätzlich verschärft. Zudem belasten seit längerem Hemmnisse den weltweiten Handel mit Stahl. Inzwischen prüfen die USA Strafzölle. Ihr Argument: Stahleinfuhren könnten die nationale Sicherheit gefährden. 

Die deutsche Wirtschaftsvereinigung Stahl beobachtet das mit Sorge. Mit dem angestrebten und teilweise auch vollzogenen Kurswechsel der US-Regierung in der Handelspolitik sei die Gefahr eines Handelskriegs gewachsen, befürchtet der Verband. Die Folgen wären vor allem für den offenen EU-Stahlmarkt gravierend und "eine ernste Bedrohung, gerade auch für den Stahlstandort Deutschland". Denn Strafzölle, so die einfache Rechnung, verkleinern die Gewinnmargen noch mehr.

Stahlindustrie hat sich nicht schnell genug angepasst

Der wachsende Druck aus China und auch Russland trifft Europa besonders hart. "Europa hat es über viele Jahre versäumt, überschüssige und veraltete Stahlkapazitäten stillzulegen, die wohl auch in Zukunft nicht mehr erforderlich sind", erklärt Analyst Josef Auer von der Deutschen Bank. "Eine wesentliche Ursache für die Überkapazitäten sind die sich ändernden Industriestrukturen wichtiger Länder, die zu einem geringeren Stahlbedarf führen", erklärt Auer. "Man denke nur an den allmählichen Bedeutungsverlust der französischen und italienischen Automobilindustrie in den vergangenen Jahren." Der Bedarf hat sich geändert, und die Stahlindustrie hat sich nicht schnell genug angepasst.

Doch das liegt nicht nur an den Konzernen, sondern auch an den Staaten. "Die Stahlproduktion zu reduzieren ist auch ein politisches Thema", erklärt Analyst David Varga von Metzler. Das hängt nicht nur mit der damit zusammenhängenden Abbau von Arbeitsplätzen zusammen. Die Produktion von Stahl hat eine hohe Bedeutung für die gesamte Industrie, angefangen bei der Bau- und Autoindustrie bis hin zur Rüstung. Hier wollen sich die Staaten ungern von anderen Ländern abhängig machen und lieber selber produzieren. 

Wie lange die Stahlkonzerne dem Druck noch standhalten können, ist fraglich. Einige versuchen die Flucht nach vorn und gehen mit Konkurrenten zusammen. Das bedeutet in der Regel auch die Entlassung von tausenden Mitarbeitern, da die Unternehmen Kosten und Dopplungen sparen wollen. Doch bislang haben Mega-Fusionen das Problem nicht an der Wurzel packen können. Der Stahlüberhang ist nach wie vor da. Leidtragende sind nicht zuletzt auch die Aktionäre der Stahlkonzerne, die viel Geld mit ihren Anteilsscheinen verloren haben.

Was macht die Politik? 

Im September haben die G20-Regierungschefs beschlossen, ein Globales Forum zu Überkapazitäten in der Stahlindustrie einzurichten. Damit haben sie sich verpflichtet zu kooperieren, also Informationen auszutauschen und gemeinsam nach Lösungen zu suchen. Das Ziel: wettbewerbsverzerrende Subventionen und andere Formen staatlicher Unterstützung zu erkennen und zu beseitigen. 

Auf dem G20-Gipfel in Hamburg haben die Regierungschefs diesen Auftrag noch einmal bekräftigt und einen Fortschrittsbericht bis November 2017 erbeten, der konkrete politische Lösungen zum Abbau der Überkapazitäten enthalten soll. Dieser Bericht soll heute vorgestellt werden.

Analyst: China wird Produktion drosseln

Die Lage scheint schwierig, aber nicht ausweglos. Analyst Josef Auer von der Deutschen Bank ist zumindest für die deutsche Stahlindustrie langfristig eher zuversichtlich. Bis 2025 sieht er "gute Chancen für eine stabile und wirtschaftlich positive Zukunft". Auer setzt zum einen auf die politische Vernunft. Zum anderen geht er global von einem gemäßigteren Ausbau der Stahlkapazitäten aus. Vor allem China dürfte die Stahlproduktion drosseln, erwartet er. 

Eine Entwarnung gibt der Analyst jedoch nicht. Vor allem, wenn die Regulierung strenger werden und das Stahlangebot weltweit weiterhin schneller steigen sollte als die Nachfrage. In diesem Fall drohen Deutschland erhebliche Einbußen bei der Stahlproduktion. Belastungen der Stahlstandorte durch hohe Energiekosten verschärfen die Situation zusätzlich.

Neben der Überproduktion droht weiteres Ungemach. Wenn eine entsprechende EU-Reform durchgeht, müssen Stahlproduzenten ab dem Jahr 2021 mehr Emissionszertfikate kaufen. Damit soll die Belastung der Umwelt durch den Ausstoß schädlicher Stoffe verringert werden. "Die Schwerindustrie hat eine bestimmte Kapazität an Emissionen, die sie ausstoßen darf", erklärt Analyst David Varga von Metzler. Dieser Freibetrag soll erheblich sinken. Wollen die Konzerne dann mehr ausstoßen, müssen sie dafür zahlen. Einige Stahlkonzerne rechnen daher jetzt schon mit massiven Gewinneinbußen.

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