Sie sind hier:

ESC in Israel - Party auf dem Pulverfass

Datum:

Schrill, laut, fröhlich – so ist das bei einem Eurovision Song Contest. Dieses Mal, in Tel Aviv, ist alles ein bisschen anders. Sorgen um die Sicherheit spielen eine große Rolle.

Eurovision Song Contest 2019 in Tel Aviv
Eurovision Song Contest 2019 in Tel Aviv
Quelle: reuters

Das erste Halbfinale war schon mal spektakulär. Mit einer opulenten Bühnenshow gelang dem australischen Beitrag der Sprung ins Finale. Durch die Show führte unter anderem das israelische Supermodel Bar Refaeli. Beim ESC feiern Fans und Musiker vor allem sich selbst. Eigentlich gibt es kaum einen passenderen Ort dafür als Tel Aviv: Israels Metropole am Mittelmeer ist anders als der Rest des Landes: selbstverliebt, hedonistisch – die Stadt ist eine riesige Partyblase. 

Trotz oder vielleicht auch obwohl die Gefahr einer Eskalation immer mitschwingt. Erst zu Beginn des Monats feuerten militante Palästinenser mehr als 700 Raketen auf Israel ab. Sie schlugen zum Teil nur wenige Kilometer von Tel Aviv entfernt ein. Israels Armee flog Luftangriffe auf Gaza. Es gab Tote auf beiden Seiten. Ein Waffenstillstand wurde ausgehandelt – da waren die ersten der 41 internationalen Delegationen für den ESC schon angereist. Ein Raketenabwehrsystem im ganzen Land und 20.000 Polizeikräfte in Tel Aviv sollen für Sicherheit sorgen.

ESC soll unpolitisch sein

Wenn es nach dem Willen des Veranstalters geht, wird über Politik nicht gesprochen. So steht es in den Statuten. Und daran halten sich die meisten. Nur der israelische Fernsehsender Kan, der den ESC überträgt, nicht. Mit einem umstrittenen Video sorgte er für Aufregung: Israel habe mehr zu bieten als Krieg und Besatzung, hohe Preise zum Beispiel und Indoktrinierung schon am Flughafen, heißt es darin. Als die Wellen und die Kritik an dem Video hochschlugen, beeilte sich der Sender die Sache kleinzureden: "Alles Ironie" – Witze, die auch in Israel von vielen nicht verstanden werden.

Karte von Israel mit Tel Aviv
Lage von Tel Aviv in Israel
Quelle: ZDF

Von den Teilnehmern hält sich die überwiegende Mehrheit an den verordneten Maulkorb. Einzig die Band aus Island reiste nach Hebron, um auf die Situation in den von Israel besetzten Palästinensergebieten aufmerksam zu machen. Israelische Besatzungsgegner hatten sogar zum Boykott der gesamten Veranstaltung aufgerufen.

Für Aufregung sorgte auch, dass die Veranstaltung am Samstag, dem jüdischen Sabbat, stattfindet. Vor allem orthodoxen Juden ist das ein Dorn im Auge. Öffentlichkeitswirksam unterbrach eine ultra-religiöse Partei sogar die Koalitionsverhandlungen. Aber die Aufregung legte sich auch wieder: Shuttle-Busse werden jetzt fahren, statt der öffentlichen Busse. Und die circa 2.000 Israelis, die bei der Veranstaltung arbeiten müssen, erhalten nach Intervention des Arbeitsministeriums einen Zuschlag von 150 Prozent.

Dare to dream – zu träumen wagen

In der Vergangenheit war der ESC vor allem eins – ein gutes Geschäft. Mit Einschränkung gilt das auch für die Ausgabe in Israel. Vielleicht bleiben einige Besucher aus Angst um die Sicherheit zu Hause. Die Hotels sind jedenfalls nur zu 75 Prozent ausgelastet. Einige Häuser haben gerade noch mal die Preise gesenkt. Auch die Karten für die beiden Halbfinals werden günstiger angeboten, als noch vor ein paar Wochen.

Aber in Tel Aviv denken sie langfristiger – ganz nach dem Motto des ESC: "Dare to dream – zu träumen wagen". Letztes Jahr schauten 186 Millionen Menschen die Übertragung der Veranstaltung. Und diesmal sind es die Bilder aus Tel Aviv, die um die ganze Welt gehen. Eine bessere Werbung gibt es kaum.

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert auf Mein ZDF! Abo beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Die Website verwendet Cookies, um Ihnen ein bestmögliches Angebot zu präsentieren. Nähere Informationen und die Möglichkeit, die Verwendung von Cookies einzuschränken finden Sie hier.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, können Sie jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigen Sie Ihr Ausweisdokument.

Sie wechseln in den Kinderbereich und bewegen sich mit Ihrem Kinderprofil weiter.