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Migranten stürmen US-Grenzzaun - Null Toleranz an Mexikos Grenze

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Hunderte Migranten versuchen, im mexikanischen Tijuana die Grenze zu den USA zu stürmen. Die Sicherheitskräfte auf beiden Seiten reagieren mit einer Null-Toleranz-Strategie.

Grenzpolizei versucht am 25.11.2018 in Tijuana Migranten am Überschreiten der Grenze in die  Vereinigten Staaten zu hindern
Die mexikanische Grenzpolizei in Tijuana versucht, Migranten am Überschreiten der Grenze in die USA zu hindern.
Quelle: reuters

Mexiko will mit aller Härte gegen die Ausschreitungen am Sonntag in der Grenzstadt Tijuana vorgehen. Wie die Regierung in Mexiko-Stadt mitteilte, sollen Migranten, die Polizeisperren durchbrochen haben, abgeschoben werden. Nach Angaben der Stadt Tijuana wurden rund 36 Honduraner, darunter sieben Frauen, festgenommen. Auch 16 Mexikaner, die sich offenbar eine Schlägerei mit Migranten lieferten, wurden verhaftet. Mexikos künftiger Präsident Andres Manuel Lopez Obrador, der ab kommenden Samstag die Amtsgeschäfte übernimmt, rief sein künftiges Kabinett zu einer Krisensitzung zusammen. US-Heimatschutzministerin Kristjen Nielsen kündigte unterdessen an, keine Anarchie der Migranten dulden zu wollen. Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International kritisierte den Einsatz von Tränengas gegen verängstigte Familien.

Migranten haben versucht, die Grenze zu den USA zu überwinden. US-Sicherheitskräfte setzten Tränengas ein und schlossen für mehrere Stunden den Grenzübergang.

Beitragslänge:
1 min
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"Wir wollen friedlich demonstrieren"

Grenzregion zu USA: Tijuana - Mexiko - Los Angeles - USA

Quelle: ZDF

Der Tag in Tijuana beginnt mit einer ruhigen Demonstration. Beamte der mexikanischen Bundespolizei haben eine Grenzbrücke abgeriegelt, die direkt zum Grenzübergang "El Charrapal" in Tijuana führt. Davor versammeln sich rund 1.000 Migranten aus dem Aufnahmelager "Benito Juarez", das nur wenige Gehminuten entfernt liegt. Die Migranten singen die Nationalhymnen aus Mexiko, Guatemala, El Salvador und natürlich auch Honduras, dem Ausgangspunkt der ersten großen Migrantenkarawane, die vor über einem Monat in San Pedro Sula in Richtung USA startete.

"Keine Gewalt", ruft ein Sprecher durch das Megafon und: "Wir wollen friedlich demonstrieren". Auf den mitgebrachten Plakaten stehen überwiegend amerikafreundliche Sprüche wie "Trump, we hate you not" (Trump wir hassen dich nicht) oder "Trump, wir verstehen dich, aber wir können nicht nach Honduras zurück".

"Sie werden auf euch schießen"

Plötzlich kommt Bewegung in die Gruppe: Einige Aktivisten rufen "Vamos" (Gehen wir) und verweisen auf eine Seitenstraße, die nicht von der Polizei gesperrt ist. Sie führt auf Umwegen Richtung Grenzübergang. Als die ersten Migranten dem Aufruf folgen, setzt sich der ganze Demonstrationszug in Bewegung. Einige Migranten versuchen den Zug aufzuhalten, doch einmal in Bewegung ist die Karawane nicht mehr zu stoppen. Nun gerät die Situation außer Kontrolle.

Als die Migranten am Grenzfluss "Rio Tijuana" ankommen, verlassen sie die Straße, viele klettern das Ufer hinauf, durchqueren das betonierte Flussbett und gelangen am anderen Ende direkt an die US-Grenze. Einige Migranten halten inne, vor allem Familien mit Kindern und ältere Mittelamerikaner bleiben zurück und beobachten das Geschehen aus sicherer Entfernung. Einer ruft: "Ihr seid verrückt, sie werden auf euch schießen."

US-Beamte setzen Tränengas ein

Die Migranten, die den Fluss durchquert haben, verteilen sich entlang des Grenzflusses in alle Richtungen. Einige versuchen ein Gitter zu entfernen und auf amerikanisches Territorium zu gelangen, stoßen aber auf Widerstand der US-Grenzbeamten. Als sie zurückgetrieben werden, schmeißen ein, zwei Migranten mit Steinen durch ein Gitter auf die Beamten. Daraufhin kommt es zu einem Tränengaseinsatz, von dem auch Migranten betroffen sind, die nicht versuchen, die Grenze zu überqueren.

Die US-Behörden rechtfertigen später den Einsatz des Tränengases mit Wurfgeschossen, die auf die Beamten abgefeuert wurden. Über dem gesamten Areal kreisen Militärhubschrauber und Drohnen im Tiefflug. Andere Migranten versammeln sich in Gruppen unmittelbar am Grenzübergang und fordern: "Wir wollen rüber". Die Lage ist unübersichtlich und chaotisch.

Wut auf die Migranten

Invasoren Nein, Migranten Ja – steht auf diesem Plakat einer Demonstrantin
"Invasoren Nein, Migranten Ja" steht auf diesem Plakat einer Demonstrantin in Tijuana.
Quelle: Tobias Käufer

Inzwischen sind die Grenzübergänge sowohl für Fußgänger als auch für Autos geschlossen. Dort, wo normalerweise bis zu 70.000 Autos am Tag die Grenze passieren, ist der gesamte Platz verwaist. Bis auf ein paar Fußballspieler, die den unverhofften Raum für ein kleines Spiel nutzen. Behelfsmauern aus Metall sperren die Übergänge ab, Beamte der Bundespolizei bilden verschiedene Ketten, mit denen sie versuchen, das Areal weiträumig zu abzuriegeln. An den Grenzübergängen stauen sich nun die Autos und die Fußgänger. Viele sind wütend auf die Migranten und rufen "Invasoren Nein, Migranten Ja", andere unterstützen die Migranten und rufen "Welcome to the USA".

Am Nachmittag mexikanischer Zeit erklärt die Regierung aus Mexiko-Stadt: Migranten, die die Polizeisperre durchbrochen haben, werden festgenommen und vor Gericht gestellt. Ihnen droht die sofortige Abschiebung. Lokale Medien berichten unterdessen, dass am Sonntagnachmittag weitere 200 Migranten aus Mexicali in Tijuana eingetroffen sind. Ob sie auch noch im bereits überfüllten Auffanglager Benito Juarez untergebracht werden, ist ungewiss. Die Stadtverwaltung plant, ein weiteres Auffanglager zu öffnen.

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