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Essen Motor Show - Autos - mal einfach nur zum Träumen

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Drohende Diesel-Fahrverbote, umweltfreundliche Antriebe: Die aktuellen Diskussionen sind zumindest auf der Essen Motor Show kein Thema. Schon gar nicht bei den Tuning-Freunden.

Ein getuntes Vorderrad eines Porsche Carreras 4 (964) bei der Essen Motor Show am 01.12.2017
Vorderrad eines Porsche Carreras 4 (964) bei der Essen Motor Show am 01.12.2017 Quelle: epa

Es ist schon toll, was Technik kann. Da werden aus einfachen Motoren brüllende Monster, das Fahrwerk zum "Lift" und Reifen verwandeln sich in "fette Pellen". So ein aufgemotztes Auto hat was. Und nein, das denken sich nicht nur kleine Jungs, die mit verklärtem Blick auf ihre Lieblingskarte vom Quartett schauen. Wer solche Blicke auch bei großen Jungs sehen möchte, ist auf der Essen Motor Show genau richtig.

Jede Menge Material zur Ergänzung

Eine Publikumsmesse, die genau das ist, was ihr Name verspricht: eine Show. Da stehen sie, die ultra seltenen Boliden von Pagani oder McLaren, die Lowrider und Dragster oder auch Serienrennwagen. Und natürlich jede Menge Material, um das eigene Auto technisch und optisch zu ergänzen. Tuning halt. Das interessiert auch in der 50. Auflage der Messe eine Menge Menschen: Rund 300.000 Besucher werden dort bis kommenden Sonntag erwartet. Das ist schon eine Hausnummer.

Das bewährte Konzept mit dem Mix aus PS und Produktpräsentation im Miniröckchen geht auch 2017 auf. Alles also wie gehabt? Irgendwie schon, aber ein bisschen zumindest weht auch ein kleines, neues Zeitgeistlüftchen - zumindest ein Hauch in Richtung Umweltthematik und Umdenken beim Auto.

Sprit sparen mit Chiptuning

Chiptuning beispielsweise ist nichts Neues. Ohne kostspielige Motorteile lassen sich so über die Motorsteuerung Leistungssteigerungen erzielen. Mehr Bumms für kleines Geld. Neu hingegen scheint schon, dass mancher sich dafür aus ganzen anderen Gründen interessiert: "Durch die Erhöhung des Drehmoments kann man auch Sprit einsparen - natürlich bei entsprechender Fahrweise", heißt es bei "RaceChip". Und genau aus diesem Grund kämen in jüngerer Vergangenheit mehr Anfragen. Tuning mit positiven Nebenwirkungen für die Umwelt? Klingt vernünftig.

Ganz und gar unvernünftig, weil richtig teuer - dafür aber umso spektakulärer - erscheint der Tesla mit Carbon-Karosserie. 300 Kilo Gewichtseinsparung sind beachtlich und lassen den Stromer die 2,5 Sekunden von Null auf 100 noch mal unterbieten. Aber was ist das für ein Achtzylinder-Röhren da unter der Fronthaube? Klingt so ein Elektrofahrzeug? Das hier schon, und tatsächlich fahren in Deutschland mittlerweile so manche Autos mit Auspuffsound aus Lautsprechern.

Digitaler Auspuffklang zum Wohlfühlen

"Manche Besitzer von großen SUV oder Sportwagen sind mittlerweile davon enttäuscht, wie sehr die Hersteller die Motoren- und Auspuffgeräusche reduzieren", sagt Christoph Scholz von der "Active Sound Factory" aus Berlin. Überrascht sei er aber schon gewesen, wie groß die Nachfrage geworden sei seit der Entwicklung des Auspuff-Sound-Systems vor wenigen Jahren: Mit dem eingebauten digitalen Auspuffklang fühlt sich der eine oder andere im Panamera oder X5 einfach wohler.

Was Kleinwagenfahrer zunächst lächeln lassen mag, bietet durchaus Nutzwert für die Zukunft. "Ein Problem ist, dass Elektrofahrzeuge sehr leise unterwegs sind und deshalb von anderen Verkehrsteilnehmern einfach überhört werden", so Christoph Scholz. Das werde in den kommenden Jahren mit steigender Zahl der E-Fahrzeuge ein großes Thema. Weshalb sein Unternehmen in den kommenden Monaten neben dem V8-Blubbern auch Soundsysteme für andere Motortypen entwickeln will.

"Wollen alle ein bisschen träumen"

Ansonsten ist Elektromobilität eher Mangelware auf der Tuning-Show. Wozu auch, wenn solche Fahrzeuge bislang kaum auf unseren Straßen unterwegs sind. Immerhin hat es ein Anbieter für Carsharing nach Essen geschafft. Und ein Hersteller für Elektrofahrräder. "Wir haben hier nach zwei Tagen schon mehr Kataloge abgegeben als in zwei Wochen auf anderen Messen", sagt Frank Herbach von HNF Heisenberg. Geht doch, wenn schon nicht auf vier, dann wenigstens auf zwei Rädern elektrisch unterwegs.

Und sonst - die Essen Motor Show ein Treffen mutwilliger Umweltsünder? "Ach, wir wollen doch alle mal ein bisschen träumen", sagt Klaas de Boer. Er ist mit drei Freunden aus den Niederlanden nach Essen gekommen, um genau das zu tun: ein bisschen von der Motorsportluft atmen, die man sonst nur in Zeitschriften oder im TV sieht. "Heute Abend steigen wir wieder in unseren Serien-Golf und sind wieder im normalen Leben."

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