Sie sind hier:

Tradition - Esten feiern 150 Jahre Sängerfest

Datum:

Für viele Esten ist das Liederfest viel mehr als eine reine Gesangsveranstaltung. Unter sowjetischer Besatzung galt das Singen traditioneller Weisen als Akt des Widerstands.

Mit mehr als 1.000 Chören hat Estland den 150.Geburtstag seines Liederfestes begangen. Die Unesco hat das viertägige Festival als Kulturerbe der Menschheit anerkannt.

Beitragslänge:
1 min
Datum:

Mit einem Großaufgebot an Sängern hat Estland den 150. Geburtstag seines Liederfestes begangen. 35.000 Sänger aus mehr als 1.000 Chören kamen zum viertägigen Festival in der Hauptstadt Tallinn zusammen. Außerdem traten 700 Tanzgruppen auf. Zum Hauptkonzert am Sonntag strömten schätzungsweise 90.000 Menschen.

Das estnische Liederfest wurde 1869 als reine Gesangsveranstaltung ins Leben gerufen und findet alle fünf Jahre statt. Es gilt als Ausdruck estnischer Heimatliebe und war einer der Kristallisationspunkte der sogenannten Singenden Revolution, die 1990 zum Ende der sowjetischen Herrschaft und zur Unabhängigkeit der baltischen Staaten führte. Die Unesco hat das Fest und ähnliche Veranstaltungen in Lettland und Litauen als Kulturerbe der Menschheit anerkannt.

Singen als Akt des Widerstands

Während der fast 50 Jahre währenden sowjetischen Besetzung wurden einige traditionelle Weisen und Hymnen verboten oder deren Texte geändert. Ihre Darbietung war daher ein Akt des Widerstands. Ende der 80er Jahre etwa sangen Aktivisten im Baltikum ursprüngliche Versionen bedeutsamer Lieder bei Demonstrationen.

Zwei Millionen Menschen in Estland, Lettland und Litauen bildeten einst eine 600 Kilometer lange menschliche Kette, um mit einem Lied gegen die Besetzung durch die Sowjetunion zu protestieren. Auf die "Singende Revolution" folgte die Unabhängigkeit der baltischen Staaten im Jahr 1991. "Esten sagen gerne, dass es das Singen war, das uns frei gemacht hat", sagte der 22-jährige Heldur Harry Polda beim Festival. "Ich denke, jeder glaubt das. Und ich denke, wir müssen das irgendwie respektieren und unser Land frei halten."

Tiefe Bedeutung auch für junge Esten

Fast die Hälfte der Chorsänger beim Liedfest in Tallinn war unter 30 Jahre alt und hat nur ein unabhängiges Estland erlebt. Und doch berichteten Teilnehmer, dass die Texte für sie nach wie vor eine tiefe Bedeutung hätten. "Es gibt einige Lieder, bei denen man die Emotionen einfach nicht zurückhalten kann und die Tränen zu fließen beginnen, wenn man sie anfängt zu singen", sagte der 18 Jahre Robi Pinta, ehe er sich einem riesigen gemischten Chor anschloss.

Die 23-jährige Teilnehmerin Joanna-Stina Talivere wandte sich gegen Formen der Ausgrenzung, die der Ausdruck von Heimatverbundenheit in Europa zuletzt oft angenommen hätten. Bei Patriotismus gehe es ihr darum, "sich eins mit jedem zu fühlen, der heute hier ist".

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert auf Mein ZDF! Abo beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Die Website verwendet Cookies, um Ihnen ein bestmögliches Angebot zu präsentieren. Nähere Informationen und die Möglichkeit, die Verwendung von Cookies einzuschränken finden Sie hier.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, können Sie jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigen Sie Ihr Ausweisdokument.

Sie wechseln in den Kinderbereich und bewegen sich mit Ihrem Kinderprofil weiter.