ZDFheute

Ethiker halten Experimente für vertretbar

Sie sind hier:

Mischwesen - Ethiker halten Experimente für vertretbar

Datum:

In Japan sollen menschliche Organe in Tieren gezüchtet werden. Experten finden die Forschung ethisch vertretbar, zweifeln aber auch an ihrem Erfolg.

Deutsche Ethikexperten halten die in Japan geplante Forschung an Mensch-Tier-Wesen prinzipiell für gerechtfertigt. Der Vorsitzende des Deutschen Ethikrats, Peter Dabrock, sagte am Donnerstag im ZDF-Morgenmagazin, der Versuch, in tierischen Embryos menschliche Organe zu züchten und damit menschliches Leid zu lindern, sei ein hochrangiges Forschungsziel. Er wies Politiker-Äußerungen von einem ethischen Supergau zurück und mahnte, bei der Wortwahl "abzurüsten".

Aufpassen müsse man, dass die Grenzen zwischen Mensch und Tier aufrecht erhalten würden, fügte der evangelische Theologe hinzu. Wenn also menschliche Stammzellen etwa in Hirne von Tieren einwanderten, müsse man die Forschung abbrechen. Auch die Frage, wie weit man Tieren Leid zufügen und sie für die Gewinnung von Organen töten dürfe, müsse man diskutieren. Sie sei abzuwägen mit dem Leid sterbenskranker Menschen.

Zuvor hatte sich SPD-Politiker Karl Lauterbach kritisch zu der in Japan genehmigten Forschung geäußert. Er sieht darin einen Tabubruch. Dem "Spiegel" sagte er mit der Züchtung von Mensch-Tier-Wesen werde "eine Grenze überschritten, die wir als Menschen nicht überschreiten dürfen. Das ist ein klarer ethischer Megaverstoß". Mit der genetischen Veränderung versuche man, "sich selbst zu Göttern zu machen." Lauterbach warnte außerdem vor Versuchen, die in die andere Richtung gehen: Nach der erfolgreichen Geburt von Tieren mit menschlichen Organen sei der Schritt nicht weit, auch Menschen mit tierischen Eigenschaften auszustatten.

Keine Schweine, die Goethe zitieren

Die Kölner Medizinethikerin Christiane Woopen sagte im Deutschlandfunk, ethisch werde mit den Plänen keine rote Linie überschritten. Bei Mischwesen rege sich zwar ein ungutes Gefühl, sagte die Vorsitzende des Europäischen Ethikrates. Entscheidend sei aber, dass es zu keiner Artüberschreitung komme und die spezifischen Charakteristika von Mensch und Tier sich verunklarten. Wenn ein Schwein plötzlich Goethe-Gedichte zitiere, wäre eine eindeutige ethische Grenze überschritten. Aber in Japan wolle man so weit nicht gehen.

Am Mittwoch war bekannt geworden, dass die japanische Regierung Wissenschaftlern die Züchtung von Mischwesen aus Mensch und Tier erlaubt hat. Ein Forscherteam der Universität Tokio darf damit beginnen, tierische Embryonen zu züchten, die menschliche Stammzellen enthalten. Das Ziel sind menschliche Organe, die in den Embryonen heranwachsen.

Der Vorsitzende der Zentralen Ethikkommission bei der Bundesärztekammer, Jochen Taupitz, sieht ebenfalls "keine ethische und rechtliche Grenzüberschreitung". Das deutsche Embryonenschutzgesetz verbiete solche Maßnahmen nicht, sagte Taupitz im rbb-Inforadio. Relevant wäre allenfalls das Tierschutzgesetz, "das Qualzüchtung verbietet". Das sei aber nicht zu erwarten.

Molekularmediziner zweifelt an Erfolg

Der Münchner Molekularmediziner Eckard Wolf hält diese Versuche für nicht aussichtsreich. Letztlich sei die Entstehung eines Organs ein sehr komplexer Prozess, der darauf basiere, dass sich verschiedene Zelltypen miteinander austauschten, sagte Wolf dem Bayerischen Rundfunk (BR). Innerhalb einer Art funktioniere dies sehr gut, möglicherweise auch noch zwischen nahe verwandten Arten. Aber dass Mensch und Schwein nahe genug verwandt seien für dieses Projekt, halte er nicht für realistisch.

Der Wissenschaftler der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität verwies auf einen Versuch in den USA vor drei Jahren. Dabei habe man menschliche Stammzellen in Schweineembryonen injizieren wollen, was am Ende nicht erfolgreich verlaufen sei. Er selbst verfolge mit seinem Team den Ansatz der sogenannten Xenotransplantation. Ziel sei es, Schweineorgane für die Transplantation im Menschen zu verwenden. Dafür müsse man die Spenderschweine genetisch modifizieren, um Abstoßungsreaktionen zu verhindern. "Aber wenn man einmal die richtige Konstellation an genetischen Modifikationen gefunden hat, kann man diese Tiere ganz einfach über Zucht weitervermehren."

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Zur Merkliste hinzugefügt! Merken beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Um zu verstehen, wie unsere Webseite genutzt wird und um dir ein interessenbezogenes Angebot präsentieren zu können, nutzen wir Cookies und andere Techniken. Hier kannst du mehr erfahren und hier widersprechen.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, kannst du jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigst du dein Ausweisdokument.

Du wechselst in den Kinderbereich und bewegst dich mit deinem Kinderprofil weiter.