Sie sind hier:

Offener Brief an Briten - EU-Abgeordnete rufen zur Brexit-Abkehr auf

Datum:

Nicht nur viele Briten sind besorgt vor der entscheidenden Abstimmung morgen im Parlament. In einem Brief wenden sich über 100 EU-Abgeordnete an die Briten: Bitte kein Brexit!

Demonstranten mit Plakaten am 11.01.2019 in London (Großbritannien)
Vor der entscheidenden Brexit-Abstimmung in London werben mehr als hundert EU-Abgeordnete in einem offenen Brief an die Briten für einen Verzicht auf den EU-Austritt des Landes.
Quelle: AP

Vor der Brexit-Abstimmung in London werben mehr als hundert EU-Abgeordnete in einem offenen Brief an die Briten für einen Verzicht auf den EU-Austritt des Landes. "Wir bitten darum, im Interesse der nächsten Generation den Austritt zu überdenken", heißt es im Entwurf des Schreibens, der dem ZDF vorliegt. Der Brief soll Anfang der Woche in Großbritannien veröffentlicht werden. Die Zeitungen der Funke Mediengruppe hatten zuerst darüber berichtet.

Bei Verbleib "herzlich willkommen"

Offener Brief an Briten
Schreiben von EU-Abgeordneten an die Briten.
Quelle: ZDF

Sollte Großbritannien entscheiden, den Austrittsantrag zurückzuziehen, würden die EU-Abgeordneten das unterstützen: "Jede britische Entscheidung, in der EU zu bleiben, würde von uns sehr begrüßt und wir würden mit Ihnen zusammenarbeiten, um die Europäische Union zu reformieren und zu verbessern", schreiben sie.

Die Abgeordneten schreiben weiter, sie hätten "den enormen Einfluss der britischen Politiker und Bürger in den vergangenen 40 Jahren sehr geschätzt. Wir würden das außergewöhnliche Know-how unserer britischen Kollegen vermissen."

Der Europaabgeordnete und Mitunterzeichner Peter Liese (CDU) sagte den Funke-Zeitungen: "Wir wollen ein Zeichen an die Bevölkerung und damit auch an das Unterhaus senden und klar machen: Wenn die Briten sich entscheiden zu bleiben, sind sie herzlich willkommen."

Einige "Kleinigkeiten" müssten in einem solchen Fall geändert werden, sagte Liese. Das sei aber zu vernachlässigen gegenüber dem "riesigen Schaden", der bei einem Brexit und besonders einem ungeregelten Austritt entstehe.

"Dass Theresa May ihren mit Brüssel ausgehandelten EU-Austrittsdeal durch das Parlament bringt, gilt quasi als ausgeschlossen", so ZDF-Korrespondent Andreas Stamm in London.

Beitragslänge:
3 min
Datum:

Nein zu Brexit-Deal gilt als wahrscheinlich

Das britische Parlament wird am Dienstag in einem entscheidenden Votum über das Brexit-Abkommen zwischen London und Brüssel abstimmen. Eine Ablehnung gilt als sehr wahrscheinlich. Die britische Premierministerin Theresa May warnt, in dem Fall drohe Ende März ein ungeregelter EU-Austritt mit gravierenden Folgen für die Wirtschaft - oder aber kein Brexit.

Deutsche Wirtschaftsvertreter warnten vor der Abstimmung vor einem ungeregelten Brexit. "In Deutschland hängen ungefähr 750.000 Arbeitsplätze vom Handel mit Großbritannien ab. Ohne Deal würden zusätzlich Millionen an Zollanmeldungen und Milliarden an Zöllen fällig", sagte der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages, Eric Schweitzer, den Funke-Zeitungen. Zudem würden Produktionsabläufe und Lieferketten unterbrochen.

Großbritannien müsse Vorkehrungen für einen chaotischen Brexit treffen, forderte Schweitzer. Die "No Deal"-Vorkehrungen der EU zum Beispiel bei Flugverbindungen oder bei Lizenzen im Güterkraftverkehr seien sinnvoll.

Deutsche Wirtschaft besorgt

Besorgt äußerte sich auch der Präsident des Außenhandelsverbands BGA, Holger Bingmann. "Scheitert der Deal, wären die Auswirkungen auf beiden Seiten, sowohl in Großbritannien als auch in Europa und da insbesondere Deutschland, massiv", sagte Bingmann den Funke-Zeitungen. "Aufgrund der knappen Zeit bis zum Stichtag wird ohnehin viel Chaos entstehen, das auch den Handel stark betrifft."

Der Spitzenkandidat der europäischen Konservativen für die Europawahlen in Mai, Manfred Weber (CSU), schloss derweil aus, dass sich der EU-Austritt angesichts der politischen Turbulenzen in London verzögert und die Briten in diesem Falle trotzdem an der Europawahl im Mai teilnehmen könnten. "Die Deadline 29. März 2019 ist von der britischen Regierung selbst gewählt", sagte Weber der "Bild"-Zeitung. "Wenn es zu einer Frist-Verlängerung kommt, sagen wir: Nicht über die Europawahl hinaus."

Die wichtigsten Akteure im Brexit-Streit

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert auf Mein ZDF! Abo beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Um zu verstehen, wie unsere Webseite genutzt wird und um Ihnen ein interessenbezogenes Angebot präsentieren zu können, nutzen wir Cookies und andere Techniken. Hier können Sie mehr erfahren und hier widersprechen.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, können Sie jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigen Sie Ihr Ausweisdokument.

Sie wechseln in den Kinderbereich und bewegen sich mit Ihrem Kinderprofil weiter.